Ganzheitliches Risikomanagement Was ist Enterprise Risk Management?

Aktualisiert am 11.06.2025 Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 4 min Lesedauer

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Enterprise Risk Management ist die Bezeichnung für ein ganzheitliches, unternehmensweites Risikomanagement. Im Gegensatz zu traditionellen Ansätzen des Risikomanagements betrachtet das ERM die einzelnen Risiken nicht isoliert. Modernes ERM berücksichtig das gesamte Unternehmen, die Risiken, denen es ausgesetzt ist sowie gegenseitigen Wechselwirkungen.

Enterprise Risk Management bringt Balance in komplexe Unternehmensrisiken – moderne Frameworks und Softwarelösungen helfen CISOs und Geschäftsführern, strategische Entscheidungen risikobewusst zu treffen.(Bild:  [CherriesJD] via Getty Images.)
Enterprise Risk Management bringt Balance in komplexe Unternehmensrisiken – moderne Frameworks und Softwarelösungen helfen CISOs und Geschäftsführern, strategische Entscheidungen risikobewusst zu treffen.
(Bild: [CherriesJD] via Getty Images.)

Die Abkürzung ERM steht für Enterprise Risk Management. Dabei handelt es handelt sich um einen konzeptionellen Ansatz eines ganzheitlichen, unternehmensweiten Risikomanagements. ERM hat sich aus dem traditionellen Risikomanagement im Unternehmen entwickelt und bietet eine verbesserte Herangehensweise. Im Gegensatz zum klassischen Risikomanagement erfolgt die Betrachtung der Risiken in Bezug auf die Geschäftsprozesse, Unternehmensbereiche und Risikoarten nicht isoliert, sondern auf der Ebene des Gesamtunternehmens. Auch Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den Einzelrisiken werden beachtet.

Im Zentrum des Enterprise Risk Managements steht das Ziel, eventuelle Schäden für Unternehmen zu minimieren. Neben Risiken hat es auch die Chancen im Blick und das Ziel, die Geschäftsziele bestmöglich zu erreichen. Sicherheitsprozesse, die zur Erreichung der Geschäftsziele benötigt werden, sind ebenfalls Bestandteil dieses Strategiekonzepts. Ein bekanntes und weltweit etabliertes Rahmenwerk veröffentlichte das Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission (COSO) im Jahr 2004. Es wurde seither mehrfach überarbeitet und aktualisiert.

Was bringt Enterprise Risk Management?

Zahlreiche Risiken gefährden die Erreichung der Geschäftsziele eines Unternehmens, Wirtschaftskrisen, Naturkatastrophen, Datenschutzverletzungen aber auch zunehmend Cyberangriffe. Solche Risiken können Schäden für das Unternehmen selbst, für seine Mitarbeiter, Kunden, Partner, Geldgeber und für die Gesellschaft allgemein verursachen. Deshalb ist es das Ziel des Risikomanagements, Schäden zu minimieren. Allerdings erfolgte die Betrachtung der Risiken in der Vergangenheit im klassischen Risikomanagement isoliert. Geschäftsprozesse, Unternehmensbereiche und die verschiedenen Risikoarten wurden einzeln analysiert. Wechselwirkungen und Abhängigkeiten zwischen den Risiken fanden kaum Beachtung. Dieses Manko soll das Enterprise Risk Management beseitigen, indem es einen ganzheitlichen, unternehmensweiten Ansatz für das Management der Risiken bereitstellt. So können Risiken beurteilt werden, die das gesamte Unternehmen betreffen. Dazu sollen die Risiken strategisch so verwaltet werden, dass die Unternehmensziele erreicht werden. Dabei sind die Funktionen des Risikomanagements in die Geschäftsorganisation und die Unternehmensprozesse integriert.

Konzept und Merkmale des Enterprise Risk Managements

Im Mittelpunkt des Enterprise Risk Managements stehen die Identifizierung, die Beurteilung, die Verwaltung und die Steuerung der wesentlichen Risiken eines Unternehmens. Die Beurteilung der Risiken erfolgt immer in Bezug auf die Erreichung der Unternehmensziele. Die Eigenschaften des ERMs umfassen die Konsolidierung des Risikomanagements sowie die strukturierte Durchführung der Risikosteuerung und -verwaltung. Es werden fortlaufende Abläufe geschaffen, die von sämtlichen Angestellten und Führungskräften unterstützt werden. Das Risikomanagement erfolgt bereichsübergreifend auf allen Ebenen der Organisation.

Enterprise Risk Management Framework

Ein Enterprise Risk Management Framework liefert den strukturellen Rahmen, um Risiken ganzheitlich und systematisch zu identifizieren, zu bewerten, zu überwachen und zu steuern. Es hilft Unternehmen dabei, Risiken nicht isoliert zu betrachten, sondern als Bestandteil der strategischen Entscheidungsfindung – mit Blick auf den Unternehmenswert und die Zielerreichung. Ein solches Framework schafft Transparenz über Risiken, sorgt für Konsistenz im Risikomanagementprozess und ermöglicht eine bessere Integration in Governance-Strukturen.

Das derzeit wohl am weitesten verbreitete ERM-Framework stammt von der Committee of Sponsoring Organizations of the Treadway Commission. Dieses ERM-Framework wurde zuletzt 2020 aktualisiert und versteht das Risikomanagement als Treiber für Strategie und Performance. Es umfasst fünf Komponenten:

  • Governance und Kultur
  • Strategie und Zielsetzung
  • Leistung
  • Risikoüberprüfung
  • Informations-, Kommunikations- und Berichtsprozesse

Dabei legt das COSO-Framework besonderen Wert auf die Integration von Risikomanagement in das unternehmerische Denken. Neben dem COSO-Framework existieren weitere anerkannte Rahmenwerke wie ISO 31000 – ein internationaler Standard, der allgemeine Leitlinien für das Risikomanagement bietet. Auch branchenspezifische Ansätze wie das NIST Risk Management Framework (RMF) für Informationssicherheit in US-Behörden oder Basel III für Banken gehören zu den etablierten ERM-Systematiken.

In modernen Enterprise-Risk-Management-Strategien spielen Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) zunehmend eine tragende Rolle. Sie werden eingesetzt, um Risikodaten in Echtzeit zu analysieren, Muster in großen Datenmengen zu erkennen und Frühwarnindikatoren für potenzielle Risiken zu identifizieren. Insbesondere in dynamischen, IT-getriebenen Unternehmensumgebungen mit hohem Automatisierungsgrad können KI-gestützte Systeme dazu beitragen, Risiken nicht nur schneller, sondern auch präziser zu bewerten.

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ERM-Frameworks wie das von COSO betonen zunehmend die Bedeutung datengetriebener Entscheidungsfindung und adaptiver Steuerungsmechanismen. Während traditionelle Methoden stark auf Erfahrungswerte und manuelle Analysen setzen, ermöglichen ML-Algorithmen eine kontinuierliche Verbesserung des Risikoerkennungsprozesses, etwa durch selbstlernende Modelle zur Erkennung von Anomalien, Cyberangriffsmustern oder finanziellen Unregelmäßigkeiten.

Enterprise Risk Management Software

Dedizierte ERM-Software unterstützt Unternehmen dabei, Risiken effizienter zu erfassen, zu analysieren und zu überwachen – insbesondere in komplexen IT- und Geschäftsprozessen. Eine ERM-Lösung digitalisiert und automatisiert viele Arbeitsschritte des Risikomanagementprozesses, etwa die Risikoidentifikation, Bewertung nach Eintrittswahrscheinlichkeit und Schadenshöhe, Maßnahmenverfolgung und das Reporting gegenüber Management oder Aufsichtsbehörden. Sie ermöglicht eine zentrale Datenhaltung, rollenbasierte Zugriffskontrollen sowie die Erstellung von Berichten und Dashboards in Echtzeit.

Am Markt etabliert sind Anbieter wie Logicmanager, Riskwatch, Metricstream, RSA Archer oder SAP GRC. Diese Lösungen bieten unter anderem Risikoregister, Frühwarnsysteme, Compliance-Module sowie Integrationen mit ITSM-, ERP- oder Audit-Systemen. Die Auswahl der passenden Lösung hängt stark von Unternehmensgröße, Branche und IT-Infrastruktur ab.

Die Vorteile einer ERM-Software liegen vor allem in der verbesserten Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen, der Effizienzsteigerung durch automatisierte Prozesse sowie in der erhöhten Transparenz gegenüber internen und externen Stakeholdern. Darüber hinaus kann die Software dabei helfen, Silostrukturen aufzubrechen und Risiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu korrelieren – ein entscheidender Faktor für resiliente Organisationen.

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