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Auslaufmodell Blacklist?
Beide Schwachpunkte führen dazu, dass Content-basierte Filter heute meist mit reputationsbasierten Verfahren kombiniert werden. Diese gelten als zweite wichtige Gruppe der Anti-Spam-Technologien. Sie werden entweder als separater Filter eingesetzt, deren Ergebnisse dann zu einem Spam-Score zusammengefügt werden, anhand dessen dann über die Kategorisierung einer E-Mail entschieden wird, oder als Vorfilter, dessen Hauptaufgabe es ist, die E-Mail-Menge vorab zu reduzieren.
Genau hier entsteht das Problem, wenn es um die Einführung von IPv6 geht: Das mit Abstand wichtigste und am weitesten verbreitete Verfahren der Reputationsprüfung ist der Abgleich mit IP-basierten Blacklists. Diese enthalten IP-Adressen bzw. IP-Adressbereiche, die als Absender von Spam aufgefallen sind.
Das größte Problem bei diesem Verfahren: Durch den Siegeszug der Botnets wird Spam heute fast ausschließlich über gekaperte Privat- und Unternehmensrechner versandt. Da diese in der Regel auch für legitime Kommunikation verwendet werden, ist das den Blacklists zugrundeliegende Prinzip der Unterscheidung „guter“ von „bösen“ Absender-IPs schon heute kaum noch aufrecht zu erhalten.
Die Gefahr von False Positives ist damit hoch, die Folgen zum Teil drastisch: Unternehmen, die auf eine Blacklist geraten, weil in ihrem Netzwerk infizierte Rechner Spam versenden, drohen massive wirtschaftliche und Imageschäden, wenn beispielsweise Aufträge, Angebote oder Rechnungen nicht ankommen.
IPv6-Adressraum – Pro UND Kontra
Eine Umstellung auf IPv6 löst dieses Problem nicht, im Gegenteil: Es fügt eine Reihe neuer Schwierigkeiten hinzu – sogar derart große Probleme, dass einzelne Sicherheitsanbieter bereits vor der IPv6-Einführung warnen. Das größte Problem liegt in einem der wesentlichsten Vorteile von IPv6 begründet: der riesigen Ausweitung des Adressraums.
Selbst wenn, wie derzeit diskutiert, zunächst nur 15 Prozent der IPv6-Adressen vergeben werden sollten, bedeutet das einen explosionsartigen Anstieg. Die Befürchtung: Aufgrund der Menge aufzulistender Adressen werden Blacklists, wie sie heute eingesetzt werden, schon bald nicht mehr zu bewältigen sein.
Die Vermutung, dass die Anzahl zum Spam-Versand eingesetzter IP-Adressen sich ähnlich vervielfacht wie der verfügbare Adressbestand, ist nicht unbegründet: So kann die Zuordnung fester IP-Adressen die Erkennung von Spammern theoretisch sogar erleichtern, da die Adressen nicht mehr häufig wechseln und ein „Untertauchen“ in der Masse schwieriger wird.
Es steht zu erwarten, dass die Spammer darauf reagieren: Die Menge verfügbarer Adressen ermöglicht die einmalige Benutzung einer Adresse, bevor die nächste eingesetzt wird. Durch Nutzung solcher Wegwerf-Adressen würde das Grundprinzip der Blacklist-basierten Spam-Prüfung ausgehebelt.
Schlimmer noch: Durch eine solche Entwicklung könnte die Anzahl der in Blacklists geführten IP-Adressen tatsächlich derart drastisch ansteigen, sodass ihre Verwendbarkeit im täglichen Betrieb kaum mehr gegeben wäre. Es bleibt abzuwarten, ob diese Entwicklung eintritt, unwahrscheinlich ist dies nicht.
Inhalt
- Seite 1: IPv6 und inhaltsbasierte Spam-Filter
- Seite 2: Auslaufmodell Blacklist?
- Seite 3: IPv6-sichere Spam-Filterung
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