Angesichts der steigenden Anzahl an Cyberbedrohungen nimmt die Bedeutung der Netzwerksicherheit immer weiter zu. Schutz vor unerwünschten Datenzugriffen bieten ganzheitliche Security-Lösungen, die hochaktuelle Sicherheitsansätze wie Zero Trust mit leistungsfähigen Überwachungssystemen kombinieren.
Bei dem hochaktuellen Security-Ansatz „Zero Trust“ wird keinem Akteur, der Zugang zu Ressourcen oder Diensten im Netzwerk fordert, von vornherein vertraut. Stattdessen wird jeder Datenzugriff auf der Grundlage vorher festgelegter Richtlinien überprüft.
Wird der Eindringling bemerkt, ist es oft schon zu spät: Immer wieder gelingt es Hackern, über Monate hinweg unbemerkt auf sensible Unternehmensdaten zuzugreifen. So auch im Fall des Sunburst-Angriffs, einem der größten Cyberangriffe des letzten Jahrzehnts: Aufgrund einer Sicherheitslücke in der Netzwerkverwaltungssoftware Orion des US-amerikanischen Konzerns SolarWinds gelang es Hackern, ihre Malware in die Entwicklungsumgebung des Unternehmens einzuschleusen und die kompromittierte Software über automatische Updates zu verbreiten. Auf diese Weise konnten sie in rund 18.000 IT-Systemen Hintertüren einrichten und monatelang unbemerkt Daten exfiltrieren. Anfang Dezember 2020 fiel der Hack schließlich auf – das volle Schadensausmaß wurde jedoch erst Wochen danach bekannt: Tausende Unternehmen weltweit zählen zu den Betroffenen, darunter Großkonzerne wie Intel, Cisco, Mastercard, Microsoft. Auch die US-amerikanische Energiebehörde, die NASA, das Pentagon und das US-Militär wurden Opfer des Angriffs.
Schwerwiegende Cyber-Attacken auf die Supply Chain wie Sunburst verdeutlichen, welche immense Bedeutung der Netzwerksicherheit in Zeiten der Digitalisierung zukommt. Denn Angriffe aus dem Netz treten nicht nur immer häufiger auf, sondern werden auch zunehmend komplexer. Dass dabei eine ähnliche Strategie wie im Fall des Sunburst-Angriffs angewendet werden könnte, scheint angesichts des großen Erfolges der Hacker sehr wahrscheinlich. Die Folgen einer solchen Cyberattacke sind für betroffene Unternehmen nicht selten fatal: Imageschäden, Lieferengpässe und hohe finanzielle Verluste durch Schadenersatz- oder Lösegeldzahlungen sind nur einige Beispiele dafür. Wie können sich Unternehmen also vor einem Cyber-Angriff schützen, bei dem womöglich sogar ein vertrauenswürdiger Anbieter unwissentlich als Hintertür dient? Und was sind die wichtigsten Maßnahmen zur Problembehebung nach einem derartigen Angriff?
Zero Trust: ein hochaktuelles Sicherheitskonzept
Fakt ist: Es gibt keine zuverlässige Methode, um Cyberangriffe vorauszusagen oder gar zu verhindern. Doch durch sorgfältig ausgearbeitete Sicherheitskonzepte können Unternehmen den Schutz ihrer Netzwerke erhöhen und das Risiko von unerwünschten Datenzugriffen entscheidend vermindern. Ein Beispiel für einen hochaktuellen Security-Ansatz ist „Zero Trust“: Im Gegensatz zu gängigen Sicherheitskonzepten, die lediglich externen Datenverkehr als gefährlich einstufen, wird bei Zero Trust keinem Akteur, der Zugang zu Ressourcen oder Diensten im Netzwerk fordert, von vornherein vertraut. Stattdessen wird jeder Datenzugriff auf der Grundlage vorher festgelegter Richtlinien überprüft. Die Umsetzung eines solchen Sicherheitskonzeptes ist jedoch oft mit einem großen Aufwand verbunden: Verantwortliche müssen sämtliche Bereiche der IT erfassen und kontrollieren, was angesichts komplexer Netzwerkarchitekturen und der fortschreitenden Cloud-Migration ein kompliziertes und langwieriges Unterfangen darstellt. Dass die Umsetzung von Zero Trust trotz des höheren Aufwands aber durchaus sinnvoll ist, wird besonders mit Blick auf den wachsenden WFX-Trend (Work from Anywhere) deutlich. Denn der Wechsel vom Büro ins Homeoffice hat dazu geführt, dass Mitarbeiter teilweise unzureichend geschützte Geräte und Programme verwenden – ein Einfallstor für Hacker. So stieg etwa durch die verstärkte Umstellung auf Homeoffice zu Beginn der Covid-19-Pandemie der Einsatz unautorisierter Fernzugriffstools zwischen Januar und März 2020 um rund 75 Prozent, wie der NDR-Plattformanbieter (Network Detection and Response) Awake berichtet. Einmal per VPN mit dem Unternehmensnetzwerk verbunden, würde mit gängigen Sicherheitsmodellen auch unsicheren Devices vertraut werden. Zero-Trust-Frameworks hingegen erfordern unabhängig von Nutzer, Gerät oder Standort eine Bestätigung, bevor der Datenzugriff gestattet wird – angesichts zunehmend verwaschener Grenzen zwischen internen und externen IT-Umgebungen bedeutet das einen Quantensprung in puncto Netzwerksicherheit.
Netzwerktransparenz für Bedrohungsbekämpfung unverzichtbar
Strenge Sicherheitskonzepte wie Zero Trust verringern zwar das Risiko für Datenlecks, vollständig ausschließen lassen sie sich indessen nicht. Sollte es Hackern trotz aller Schutzmaßnahmen gelingen, in das Unternehmensnetz einzudringen, muss die Bedrohung schnellstmöglich erkannt und beseitigt werden. Zu einer ganzheitlichen Security-Lösung gehören daher auch leistungsfähige Monitoring-Systeme, die sämtliche Netzwerkaktivitäten aufzeichnen und ein hohes Maß an Transparenz gewährleisten. Mit einer solchen Überwachungslösung lassen sich Hinweise auf unerwünschte Datenzugriffe forensisch untersuchen und erste Schritte zur Bedrohungsbeseitigung unternehmen. Dazu wird von der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency empfohlen, zunächst die Systemspeicher und Host-Betriebssysteme zu überprüfen. Anschließend sollte nach neuen Benutzer- und Dienstkonten gesucht und der gespeicherte Netzwerk-Traffic hinsichtlich auffälliger Abweichungen analysiert werden. Die forensische Untersuchung hilft schon während eines Zwischenfalls dabei, mögliche Schäden zu begrenzen und festzustellen, ob Kunden und Partner informiert werden müssen.
Um die Aussagekraft der gesammelten Daten zu erhöhen, sollten zur Überwachung idealerweise Tools eingesetzt werden, die wie Observer GigaStor von VIAVI neben Netzwerk-Statistiken auch Paketdaten in Echtzeit erfassen. Denn Paketdaten gelten gewissermaßen als Goldstandard der Netzwerktransparenz: Sie zeigen alle Protokolle, Konversationen und Taktungen der Netzwerkkommunikation an und ermöglichen so einen genauen Einblick in den tatsächlichen Zustand des Netzwerks. Auf diese Weise können IT-Spezialisten beispielsweise den Server identifizieren, der tatsächlich an einer Konversation beteiligt ist, statt nur die virtuelle Adresse des Load Balancer, der die Konversation einem Server zuweist. Bei der Abwehr und forensischen Untersuchung eines Angriffs kann diese Detailgenauigkeit ausschlaggebend sein, um herauszufinden, welche Systeme kompromittiert wurden, wie genau der Angriff erfolgte und welche Daten abgerufen wurden. Kombinieren Unternehmen eine solche Monitoring-Lösung mit einem sorgfältig ausgearbeiteten Zero-Trust-Konzept, können sie also nicht nur das Risiko für Datenlecks reduzieren, sondern unerwünschte Zugriffe frühzeitig identifizieren und die Sicherheit ihrer Netzwerke somit entscheidend erhöhen.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor: Christoph Gehlen ist Sales Engineer, Network Performance Monitoring and Diagnostics bei VIAVI Solutions.