Cyberkriminalität

Blick ins Deep Web

| Redakteur: Peter Schmitz

Immer mehr Aktivitäten des kriminellen Untergrunds wandern in das tiefe oder dunkle Web (Deep Web / Darknet) ab. Das hat nicht zuletzt mit dem erhöhten Fahndungsdruck der Polizeibehörden in diesem Bereich zu tun.
Immer mehr Aktivitäten des kriminellen Untergrunds wandern in das tiefe oder dunkle Web (Deep Web / Darknet) ab. Das hat nicht zuletzt mit dem erhöhten Fahndungsdruck der Polizeibehörden in diesem Bereich zu tun. (Bild: Trend Micro)

Details aus dem Privatleben von Präsident Obama gefällig? Sie möchten einen falschen Pass? Lust auf Drogen, von leicht bis hart? Oder suchen Sie einen Mörder, um Widersacher aus dem Weg zu räumen? Willkommen im „Deep Web“, das Trend Micro in den vergangenen beiden Jahren intensiv erforscht und durchforstet hat.

Wer immer weiter in den Tiefen des Internets gräbt, entdeckt Abscheuliches, etwa dass ein Viertel der Webadressen, die sich auf Deep-Web-Seiten befinden, mit Kindesmissbrauch zu tun haben. Auf der anderen Seite bleibt zum Beispiel politisch Andersdenkenden in vielen Ländern nichts anderes übrig, als ihr Heil in der Anonymität des dunklen Netzes zu suchen. Die Ergebnisse ihrer Deep-Web-Analyse haben die Bedrohungsforscher des japanischen IT-Sicherheitsunternehmens in einem Forschungspapier mit dem Titel „Unter der Oberfläche: Das Deep Web erkunden“ (pdf)zusammengefasst.

Das „Deep Web“ ist derjenige Teil des Internets, dessen Seiten nicht über Suchmaschinen oder Standard-Browsertechnologien erreichbar und auffindbar sind. Oftmals wird deshalb das „tiefe“ mit dem „dunklen“, dem „Dark Web“, gleichgesetzt, einem Begriff, der als Synonym für illegale Aktivitäten gebraucht wird. In Wahrheit ist das dunkle Web eine Teilmenge des tiefen Web, die Abgrenzung zwischen beiden ist technischer Natur. Das dunkle Web basiert auf so genannten „Darknets“ wie dem Anonymisierungswerkzeug TOR oder privaten Peer-to-Peer-Netzwerken. Solche dunklen Netze sind aber auch für Whistleblowers oder Dissidenten in repressiven Regimen nützlich bis überlebenswichtig. Und Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung soziale Ächtung oder sogar Verfolgung und Bestrafung in ihren Heimatländern fürchten müssen, nehmen ebenfalls immer häufiger Zuflucht zu den Anonymisierungsmöglichkeiten des „Dark Web“. Die Grenze zwischen dem legalen und illegalen Web verläuft folglich nicht zwischen tief und dunkel, sondern hängt wie in der realen Welt auch von den Absichten und Motiven der Akteure ab.

Licht im Dunkel

Im „Deep Web“ findet sich praktisch alles, was es im sichtbaren Teil des Internets auch gibt: Blogs, Nachrichtenseiten, Diskussionsforen, religiöse Angebote oder sogar Radiostationen. Hier sammeln sich Gleichgesinnte, die zum Beispiel vor unerwünschter Werbung geschützt sein oder aus welchen Gründen auch immer anonym bleiben wollen. Die vorherrschenden Sprachen des „Deep Web“ sind Englisch und Russisch, gemessen an der Zahl der Webadressen landet die Weltsprache sogar nur auf Platz Zwei.

Doch natürlich ziehen sich auch die Gangster in immer größere Tiefen des Internets zurück. Dies lässt sich zum Beispiel an der Rangliste der im „Deep Web“ am meisten gehandelten Güter ablesen: An erster Stelle steht hier Cannabis, gefolgt von nicht frei zugänglichen Arzneimitteln. Erst dann folgen harte Drogen, Videospiele und Zugangsdaten zu Bankkonten oder Kreditkarteninformationen.

Dass immer mehr Aktivitäten des kriminellen Untergrunds in das tiefe oder dunkle Web abwandern, hat nicht zuletzt mit dem erhöhten Fahndungsdruck der Polizeibehörden zu tun. Bankentrojaner wie VAWTRAK oder Ransomware wie TorrentLocker nutzen daher TOR-Techniken, damit die kriminellen Hintermänner möglichst unentdeckt bleiben. Zusammen mit starken Verschlüsselungstechniken werden es die Strafverfolgungsbehörden und IT-Sicherheitsanbieter in Zukunft daher schwer haben, die Übeltäter zu fassen.

Aus dem Dunkel ans Licht

Das tiefe Web und das dunkle sind nicht vom sichtbaren Internet oder gar von der realen Welt abgetrennt. Eines der erschreckendsten Untersuchungsergebnisse der Trend Micro-Studie ist der Anteil der auf „Deep Web“-Seiten gefundenen Webadressen, die mit sexuellem Kindesmissbrauch in Verbindung stehen. Diese machen nicht weniger als ein Viertel aller gefundenen Webadressen aus.

Während demgegenüber Angebote für gefälschte Identitäten – ein deutscher Personalausweis, Reisepass und Führerschein sind im Paket schon für 700 Euro zu haben – harmlos wirken, läuft es einem in anderen Fällen kalt den Rücken herunter: Wer eine hoch gestellte Persönlichkeit aus Politik und Wirtschaft ermorden lassen will, kann einen Mörder schon ab 180.000 US-Dollar mieten. Wenn der Mord nach einem Unfall aussehen soll, steigt der Preis zwar auf 300.000 US-Dollar, das dürfte die Auftraggeber jedoch in keiner Weise abschrecken. Und andere Gewalttaten wie Bombenanschläge, Prügelattacken oder Vergewaltigungen sind noch viel günstiger zu haben.

„Die kriminellen Aktivitäten des tiefen und dunklen Web finden irgendwann ihren Weg ans Licht, in das sichtbare Internet oder die reale Welt“, sagt Martin Rösler, Leiter des Bedrohungsforscher-Teams bei Trend Micro. „Als IT-Sicherheitsanbieter, der auch aktiv mit den Strafverfolgungsbehörden in aller Welt zusammenarbeitet, müssen wir die tiefen und dunklen Regionen des Internets noch stärker als bisher beobachten. Das hat unsere zweijährige Forschungsarbeit in diesem Bereich gezeigt. Nur so können wir unsere Kunden auch in Zukunft effektiv vor Cyberkriminalität und -spionage schützen.“

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