Fragmentierte Tool-Landschaften werden zum Sicherheitsrisiko All-in-One-Plattformen reduzieren Angriffsfläche und Zombie-Accounts

Ein Gastbeitrag von Ismet Koyun 5 min Lesedauer

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Wer Prozesse in viele Spezialtools aufteilt, holt sich Sicherheitslücken und Zombie-Accounts ins Haus. Das Offboarding bleibt schnell Stückwerk, Daten lassen sich schwer auskunftsfähig löschen und Compliance wird zum Dauer­projekt. Eine All-in-One-Plattform kann hier helfen, wir zeigen wie.

Eine konsolidierte Plattform vereint Identitäten, Kommunikation, Signaturen und Dokumenten-Workflows, reduziert Angriffsfläche und verhindert Zombie-Accounts.(Bild: ©  ArtemisDiana - stock.adobe.com)
Eine konsolidierte Plattform vereint Identitäten, Kommunikation, Signaturen und Dokumenten-Workflows, reduziert Angriffsfläche und verhindert Zombie-Accounts.
(Bild: © ArtemisDiana - stock.adobe.com)

Die historisch gewachsene Fragmentierung entwickelt sich zunehmend zum strukturellen Sicherheitsrisiko. Mit einer konsolidierten All-in-One-Lösung, die verschiedenste Funktionen und Prozesse bündelt, können Unternehmen dem entgegensteuern. Wie kann eine solche zentrale Enterprise-Plattform aussehen?

Wenn Unternehmen Geschäftsprozesse digitalisieren, dann heißt das in vielen Fällen: Für jede Anwendung und jeden Teilaspekt kommt ein eigenständiges, spezialisiertes Tool zum Einsatz. Ein System für Identitätsmanagement, ein weiteres für digitale Signaturen, dazu Lösungen für interne Kommunikation, Genehmigungsprozesse, Onboarding und vieles mehr. Das summiert sich oft auf mehr als ein Dutzend unterschiedliche Plattformen.

Gefahren für Sicherheit und Compliance

Aus Sicherheitsperspektive ist diese Tool-Vielfalt eine erhebliche Belastung. Jedes System erweitert die Angriffsfläche des Unternehmens. Jede Schnittstelle ist ein potenzieller Einstiegspunkt für Angreifer. Jede Anwendung muss separat gehärtet, überwacht und aktualisiert werden. Fragmentierte Lösungen bedeuten fragmentierte Sicherheitsarchitekturen – und die sind besonders anfällig. Schwachstellen an einer Stelle können die gesamte IT-Landschaft kompromittieren. Ein Sicherheitsrisiko, das sich Unternehmen mit Blick auf technologisch immer ausgereiftere Cyberangriffe nicht erlauben können.

Ein besonders kritischer Punkt ist das Offboarding von Mitarbeitenden. In fragmentierten Umgebungen bleiben regelmäßig Zugänge aktiv, weil die Deaktivierung nicht über alle Systeme hinweg koordiniert wurde. Solche Zombie-Accounts sind ein Security-Alptraum. Ehemalige Angestellte oder externe Dienstleister behalten so faktisch Zugriff auf Unternehmensdaten und -systeme.

Ebenfalls problematisch: Der Datenaustausch lässt sich nur schwer nachvollziehen und kontrollieren. Die DSGVO verlangt umfassende Auskunfts- und Löschpflichten. Wo liegen welche personenbezogenen Daten? Welche Systeme müssen bei einer Löschanfrage berücksichtigt werden? Mit der eIDAS-Verordnung für elektronische Signaturen und dem Digital Operational Resilience Act (DORA) für Finanzunternehmen kommen weitere Compliance-Anforderungen hinzu, die in heterogenen System-Landschaften zur Herausforderung werden.

Betriebliche Nachteile

Neben den Sicherheitsrisiken leiden auch die innerbetrieblichen Prozesse. Zu viel Fragmentierung macht die Vorteile der Digitalisierung zunichte. Je mehr unterschiedliche Benutzeroberflächen den Arbeitsalltag bestimmen, desto umständlicher wird es für die Mitarbeitenden. Sie müssen sich mit zahlreichen Logins, Authentifizierungsmechanismen und Benutzeroberflächen auseinandersetzen. Es entstehen zeitaufwendige Medienbrüche, Datensilos und komplexe Schnittstellen. Das macht Workflows unübersichtlich, fehleranfällig und ineffizient.

Die Antwort: Orchestrierung über eine zentrale Plattform

Aus all diesen Gründen gilt es, eine unaufgeräumte „Werkzeugkiste“ zu vermeiden. Stattdessen sollten Unternehmen darauf abzielen, ihren digitalen Lifecycle mitsamt aller Tools möglichst durchgängig zu steuern. Sie brauchen eine orchestrierende Instanz, die für durchgängige Sicherheit und Nachvollziehbarkeit sorgt.

Die logische Konsequenz: Alle wesentlichen Sicherheits- und Prozess-Tools sollten auf einer zentralen Enterprise-Plattform konsolidiert werden. Rollen und Berechtigungen müssen über alle Systeme hinweg konsistent verwaltet werden. Das gelingt mit einem integrierten All-in-One-Ansatz.

Eine solche konsolidierte Plattform führt verschiedene Funktionen in einem digitalen Hub zusammen. Dazu gehören:

  • Ein einheitliches Identitäts- und Zugriffsmanagement als zentrale Verwaltungsinstanz für alle Benutzer und Geräte
  • Eine integrierte Kommunikationsinfrastruktur mit verschlüsselten und auditierbaren Kanälen
  • Digitale Signaturen und Genehmigungen mit rechtskonformer Archivierung
  • Ein zentrales Dokumentenmanagement
  • Ein durchgängiges Lifecycle-Management vom Onboarding bis zum Offboarding

Alle Komponenten teilen sich eine gemeinsame Datenbasis, einheitliche Sicherheitsmechanismen und eine konsistente Orchestrierungslogik.

Technische Voraussetzungen

Für einen nahtlosen Einsatz im Unternehmen muss die Plattformlösung einige Anforderungen erfüllen. So erlaubt eine API-first-Architektur die Integration bestehender Spezialsysteme, die nicht ersetzt werden sollen oder können, etwa ERP-, CRM- oder Ticketing-Systeme. Dadurch kann ein offenes digitales Ökosystem entstehen.

Die Plattform sollte zudem Cloud-native konzipiert sein, aber auch hybride Deployment-Szenarien unterstützen, um unterschiedliche Compliance-Anforderungen zu erfüllen. Sicherheitstechnisch muss Banking-Level-Security der Maßstab sein: starke Multi-Faktor-Authentifizierung, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und Gerätebindung. Passwordless-Ansätze reduzieren das Risiko kompromittierter Zugänge und verbessern gleichzeitig die User Experience.

Für die Akzeptanz der Plattform sind darüber hinaus ihre Low-Code-Fähigkeiten entscheidend. Fachabteilungen brauchen die Möglichkeit, eigene Workflows und Prozesse schnell anzupassen, ohne auf aufwendige Entwicklungszyklen angewiesen zu sein.

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Sicherheitsvorteile einer konsolidierten Plattform

Zentralisierung schafft Transparenz. Identitäten, Rollen und Berechtigungen lassen sich einheitlich steuern und überprüfen. Es existiert eine Single Source of Truth für sämtliche Zugriffsrechte: Wer darf worauf zugreifen, unter welchen Bedingungen, auf welchen Geräten? Policies werden zentral definiert und automatisch durchgesetzt. Eine Änderung an Berechtigungen – etwa im Rahmen eines Rollenwechsels – wird sofort über alle Funktionen hinweg wirksam. Eine Echtzeit-Übersicht über alle aktiven Nutzer und Aktionen ermöglicht ein wirksames Monitoring.

Die Angriffsfläche für unerwünschte Zugriffe reduziert sich substanziell. Statt 15 verschiedene Systeme mit jeweils eigenen Schwachstellen und Release-Zyklen zu verwalten, konzentriert sich die Sicherheitsarchitektur auf eine Plattform. Das vereinfacht das Patch-Management.

Compliance by Design

Die Auskunftspflicht nach der DSGVO erfordert eine vollständige Übersicht aller gespeicherten personenbezogenen Daten eines Betroffenen. Eine zentrale Plattform kann diese Auskunft automatisiert generieren. Gleiches gilt für Löschpflichten: Die vollständige Entfernung aller Daten einer Person lässt sich zentral koordinieren und nachweisen.

Durchgängige Audit-Trails sind ein weiterer Vorteil. Jede Aktion – vom Login über den Zugriff auf Dokumente bis zur Signatur – wird lückenlos erfasst. Das erleichtert nicht nur die Ursachenforschung im Schadenfall, sondern erfüllt auch regulatorische Anforderungen, beispielsweise nach der eIDAS-Verordnung. Auch die Dokumentation im Sinne der DORA-Verordnung ist damit abgedeckt. Compliance wird nicht als „Add-on“ verstanden, sondern ist durch die Architektur selbst gegeben – Compliance by Design.

Prozesse effizienter und sicherer gestalten

Der Verwaltungsaufwand sinkt mit einer zentralen Plattform deutlich: nur ein Login für alles statt Dutzender verschiedener Passwörter. Die User Experience wird nahtlos. Mitarbeitende, Partner und Dienstleister bewegen sich in einem durchgängigen digitalen Arbeitsraum. Medienbrüche entfallen, Workflows beschleunigen sich.

Sowohl On- als auch Offboarding werden vereinfacht und sicherer. Beim Onboarding müssen einzelne Zugänge und Berechtigungen nicht mehr manuell durch die IT-Abteilung zugewiesen werden. Neue Mitarbeitende sind innerhalb von Minuten einsatzfähig. Bei Offboarding-Prozessen minimiert die zentrale Steuerung das Risiko von Zombie-Accounts.

Fazit

Digitale Sicherheit ist eine Frage der Orchestrierung. Wer Identitäten, Kommunikation und Prozesse zentral steuert, kann Risiken lückenlos managen und Compliance gewährleisten. Die sichere Digitalisierung der Geschäftsprozesse gelingt, wenn Unternehmen die fragmentierte Sicherheitslandschaft in einer integrierten Plattformstruktur zusammenführen – mit zentraler Governance, klaren Vertrauensgrenzen und nachweisbarer Kontrolle über jeden digitalen Vorgang.

Über den Autor: Ismet Koyun ist CEO und Gründer der KOBIL Gruppe.

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