Compliance-Risiken

Banken kämpfen mit Compliance-Vorschriften

| Redakteur: Peter Schmitz

Jeder fünfte leitende Bankmanager gibt zu, bei sensiblen Daten Risiken einzugehen, um gesetzliche Anforderungen zu erfüllen.
Jeder fünfte leitende Bankmanager gibt zu, bei sensiblen Daten Risiken einzugehen, um gesetzliche Anforderungen zu erfüllen. (Bild: Pixabay / CC0)

Regularien und gesetzliche Vorgaben setzen Banken unter Druck. Die größte Herausforderung sehen Banken aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika bei der Anti-Geldwäsche-Richtlinie, der EU-US-Richtlinie über den Schutz der Privatsphäre (Privacy Shield) und den Vorschriften zum Marktmissbrauch.

Eine vom Datenvirtualisierungs-Unternehmen Delphix durchgeführte Studie unter 90 Banken aus Europa, dem Nahen Osten und Afrika ergab, dass die Finanzinstitute sich durch Regularien und gesetzliche Vorgaben unter Zugzwang gesetzt fühlen. Unter den Befragten befanden sich 30 der wichtigsten Banken in Deutschland. Die größte Herausforderung sehen die Unternehmen bei folgenden Regularien: die Anti-Geldwäsche-Richtlinie (AML, Anti-Money Laundering Directive), die EU-US-Richtlinie über den Schutz der Privatsphäre (Privacy Shield) und den Marktmissbrauch (MAD, Market Abuse Directive I und II) sowie die damit verbundenen Vorschriften (MAR, Market Abuse Regulation).

Delphix befragte Führungskräfte zu Vorschriften, die sich aus Sicht der Datenhaltung und Berichterstellung besonders schwer erfüllen lassen. Die Ergebnisse lesen sich wie eine Warnung: Unternehmen sind stark damit in Verzug, die erforderlichen Datenarchitekturen einzurichten, um die erweiterten Berichtsanforderungen zu erfüllen und die Datenbereitstellung neu zu organisieren.

Zwei Drittel der Befragten nannten „Bereitstellung“ von Daten als die wichtigste Herausforderung in ihrem Tagesgeschäft. Mehr als ein Drittel (38 Prozent) gibt an, dass umfassende Nacharbeiten ihre Kapazität einschränken, die Daten- und Berichtsziele zu erreichen. Jeder Fünfte sieht sich gezwungen, Daten zu verwenden, die nicht vollständig anonymisiert sind. Die Folge: höhere Risiken mit sensitiven Daten.

Diese unzureichenden Prozesse sind Grund für große Bedenken, was mögliche Konsequenzen durch Compliance-Versäumnisse betrifft: Mehr als die Hälfte der Befragten befürchtet hohe Finanzstrafen und den Verlust von Kunden. Die Angst vor dem Entzug der Banklizenz wird von jedem fünften Befragten als wichtigste Sorge genannt. Immerhin noch jeder Zehnte befürchtet die Schädigung der Marke und das Risiko von Gefängnisstrafen.

„Das Kopieren und Verschieben immer größerer Datenmengen für gesetzlich vorgeschriebene Berichte ist riskant und schwieriger geworden“, erklärt Iain Chidgey, Vice President für das internationale Geschäft bei Delphix. „Daten, die in getrennten Datensilos gespeichert und zu unterschiedlichen Zeiten aktualisiert werden, veralten schnell und haben keinen großen Nutzen für Berichtszwecke. Dies beeinflusst die Datenqualität und die Möglichkeit für Teams, die zunehmende Last mit gesetzlich vorgeschriebenen Reportings zu bewältigen.“

Aufgrund des erforderlichen Zeit- und Kostenaufwands für die Verfremdung von Daten kopieren und verschieben Banken Daten in Testumgebungen oder Reporting-Anwendungen ohne besonderen Schutz. 18 Prozent der Befragten geben zu, dass der Datenverlust aufgrund unzureichender Datensicherheit eine tägliche Herausforderung darstellt. Ineffiziente Datenbereitstellungsprozesse machen es nicht einfacher, neue Vorgaben effektiv umzusetzen. Vorschriften, die einen Nachweis der Datenintegrität und der personenbezogenen Daten erfordern, zählen zu den größten Herausforderungen der Zukunft. Zwei Drittel der Befragten sehen hier zudem die EU-Richtlinie über die Sicherheit von Netzwerk- und Informationssystemen (NIS) und rund jeder Zweite die EU-Datenschutz Grundverordnung (DSGVO).

Um die Reporting-Effizienz zu verbessern, kümmerte sich nahezu die Hälfte der Befragten (46 Prozent) darum, die Datenbereitstellung zu beschleunigen. Ein Drittel sind der Ansicht, dass die Qualitätsverbesserung von Testdaten durch Kopien nahezu in Echtzeit ein Vorteil wäre. Ein Fünftel der Befragten sieht auch in der Verfremdung von sensiblen Daten für Testzwecke eine wichtige Priorität. Zwölf Prozent sehen dies auch für die Verfremdung von Daten für Berichtszwecke.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Unternehmen dringend nach besseren Möglichkeiten zur sicheren und schnellen Bereitstellung ihrer Daten suchen, um Compliance-Risiken zu reduzieren. Das betrifft sowohl die Arbeit zwischen Abteilungen als auch mit externen Dritten oder Cloud-Anbietern. Ein großer Teil bei der Implementierung besteht darin, eine neue, virtuelle Datenschicht in die Infrastruktur einzuziehen, damit sichere Daten auf Anfrage an alle geliefert werden können, die sie benötigen. Durch diesen Ansatz konnte eine große europäische Bank Berichte über Handelsgeschäfte innerhalb von 15 Minuten erstellen, dabei auch Rückstände im Messaging-System bereinigen und Fehlfunktionen in der Berichterstellung für Dodd-Frank-Anforderungen eliminieren“, so Chidgey. „Im Grunde geht es darum, Systeme zu integrieren, so dass wir saubere und präzise Daten aus alten Systemen extrahieren und in Reporting-Anwendungen verarbeiten können. Das ist ein wesentlicher Faktor, um geschäftlichen Abläufe effizienter zu gestalten.“

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