Bad Bots und KI Wie Intelligente Roboter das Internet übernehmen

Ein Gastbeitrag von Stephan Dykgers 4 min Lesedauer

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In gefühlt fast jedem zweiten dystopischen Science-Fiction-Film passiert es: Wissenschaftler erfinden Roboter, die sich verselbstständigen und große Teile der Erde übernehmen. Laut dem neuen Bad Bot Report von Imperva übernehmen Roboter zwar noch nicht die Welt, aber mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) das Internet. In den nächsten zehn Jahren könnte der Anteil von Bots am weltweiten Datenverkehr auf 70 bis 80 Prozent steigen.

In den nächsten zehn Jahren werden die Herausforderungen für Sicherheitsteams stark zunehmen, da sie mit einer wachsenden Zahl von Bad Bots konfrontiert sein werden.(Bild:  beebright - stock.adobe.com)
In den nächsten zehn Jahren werden die Herausforderungen für Sicherheitsteams stark zunehmen, da sie mit einer wachsenden Zahl von Bad Bots konfrontiert sein werden.
(Bild: beebright - stock.adobe.com)

Im vergangenen Jahr wurde fast die Hälfte des gesamten Internetverkehrs von Bots verursacht, so die Ergebnisse des Imperva Bad Bot Report 2023. Das Volumen des durch Bad Bots verursachten Datenverkehrs ist im vierten Jahr in Folge gestiegen, was zu mehr kompromittierten Konten und Datendiebstahl geführt hat. Auch Spam, der Online-Dienste beeinträchtigt, hat zugenommen. In Deutschland sind Bots für zwei Drittel des gesamten Internetverkehrs verantwortlich, womit die Bundesrepublik im internationalen Vergleich an der Spitze liegt. 68,8 Prozent davon lassen sich auf Bad Bots zurückführen. Was ein Anstieg um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Unternehmen verlieren jedes Jahr Milliarden von Euro durch Angriffe von Bad Bots auf ihre Websites, Infrastrukturen, APIs und Anwendungen. Darüber hinaus sind sie für höhere Infrastruktur- und Supportkosten, Kundenverluste und Imageschäden verantwortlich. Laut einem Bericht von Juniper Research, wird der Online-Betrug mit Hilfe der Bots bis 2027 um bis zu 131 Prozent steigen. Durch die generative KI könnten diese Zahlen schneller steigen. Unabhängig von der Branche werden automatisierte Angriffe zu einer immer größeren Gefahrenquelle für jedes Unternehmen.

Die Weiterentwicklung von Bot-Technologien

Vor mehr als einem Jahrzehnt setzten Hacker die Bot-Technologien ein, um die Zahl ihrer Phishing-E-Mail-Angriffe zu erhöhen. Doch was war nur der Anfang. Hochentwickelte Bots sind inzwischen in der Lage, Menschen zu imitieren, indem sie wie Menschen die Tastatur bedienen und die Maus bewegen. Der Anteil dieser als hochentwickelt eingestuften Bad Bots hat sich zwischen 2021 und 2022 mehr als verdoppelt und macht damit den Großteil des weltweiten Bad Bot-Datenverkehrs aus. Unternehmen sollten alarmiert sein, da diese Bots so programmiert sind, dass es sehr schwierig ist sie zu erkennen.

Dass die Zahl der hochentwickelten Bad Bots so schnell wächst, ist kein gutes Zeichen für die Zukunft des Internets. Allein im letzten Jahr haben Account Takeovers um 155 Prozent zugenommen. Branchenübergreifend wurden 15 Prozent aller Anmeldeversuche als Account Takeovers eingestuft. Inzwischen gibt es einen Zusammenhang zwischen Datenschutzverletzungen und dem Ausmaß von Account Takeovers. Hacker nutzen die durchgesickerten Daten, bevor die Verbraucher merken, dass ihre Daten gefährdet sind.

Wie generative KI die Bots die Kriminalität im Internet revolutionieren

Die generative KI ist das Zündholz, das die Bad Bots noch gefährlicher macht. Hierbei zeichnen sich vier Trends ab:

  • 1. CAPTCHAs werden unbrauchbar: Viele Unternehmen haben sich auf sogenannte CAPTCHA-Rätsel verlassen, um Kunden herauszufordern und so zwischen Bots von Menschen zu unterscheiden. Bisher waren Webseiten und Online-Dienste dadurch geschützt – Bots, die KI nutzen, werden dieses Erkennungsinstrument jedoch unbrauchbar machen, indem sie menschliches Verhalten imitieren und ihre Aktionen verschleiern. Unternehmen werden ihre Abwehrmaßnahmen weiterentwickeln müssen. Hierfür sind verhaltensbasierte Erkennungslösungen eine Möglichkeit.
  • 2. Das Internet der Bots: In zehn Jahren werden 70 bis 80 Prozent des Datenverkehrs von Bots erzeugt, der menschliche Datenverkehr wird eine Minderheit darstellen. Folglich werden vor allem Content Scraper und Crawler eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch KI-Tools werden weiter an Bedeutung gewinnen. Was Unternehmen unter Druck setzen wird, bösartigen Bot-Traffic effektiver zu erkennen und zu blockieren.
  • 3. Ein neues Zeitalter des Online-Betrugs: Betrüger werden mit Hilfe von generativer KI ihre Methoden, Identitäten zu kompromittieren und sensible Daten zu stehlen, weiterentwickeln. Dadurch wird es für sie einfacher, sich als eine andere Person auszugeben, was zu einer neuen Art von Social-Engineering-Angriffen führen wird. Ein Betrüger könnte beispielsweise eine glaubwürdige, gefälschte Version von Ihnen erstellen, indem er das Internet und die sozialen Medien nach Informationen, Audioclips und Bildern durchsucht. Diese Informationen werden anschließend von einer KI verarbeitet. Die so erstellte Identitätskopie kann der Hacker verwenden, um beispielsweise neue Passwörter zu erstellen oder Konten zu eröffnen.
  • 4. APIs werden zu einem idealen Ziel für Hacker: Im Jahr 2022 waren 17 Prozent der Angriffe Bad Bots, die die Business Logic ausnutzten. Im selben Jahr zielten 35 Prozent der Account Takeovers auf eine API ab. Mithilfe von KI können böswillige Akteure den Prozess des programmatischen Aufrufs einer API automatisieren, um ein Konto zu übernehmen, Daten zu exfiltrieren und zu scrapen – ohne jemals einen Alarm auszulösen.

Wie kann man sich vor hochentwickelte Bots schützen?

Hochentwickelte Bots können menschliches Verhalten imitieren, wodurch es immer schwieriger wird, automatisierte Bedrohungen zu erkennen und zu stoppen. Aus diesem Grund sollten Unternehmen eine Bot-Management-Lösung implementieren, um der Herrschaft der Roboter etwas entgegensetzen zu können. Sie muss in der Lage sein, auf die hochentwickelte Automatisierung zu reagieren, die auf APIs und die Geschäftslogik von Anwendungen abzielt. Die Lösung sollte über maschinelles Lernen, Device Fingerprinting und integrierte Verhaltensanalyse verfügen, um Anomalien zu erkennen. Aggressivere Schutzmaßnahmen sollten für stark frequentierte Teile der Website eingesetzt werden, aber nicht unbedingt für die gesamte Website. So beeinträchtigen Unternehmen nicht die Nutzererfahrung.

In den nächsten zehn Jahren werden die Herausforderungen für Sicherheitsteams stark zunehmen, da sie mit einer wachsenden Zahl von Bad Bots konfrontiert sein werden. Unternehmen müssen die potenziellen Risiken verstehen und sich über die neuesten Trends im Bereich der generativen KI auf dem Laufenden halten. Nur so können sie die Auswirkungen von Bad Bots auf ihre Websites, APIs und Anwendungen wirksam minimieren. Wenn Unternehmen diese Regeln befolgen, werden die Bots zwar weiter das Internet übernehmen, aber nicht ihren Geschäftserfolg.

Über den Autor: Stephan Dykgers ist Area Vice President DACH bei Imperva.

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