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Sicherheit, die unter die Haut geht

Biometrie-Systeme wie Handvenen- und Iris-Erkennung auf dem Vormarsch

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Auf die Hände geschaut

Im Unternehmensalltag hingegen sind die Prioritäten häufig anders gelagert: Wenn eine Firma heute ein biometrisches System einsetzen will, denken die Entscheider zuallererst an Fingerprint und entsprechend gestaltet sich die Nachfrage. Oft zeigt sich jedoch in den Beratungsgesprächen, dass sich in bestimmten Bereichen die Handvenenerkennung besser eignet – etwa weil sie hygienischer oder leichter anwendbar ist. Dabei wird der Venenverlauf einer Hand erfasst, der bei jedem Menschen einmalig ist.

In Sekundenschnelle scannt ein Sensor berührungslos mit nur wenigen Zentimetern Abstand die Handfläche. Das in den Venen zum Herzen zurückfließende, sauerstoffarme Blut absorbiert die Strahlung und lässt die Venen als schwarzes Muster erscheinen. Dieses wird erkannt und verschlüsselt gespeichert. Nach der Identifizierung regelt ein zentraler Authentifizierungsdienst schließlich, welche Personen Zugriff auf Software-Applikationen und Daten erhalten.

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Interessant ist diese Anwendung vor allem im Finanzbereich, etwa für stark frequentierte Bankautomaten. Was in Japan und Südamerika schon seit Jahren zum Alltag gehört, entdecken deshalb jetzt auch deutsche Kreditinstitute. Heute gibt es bereits erste Versuchsprojekte, etwa in Berlin, bei denen Handvenenscanner das Abheben am Geldautomaten sichern.

Dieser Trend setzt sich weiter fort, wie die Studie „Bank und Zukunft“ des Frauenhofer Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation belegt. Knapp die Hälfte der Befragten ist sich sicher, dass sich biometrische Verfahren zur Kundenidentifizierung bis 2015 als Standard etabliert haben werden. Das gilt nicht nur in der Filiale, sondern auch für Online-Banking.

Du bist, wie du tippst

Großes Zukunftspotenzial hat auch ein ganz anderes Verfahren, das bisher eher eine Nischenanwendung war. Es erkennt im Gegensatz zu den gängigen Methoden kein Körpermerkmal, sondern ein spezifisches, aktives Verhalten – und zwar beim Tippen. Lange wurde die Erkennung des Tippverhaltens belächelt, doch die technologischen Fortschritte sind vielversprechend.

War das Verfahren früher nur wenig zuverlässig, da das Tippmuster wie kaum eine andere biometrische Eigenschaft von der Tagesform abhängig ist, haben Forscher mittlerweile stabilere Merkmale entdeckt. Die Software prüft nicht nur die Zeitabstände, sondern zum Beispiel auch die Nutzung der Shift-Taste und die so genannten Überholungen beim Loslassen der einen und Anschlagen der nächsten Taste.

Die Tippverhalten-Identifizkation eignet sich vor allem für Anwendungen, die ohnehin eine Texteingabe erfordern, wie etwa Online-Banking-Portale. Der Bankkunde müsste nach wie vor Passwort, Login und Transaktionsnummer eingeben, wird aber zusätzlich biometrisch durch sein Tippmuster erkannt. Der Vorgang ist somit doppelt sicher. Auch für die unmittelbare digitale Signatur von Dokumenten oder E-Mails eignet sich die Methode.

Ob Fingerspitzen, Augenaufschlag oder Tastaturanschläge – die Entscheidung für ein biometrisches Verfahren hängt zum einen von der Gebrauchstauglichkeit und der Erkennungszeit ab. So sind beispielsweise in einem Umfeld mit großem Menschendurchlauf ein Gesichtsscan oder die Fingerprinterkennung besser geeignet als ein Irisscan, da sie für die Erkennung nur wenige Sekunden benötigen.

Ein weiteres entscheidendes Kriterium für oder gegen eine Anwendung ist nmatürlich die Benutzerakzeptanz. Und nicht zuletzt sind Kosten- und Sicherheitsaspekte bei der Entscheidungsfindung wesentlich. Dabei ist stets abzuwägen, was wirtschaftlich sinnvoll und hinsichtlich Sicherheit und Compliance notwendig ist.

Inhalt

  • Seite 1: Augenaufschlag als sicherer Türöffner
  • Seite 2: Auf die Hände geschaut
  • Seite 3: Self Service erleichtert das Leben

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