DRaaS Was ist Disaster-Recovery-as-a-Service?

Aktualisiert am 20.11.2025 Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 4 min Lesedauer

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Disaster-Recovery-as-a-Service ist ein cloudbasierter Service, der die Wiederherstellung und den Weiterbetrieb von IT-Infrastrukturen, An­wen­dungen und ihren Daten im Notfall beinhaltet. Dabei hält der Anbieter die benötigten Ressourcen bereit und managt sie. Die Kunden müssen keine eigene Hard- und Software oder IT-Infrastruktur für das Disaster Recovery vorhalten.

Disaster-Recovery-as-a-Service (DRaaS) ist ein cloudbasiertes IT-Sicherheits- und Business-Continuity-Konzept, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre Systeme und Daten nach einem Ausfall oder einer Katastrophe schnell wiederherzustellen.(Bild:  Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)
Disaster-Recovery-as-a-Service (DRaaS) ist ein cloudbasiertes IT-Sicherheits- und Business-Continuity-Konzept, das Unternehmen dabei unterstützt, ihre Systeme und Daten nach einem Ausfall oder einer Katastrophe schnell wiederherzustellen.
(Bild: Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)

DRaaS steht für Disaster-Recovery-as-a-Service. Dabei handelt es sich um ein Servicemodell des Cloud-Computings, mit dem sich in Notfällen IT-Infrastrukturen, Anwendungen und ihre Daten wiederherstellen und weiterbetreiben lassen. Im Gegensatz zu Backup-as-a-Service sichert und schützt DRaaS nicht nur die Daten, sondern auch den Weiterbetrieb der Daten­verarbeitung. Die für die Notfallwiederherstellung benötigten Ressourcen wie virtuelle Server, Cloud-Storage oder Backup-Services werden von einem Cloud-Anbieter auf seiner Cloud-Plattform als Dienstleistung bereitgestellt und gemanagt. DRaaS-Kunden müssen keine eigene Hard- und Software oder IT-Infrastruktur für das Disaster Recovery vorhalten. Es lassen sich zum Beispiel physische Server auf virtuelle Server einer Cloud-Plattform replizieren und im Notfall in der Cloud betreiben.

Disaster Recovery als Serivce für den Notfall

Disaster-Recovery-as-a-Service ist ein per Cloud-Computing realisierter Bestandteil des Betriebs­kontinuitäts­managements. Das Betriebs­kontinuitäts­management sorgt für die Weiterführung der Geschäftsprozesse eines Unternehmens bei Ausfall kritischer Systeme. Solche Ausfälle können beispielsweise durch Gerätestörungen oder Stromausfälle, Natur­katastrophen, Cyberangriffe, Netzwerkstörungen, Softwarefehler, Sabotage oder Diebstahl verursacht werden. In der Regel lassen sich die Disaster-Recovery-Services über Webportale einrichten, verwalten und steuern. Leistungsumfang und Qualitätsmerkmale sind in Service Level Agreements (SLAs) zwischen Kunde und Anbieter vereinbart. Dazu zählen zum Beispiel Kennzahlen wie Recovery Time Objectives (RTO) und Recovery Point Objectives (RPO). Sie legen die Menge des hinnehmbaren Datenverlusts und die maximale Ausfallzeit bestimmter Systeme fest. Die Abrechnung von DRaaS erfolgt pauschal oder abhängig von den vorgehaltenen Cloud-Ressourcen beziehungsweise den im Notfall in Anspruch genommenen Ressourcen.

Disaster-Recovery-as-a-Service ist dem Konzept Everything-as-a-Service (EaaS) oder Any­thing-as-a-Service (XaaS) zuordenbar. Analog zu den klassischen Cloud-Computing-Service­modellen Software-as-a-Service (SaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) und Infra­struc­ture-as-a-Service (IaaS) gibt es den im Rahmen des Cloud-Computings erbrachten Services eigene Namen wie Backup-as-a-Service (BaaS), Artificial-Intelligence-as-a-Service (AIaaS), Security-as-a-Service (SECaaS) oder Desktop-as-a-Service (DaaS) und andere. All diese Services basieren aber auf den klassischen Servicemodelle IaaS, PaaS und SaaS. Es handelt sich um Leistungen oder Kombinationen von Leistungen dieser Servicemodelle, die häufig aus Marketinggründen eigene Bezeichnungen erhalten.

DRaaS-Leistungen und Abgrenzung von Backup-as-a-Service

DRaaS wird in verschiedenen Ausprägungen angeboten. Grundsätzlich lassen sich diese drei Hauptmodelle unterscheiden:

  • Self-Service-Modell: Verantwortung für Planung, Verwaltung und Test des Disaster Recovery liegt beim Kunden, Provider stellt die Ressourcen für das Hosting der Infrastruktursicherung zur Verfügung
  • Assisted-Modell: Verantwortung für einige Aspekte des Disaster Recovery liegt beim Kunden, der Provider stellt Ressourcen und Know-how bereit
  • Managed-Modell: Provider übernimmt die komplette Verantwortung und die Bereitstellung sämtlicher Ressourcen für das Disaster Recovery

Vom Cloud-Computing-Servicemodell Backup-as-a-Service unterscheidet sich DRaaS darin, dass wesentlich mehr Leistungen als nur die Sicherung von Daten enthalten sind. Datensicherung ist nur eine Komponente von Disaster-Recovery-as-a-Service. Weitere erbrachte Leistungen stellen den kompletten Weiterbetrieb der Datenverarbeitung inklusive Infrastruktur, Anwendungen und Netzwerkbetrieb sicher. Im Notfall wird die Datenverarbeitung in die Cloud verlagert und so lange dort weiterbetrieben, bis die die ursprüngliche Umgebung wieder genutzt werden kann.

Vor- und Nachteile von DRaaS

Vorteil von DRaaS ist, dass sich Geschäftsrisiken bei Notfällen oder Katastrophen durch den Weiterbetrieb in der Cloud und die Georedundanz von DRaaS minimieren lassen, ohne dass eigene Hard- oder Software und IT-Infrastruktur zur Absicherung der Datenverarbeitung vorgehalten werden müssen. Kunden profitieren vom Disaster-Recovery-Know-how des Anbieters, seinen professionell betriebenen Disaster-Recovery-Services und können die Leistungen über Webportale komfortabel selbst verwalten, skalieren und anpassen. Es sind kurze Ausfallzeiten und schnelle Notfallwiederherstellungen realisierbar. Die Kosten für das Disaster Recovery sind transparent.

Als Nachteile lassen sich aufführen:

  • Kunden machen sich in gewisser Weise abhängig vom Cloud-Anbieter, seinen Leistungen, Produkten und seinen Qualitäts- und Sicherheitsstandards
  • unter Umständen werden durch die Notfallverlagerung der Datenverarbeitung in die Cloud rechtliche Vorgaben zum Datenschutz oder Compliance-Richtlinien verletzt
  • es kann zu Performanceproblemen beim Betrieb von Anwendungen oder IT-Infrastrukturen in der Cloud kommen
  • kontinuierliche Datenreplikationen erfordern unter Umständen große Bandbreiten

Funktionen von Disaster Recovery as a Service

Die Auswahl eines DRaaS-Anbieters und die damit verbundenen Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab: dem Umfang der geschützten Systeme, den gewählten Wiederherstellungszeiten (RTO/RPO), der Datenmenge und der Anzahl der Failover-Standorte. Einstiegspakete kleinerer DRaaS-Anbieter beginnen teils bereits bei dreistelligen Beträgen pro Monat, während umfassende Enterprise-Lösungen mehrere tausend Euro kosten können – je nach SLA, Support-Level und Compliance-Anforderungen.

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Dedizierte Disaster-Recovery-Lösungen bieten in der Regel folgende Funktionen:

Funktionsbereich Inhalte
Replikation & Backup Kontinuierliche oder geplante Datenreplikation in sekundäre Umgebung (On-Premises oder Cloud)
Automatisiertes Failover Schnelle Umschaltung auf Notfallumgebung bei Systemausfall mit minimaler Downtime (RTO)
Orchestrierung Automatisierte Wiederherstellungsprozesse inklusive Abhängigkeiten, Reihenfolge der Wiederherstellung und Skripten
Testbarkeit & Simulation Nicht-invasive Testläufe zur Überprüfung der DR-Funktionalität ohne Produktivsystem zu stören
Cloud-Integration Unterstützung für AWS, Azure, Google Cloud, Microsoft 365, SaaS- und IaaS-Umgebungen
Compliance & Reporting Automatisierte Berichte, Audit-Trails, Wiederherstellungsnachweise für ISO, DSGVO, NIS2 u. a.

Wichtige Player im DR- und DRaaS-Umfeld sind: Zerto, Acronis, Veeeam, VMware, Rubrik, Datto, Ionos, Telekom und Plusserver.

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