Definition ECCC Was ist das European Cybersecurity Competence Centre?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 5 min Lesedauer

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Das European Cybersecurity Competence Centre ist eine EU-Einrichtung mit Sitz in Bukarest. Aufgabe des Kompetenzzentrums ist es, die EU in puncto Cybersicherheit zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Cybersicherheitsbranche zu steigern. Dafür arbeitet das ECCC mit einem Netz an nationalen Koordinierungszentren (NCCs) der einzelnen EU-Mitgliedstaaten zusammen.

Das European Cybersecurity Competence Centre (ECCC) ist das Europäische Kompetenzzentrum für Cybersicherheit mit Sitz in Bukarest.(Bild:   / CC0)
Das European Cybersecurity Competence Centre (ECCC) ist das Europäische Kompetenzzentrum für Cybersicherheit mit Sitz in Bukarest.
(Bild: / CC0)

Die vollständige deutsche Bezeichnung des European Cybersecurity Competence Centre, abgekürzt ECCC, lautet "Europäisches Kompetenzzentrum für Industrie, Technologie und Forschung im Bereich der Cybersicherheit". Es handelt sich um eine EU-Einrichtung und eine Exekutivagentur der Europäischen Union mit Sitz in Bukarest, Rumänien. Sie wurde im Jahr 2021 mit der EU-Verordnung 887/2021 eingerichtet. Aufgabe des Kompetenzzentrums ist es, die Cybersicherheitskapazitäten, die technologische Souveränität und die Wettbewerbsfähigkeit der EU im Bereich Cybersecurity zu stärken. Das Kompetenzzentrum koordiniert und finanziert Projekte im Bereich der Cybersicherheit und arbeitet eng mit einem Netz an nationalen Koordinierungszentren (NCCs) der einzelnen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Gemeinsam mit den nationalen Koordinierungszentren, der Industrie und Forschungseinrichtungen bildet es eine starke Cybersicherheits-Community und gibt den europäischen Rahmen zur Unterstützung von Forschungs- und Industrieprojekten im Bereich der Cybersecurity vor. In diesem Zusammenhang verwaltet das Cybersecurity Competence Centre Fördermittel aus den Programmen "Digitales Europa" und "Horizont Europa". Finanzielle Unterstützung aus diesen Fördertöpfen wird beispielsweise Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen oder Behörden gewährt, die geeignete Vorschläge und Projekte einreichen.

Damit ist das European Cybersecurity Competence Centre ein zentrales Instrument der EU zur Bündelung von Investitionen in Forschung, Technologie und industrielle Entwicklung im Bereich Cybersecurity. Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen oder Teams aus dem Bereich der Cybersicherheit, beispielsweise Computer Security Incident Response Teams, hat das ECCC aber keine operativen Cybersicherheitsaufgaben, wie das Erkennen und Abwehren von Cybersicherheitsvorfällen. Seit 2023 ist Luca Tagliaretti der Exekutivdirektor des Europäischen Kompetenzzentrums für Cybersicherheit.

Verwaltung und Leitung des European Cybersecurity Competence Centre

Die Verwaltung und Leitung des European Cybersecurity Competence Centre sind über folgende Gremien und Organisationsstrukturen geregelt. Ein Verwaltungsrat gibt die strategische Ausrichtung vor und beaufsichtigt die Tätigkeiten des Cybersecurity-Kompetenzzentrums. Der Exekutivdirektor des Kompetenzzentrums fungiert als gesetzlicher Vertreter des ECCC und verantwortet die laufende Geschäftsführung. Darüber hinaus gibt es eine strategische Beratungsgruppe zur Gewährleistung eines umfassenden, kontinuierlichen und ständigen Dialogs zwischen der Community und dem ECCC.

Der Verwaltungsrat setzt sich aus je einem Vertreter pro Mitgliedstaat, zwei Vertretern der Europäischen Kommission sowie einem Stellvertreter pro Mitglied zusammen. Beobachter des Verwaltungsrats sind unter anderem die ENISA (European Union Agency for Cybersecurity) und der Exekutivdirektor des European Cybersecurity Competence Centre. Sie nehmen an den Sitzungen des Verwaltungsrats teil, haben aber keine Stimmrechte. Beschlüsse des Verwaltungsrats werden einvernehmlich gefasst. Sollte diese nicht möglich sein, ist mindestens eine Dreiviertelmehrheit aller Stimmen erforderlich. Beschlüsse, die den EU-Haushalt betreffen, können nicht ohne Zustimmung der EU erfolgen, da sie 26 Prozent der Stimmrechte hat. Neben der strategischen Ausrichtung und Überwachung der Aktivitäten des Kompetenzzentrums hat der Verwaltungsrat weitere Aufgaben wie die Verabschiedung der Arbeitsprogramme, der Jahresbudgets und der Jahresberichte, die Einrichtung von Arbeitsgruppen, die Ernennung der Mitglieder der strategischen Beratungsgruppe, die Wahl des Exekutivdirektors des ECCC und die Verabschiedung der Finanzordnung sowie der Regeln im Umgang mit Interessenskonflikten und weiteres.

Unterstützt wird der Verwaltungsrat von einem industriellen und wissenschaftlichen Beirat. Die strategische Beratungsgruppe setzt sich aus vom Verwaltungsrat aus den Reihen der Vertreter der Cyber-Community ernannten Mitgliedern zusammen. Sie besitzt entsprechende Expertise in der Cybersicherheitsforschung, in industrieller Entwicklung und in professionellen Dienstleistungen und Produkten. Die strategische Beratungsgruppe trifft sich mindestens dreimal im Jahr.

Die Rolle der nationalen Koordinierungszentren für das Cybersecurity Competence Centre

Das European Cybersecurity Competence Centre arbeitet eng mit einem Netzwerk nationaler Koordinierungszentren (NCCs) in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Insgesamt besteht das Netzwerk aus 27 solcher Koordinierungszentren, eines pro Mitgliedstaat. Das deutsche Koordinierungszentrum ist das nationale Koordinierungszentrum für Cybersicherheit in Industrie, Technologie und Forschung (NKCS). Es handelt sich beim NKCS um eine Kooperationsplattform von BMWK (Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz), BMI (Bundesministerium des Innern und für Heimat), BMVg (Bundesministerium der Verteidigung), BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) und BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik), unter Gesamtkoordination des BMI. Das BSI nimmt die Rolle des Single Point of Contact für das ECCC und für andere NCCs oder Institutionen ein.

Die NCCs agieren in den einzelnen Mitgliedstaaten als eine Art Torwächter für die Cybersicherheitsgemeinschaft in ihrem Land. Sie arbeiten mit der Industrie, Wissenschaft und Forschung, mit Bürgern, dem öffentlichen Sektor und den Behörden in den jeweiligen Ländern zusammen und unterstützen das European Cybersecurity Competence Centre bei der Erfüllung seiner Aufgaben. Erhaltene finanzielle EU-Fördergelder können durch die NCCs an nationale Einrichtungen weitergegeben werden.

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Auftrag und konkrete Aufgaben des Cybersecurity Competence Centre

Das Europäische Kompetenzzentrum für Cybersicherheit hat den Auftrag, die Cybersicherheitskapazitäten und die globale Wettbewerbsfähigkeit Europas im Bereich Cybersicherheit zu steigern. Zudem soll durch die Zusammenarbeit mit einem Netzwerk nationaler Koordinierungszentren eine starke Cybersicherheitsgemeinschaft aufgebaut werden.

Um seinen Aufgaben nachzukommen, nutzt das Cybersecurity Competence Centre drei Hebel:

  • eine umfassende, nachhaltige und strategische Agenda für Industrie, Technologie und Forschung im Bereich Cybersicherheit
  • die Finanzierungsinstrumente "Digitales Europa" und "Horizont Europa"
  • eine starke Cybergemeinschaft, bestehend aus den nationalen Koordinierungszentren, der strategischen Beratungsgruppe und weiteren europäischen Cybersicherheitsakteuren

Die Aufgaben des European Cybersecurity Competence Centre zur Erfüllung seiner Ziele sind im Artikel 5 der EU-Verordnung 887/2021 festgelegt. Sie umfassen sowohl strategische Aufgaben als auch Umsetzungsaufgaben. Zu den strategischen Aufgaben zählen zum Beispiel die Erarbeitung einer strategischen Agenda und die Überwachung ihrer Umsetzung, die Festlegung der Prioritäten für die Arbeit des Kompetenzzentrums in den verschiedenen Bereichen und die Gewährleistung der Zusammenarbeit mit Organen, Einrichtungen und sonstigen Stellen oder Institutionen der Europäischen Union sowie die Sicherstellung entsprechender Synergien. Umsetzungsaufgaben des ECCC sind zum Beispiel die Durchführung von Aktivitäten zur Förderung der Cybersicherheit, die Zusammenarbeit mit den nationalen Koordinierungszentren, die Unterstützung der Mitglieder der Gemeinschaft bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im Bereich Cybersicherheit und die Förderung der Zusammenarbeit und des Austauschs von Informationen und bewährten Verfahren im Cybersicherheitsbereich.

Als konkrete Aufgaben des Cybersecurity Competence Centre lassen sich zum Beispiel nennen:

  • Bündelung der Ressourcen der EU bei der Finanzierung strategischer Cybersicherheitsprojekte
  • Verwaltung und Koordinierung von EU-Fördermitteln aus den Programmen "Digitales Europa" und "Horizont Europa"
  • Festlegung strategischer Investitionsentscheidungen in Cybersicherheitstechnologien zur Verringerung der Abhängigkeiten von nicht-europäischen Technologien
  • Ausschreibung, Bewertung und Vergabe von Fördergeldern an Projekte zur Entwicklung innovativer Cybersicherheitslösungen und zur Verbesserung der Kompetenzen und industriellen Kapazitäten
  • Aufbau und Koordination einer starken Cybersicherheits-Community durch Vernetzung von Industrie, Forschungseinrichtungen, KMU und öffentlichem Sektor
  • Unterstützung bei der Beschaffung und beim Einsatz von innovativen Cybersicherheitslösungen und -produkten
  • Bereitstellung von finanzieller Unterstützung und technischer Hilfe für Start-ups im Bereich der Cybersicherheit
  • Förderung hoher Cybersicherheitsstandards
  • Unterstützung der Entwicklung moderner Cybersicherheitstechnologien in Bereichen wie Sicherheit von Hardware und Software, Datenintegrität und Verschlüsselung
  • Maßnahmen zur Verringerung des Fachkräftemangels im Cybersicherheitsbereich
  • Verbindung von ziviler und militärischer Cybersicherheit, Förderung von Synergien und effiziente Nutzung von Dual-Use-Technologien

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