Überblick DSGVO / GDPR

Was bedeutet die Datenschutz-Grundverordnung für Unternehmen?

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Peter Schmitz

Privacy by Design ist nur eine der Hürden, die Unternehmen bei der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO / GDPR) nehmen müssen.
Privacy by Design ist nur eine der Hürden, die Unternehmen bei der Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO / GDPR) nehmen müssen. (Bild: notnixon - Pixabay.com / CC0)

Der Datenschutz hat in Deutschland einen besonders hohen Stellenwert. Trotzdem befassen sich die Unternehmen hierzulande zu wenig mit der Datenschutzreform, die die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) oder General Data Protection Regulation (GDPR) der EU mit sich bringt.

Deutschland hat im Vergleich zu vielen anderen Staaten einen hohen Anspruch an den Schutz personenbezogener Daten. Leider bringt ein hohes Datenschutzniveau auf nationaler Ebene nicht viel, wenn es um den internationalen Datenaustausch und um das Internet geht.

Mit Blick auf den digitalen Binnenmarkt in der EU muss der Datenschutz europäisch werden, mehr als dies heute der Fall ist. Mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO / GDPR) der EU wird genau dieses Ziel verfolgt.

„Die Datenschutz-Grundverordnung wird den Bürgern eine bessere Kontrolle ihrer personenbezogenen Daten ermöglichen. Gleichzeitig werden Unternehmen dank moderner, einheitlicher Regeln, die den Verwaltungsaufwand verringern und das Vertrauen der Verbraucher stärken, die Chancen, die der digitale Binnenmarkt bietet, besser nutzen können“, so die Europäische Kommission.

Hier einige Neuerungen der DSGVO / GDPR, die ab dem 25. Mai 2018 anzuwenden ist:

  • Das Datenschutzrecht in der EU soll (weitgehend) vereinheitlicht werden.
  • Unternehmen haben bei grenzüberschreitendem Datenverkehr nur mit einer Aufsichtsbehörde für den Datenschutz zu tun, mit der an ihrem Hauptsitz (One-Stop-Shop-Mechanismus).
  • Unternehmen mit Sitz außerhalb Europas müssen dieselben Regeln befolgen, wenn sie Dienstleistungen in der EU anbieten (Marktortprinzip).
  • Basis für die Wahl der Datenschutzmaßnahmen ist ein risikobasierter Ansatz.
  • Der Datenschutz soll von der frühesten Entwicklungsphase an in die Produkte und Dienstleistungen eingebaut werden („Privacy by Design“).
  • Die Informationen für Betroffene über die Datenverarbeitung (Datenschutzerklärungen) müssen klarer und verständlicher sein.
  • Es gibt ein Recht auf Datenübertragbarkeit bei Wechsel des Anbieters und ein Recht auf Vergessenwerden, so dass auch die Datenempfänger informiert werden müssen, wenn die Löschpflicht eintritt.
  • Die Meldepflichten und Sanktionen werden verschärft, wenn es zu einer Verletzung des Datenschutzes kommt.

Es besteht akuter Handlungsbedarf: Alle Stellen, die mit personenbezogenen Daten arbeiten, sind aufgefordert, die Übergangszeit bis Mai 2018 zu nutzen, um sich rechtskonform und datenschutzfreundlich aufzustellen.

Reinhard Dankert, der Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Mecklenburg-Vorpommern, hält den Übergangszeitraum von zwei Jahren für äußerst knapp bemessen: „Die Unternehmen müssen unverzüglich beginnen, ihre Prozesse zum Umgang mit personenbezogenen Daten zu analysieren, um sie rechtzeitig an die Erfordernisse der Europäischen Datenschutz-Grundverordnung anpassen zu können“, erklärte der turnusmäßige Vorsitzende der Konferenz der unabhängigen Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder.

Bedeutung und Empfehlung für Unternehmen

Trotz der anstehenden Aufgaben zur Umsetzung der DSGVO / GDPR zeigen Umfragen wie die des Digitalverbandes Bitkom, dass Unternehmen in Deutschland die Datenschutzreform noch nicht ausreichend genug im Fokus haben. Demnach haben sich 44 Prozent der befragten Unternehmen noch nicht mit der neuen EU-Verordnung beschäftigt. Folgende Punkte müssen stärker ins Bewusstsein vordringen:

  • Es wird vielfach übersehen, dass der 25. Mai 2018 keine weitere Umsetzungsfrist oder Verzögerung zulässt. Es handelt sich um eine echte „Deadline“. Im Gegensatz zu der bestehenden EU-Datenschutz-Richtlinie, die Niederschlag im Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) gefunden hat, handelt es sich bei der DSGVO / GDPR um eine Verordnung. Sie hat also Anwendungsvorrang vor den nationalen Gesetzen und gilt unmittelbar in jedem EU-Mitgliedsstaat.
  • Werden geforderte Maßnahmen nicht rechtzeitig oder unvollständig umgesetzt, drohen massive Sanktionen, die mit den bisherigen nach BDSG nicht vergleichbar sind.
  • Wirklich einheitlich wird der Datenschutz in der EU nicht, denn es gibt zahlreiche Öffnungsklauseln, nach denen nationale Regelungen möglich sind. Hier müssen sich Unternehmen in Zukunft detailliert informieren, was in welchem EU-Land genau gilt.
  • Nicht alles ist neu an der DSGVO bzw. GDPR, gerade Unternehmen aus Deutschland werden vieles bereits kennen, sofern sie denn das BDSG umfassend beachtet haben. Manches ändert sich nur geringfügig, aber auch dies muss beachtet werden.
  • Vorhandene Einwilligungen zur Datenverarbeitung bleiben unter bestimmten Voraussetzungen auch unter der DSGVO / GDPR gültig. Trotzdem gibt es viele Bereiche im betrieblichen Datenschutz, die überarbeitet und angepasst werden müssen.

Unternehmen sollten sich nun zeitnah über die anstehenden Aufgaben orientieren und nach geeigneter Unterstützung suchen, wie zum Beispiel passenden Tools, die bei der Umsetzung helfen können.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Private IoT-Geräte im Unternehmen

Bring Your Own Device 2.0

Private IoT-Geräte im Unternehmen

Das Internet der Dinge verändert Privat- und Berufsleben. Dazu gehört auch, dass Mitarbeiter immer häufiger persönliche IoT-Geräte an ihren Arbeitsplatz mitbringen. Diese stellen jedoch ein mögliches Sicherheitsrisiko dar, auf das Security-Verantwortliche reagieren müssen. lesen

Hackerangriff in Bulgarien betrifft Millionen Menschen

Steuerbehörde NAP bestätigt Hackerangriff

Hackerangriff in Bulgarien betrifft Millionen Menschen

Hacker haben in Bulgarien persönliche Daten von Millionen Menschen aus der Finanzbehörde NAP entwendet, die alle Steuern und Rentenabgaben verwaltet. „Es gibt tatsächlich einen nicht erlaubten Zugriff auf einen Server der NAP“, sagte Innenminister Mladen Marinow am Dienstag im Fernsehsender bTV und bestätigte eine anonyme Nachricht von Hackern. lesen

Entwickler, Admins und IT-Security reden zu wenig

DevOps leidet unter mangelnder Kommunikation

Entwickler, Admins und IT-Security reden zu wenig

DevOps ist nicht nur ein Modewort, sondern wird in vielen Unternehmen aktiv gelebt oder zumindest gerade umgesetzt. Dies zeigt eine Studie von Vanson Bourne im Auftrag von Trend Micro. Die IT-Sicherheit kommt dabei allerdings oft zu kurz. lesen

Chancen und Risiken von Blockchain-Lösungen

Neues eBook „Blockchain und digitale Identitäten“

Chancen und Risiken von Blockchain-Lösungen

Manche sehen in Blockchain-Technologien die Zukunft der digitalen Identitäten, andere halten die Blockchain für das Ende des Datenschutzes. Bevor Unternehmen mit Blockchain-Projekten starten, sollten sie die Vorteile und Einschränkungen für digitale Identitäten kennen. Das neue eBook will dabei helfen und nennt neben Beispiel­anwendungen auch den Bedarf an zusätzlicher Sicherheit. lesen

Unternehmen fühlen sich Cyber-Kriminellen ausgeliefert

Symantec High Alert-Studie

Unternehmen fühlen sich Cyber-Kriminellen ausgeliefert

Eine von Symantec in Auftrag gegebene Studie zeichnet ein düsteres Bild hinsichtlich der Belastung und den Fähigkeiten von IT-Security-Teams in Unternehmen. Die Ergebnisse zeigen, in welch einer erschreckenden Lage sich Unternehmen bereits befinden. Ein Teufelskreis aus Überlastung und Stress verhindert die Weiterentwicklung beruflicher Fähigkeiten und Entscheidungsfindungen. lesen

„Open Bug Bounty“-Projekt veröffentlicht Statistiken

Schnellster Bugfix benötigte nur 12 Minuten

„Open Bug Bounty“-Projekt veröffentlicht Statistiken

Der gemeinnützige Schwachstellen-Prämien-Service Open Bug Bounty hat interessante Statistiken für das erste Halbjahr 2019 veröffentlicht. Knapp 92.600 Sicherheitslücken wurden demnach gemeldet, mehr als die Hälfte davon noch im selben Zeitraum gefixt. lesen

Effiziente Workflows verhindern Katastrophen

IT-Krisenmanagement optimieren

Effiziente Workflows verhindern Katastrophen

Notfälle lassen sich nie ganz verhindern, seien es IT-Notfälle, Naturkatastrophen oder vom Menschen gemachte Krisen. Unternehmen müssen bereit sein, Geschäftsprozesse auch im Notfall weiter führen zu können. Dann ist es von Vorteil, auf eine CEM (Critical Event Management)-Plattform zurückgreifen zu können, die dabei hilft, die Katastrophe abzuwenden. lesen

Social Engineering ist häufigster Betrugsversuch

IDnow Security Report 2019

Social Engineering ist häufigster Betrugsversuch

Identitätsbetrug in der digitalen Welt kostet Unternehmen Milliarden. Betrüger greifen dabei zu immer kreativeren Methoden, die nur mit den entsprechenden Technologien und Prozessen abgewehrt werden können. Eine Analyse von IDnow ergab, dass die Liste der häufigsten Betrugsversuche mit 73 Prozent Social Engineering anführt, gefolgt von der Nutzung gefälschter (16 Prozent) beziehungsweise von gestohlenen Ausweisen (11 Prozent). lesen

Wenn Nachwuchstalente Praxisluft schnuppern

Rohde & Schwarz Engineering Competition

Wenn Nachwuchstalente Praxisluft schnuppern

Rohde & Schwarz ermöglicht es mit der Engineering Competition, angehenden Ingenieuren, in reale Entwicklertätigkeiten einzutauchen. Die Kollegen von der ELEKTRONIKPRAXIS warf einen Blick hinter die Kulissen des internationalen Wettbewerbs, bei dem nicht nur fundiertes Technikwissen zählt. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44363631 / Definitionen)