Technologische Fortschritte revolutionieren den Logistiksektor, gleichzeitig öffnen sie aber neue Einfallstore für Cyberkriminelle. Die zunehmende globale Digitalisierung zwingt Logistikunternehmen dazu, Cyberangriffe zu bekämpfen und ihre Systeme zu sichern.
Von den Attacken der Huthi-Rebellen im Roten Meer bis zum Einsturz der Francis-Scott-Key-Brücke – durch viele externe Faktoren sind Lieferketten extrem störungsanfällig. Hinzu kommen digitale Angriffsvektoren.
(Bild: Igor Groshev - stock.adobe.com)
Jeder fünfte Cyberangriff dauert länger als 30 Tage – eine Unterbrechung des Geschäftsbetriebs, die ein Unternehmen im schlimmsten Fall wirtschaftlich zerstören kann. Eine Bitkom-Studie aus dem Jahr 2024 verdeutlicht die Auswirkungen von digitalen Angriffen: Der finanzielle Schaden durch Cyberkriminalität in Deutschland beträgt mindestens 178,6 Milliarden Euro. Digitale Angriffe auf Logistiknetzwerke gefährden dabei nicht nur sensible Daten, sondern haben auch unmittelbare Auswirkungen auf den Warenfluss. Als eine der zentralen Säulen der globalen Wirtschaft muss die Logistikbranche zwingend vor Cyberbedrohungen geschützt werden.
Mit der Einführung der NIS2-Richtlinie der Europäischen Union wird Cybersicherheit zu einer entscheidenden Grundlage für den Schutz kritischer Infrastrukturen – einschließlich der Lieferketten. Die Richtlinie fordert fortlaufende Risikoanalysen, angemessene Sicherheitsmaßnahmen und die Gewährleistung, dass Partner und Lieferanten eines Unternehmens die gleichen Sicherheitsstandards erfüllen wie das eigene Unternehmen.
Klassische Überfälle auf Lastwagen oder Schiffe gehören weitgehend der Vergangenheit an, Cyberattacken hingegen nehmen zu. So verzeichnete die Mehrheit deutscher Unternehmen (80 Prozent) innerhalb der letzten zwölf Monate einen Anstieg. Dennoch geben 37 Prozent der Befragten an, dass im Unternehmen das Bewusstsein für die Risiken von Cyberangriffen fehlt. Zudem machen sich 13 Prozent Sorgen, dass Zulieferer in ihrer Lieferkette nicht dieselben Sicherheitsstandards verfolgen.
Dabei werden Unternehmen schneller gehackt, als ihnen bewusst ist. Laut Bitkom-Studie sei dabei vor allem die Komplexität moderner Lieferketten ein zentraler Angriffsvektor. Je mehr Akteure zusammenarbeiten, desto mehr Schwachstellen und Angriffsfläche können Systeme aufweisen. Kriminelle benötigen heutzutage lediglich einen Benutzernamen und ein Passwort, mit denen sie Zugang zu Logistiknetzwerken erhalten. Mithilfe der gestohlenen Anmeldedaten und der Einsicht in die Unternehmenssoftware können Cyberkriminelle genau erkennen, wo sich wertvolle Ladungen befinden. Um sich Zugang zu sensiblen Informationen zu verschaffen, nutzen Cyberkriminelle oft menschliche Fehlerquellen. Bevorzugt nehmen Hacker neue Mitarbeiter oder Vorstandsmitglieder ins Visier.
Ein Problem ist, dass die meisten Unternehmen immer noch stark auf Passwörter angewiesen sind. Laut einer aktuellen Studie von Keeper Security sind 60 Prozent der User in der DACH-Region mit der Verwaltung zu vieler Konten, Logins und Passwörter überfordert. 15 Prozent speichern ihre Passwörter in einem Browser oder sogar in einer Notiz-App auf dem Smartphone. Zudem nutzen 34 Prozent ihre Passwörter mehrfach auf unterschiedlichen Websites – ein Verhalten, das das Risiko für umfassende Datenangriffe deutlich erhöht. Obwohl Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) einen gewissen Schutz bietet, sind einige MFA-Methoden nicht resistent gegen Phishing-Angriffe. All dies verschafft Cyberkriminellen einen leichteren Zugang zu Unternehmenssystemen.
Neue Lösungen wie ein unternehmensweiter Single Sign-On (SSO)-Prozess, passwortlose Anmeldung und Gerätebindung können die Gefahr eines erfolgreichen Cyberangriffs deutlich verringern. Dafür müssen die Mitarbeiter ihre Anmeldedaten nur einmal bei einem Anbieter eingeben. Anschließend können sie via SSO auf alle Anwendungen zugreifen. Dies gewährleistet den Mitarbeitern einen einfacheren Zugang und mehr Sicherheit für das gesamte Unternehmen.
Eine noch sicherere Alternative ist die passwortlose Anmeldung. Statt des Passworts liefert der Benutzer einen anderen Nachweis, beispielsweise einen Code, der an sein Mobiltelefon gesendet wird. Da kein Passwort verwendet wird, kann nichts gestohlen oder wiederverwendet werden. Die Gerätebindung verknüpft Unternehmensgeräte mit dem System, sodass nur registrierte Geräte Zugang haben – selbst, wenn die Anmeldedaten gestohlen werden. Dies macht den Zugang für Cyberkriminelle praktisch unmöglich.
Moderne Angriffsstrategien verändern und entwickeln sich schnell. Aufgrund der Abhängigkeit von Partnern und Lieferanten innerhalb einer Lieferkette müssen Unternehmen die Sicherheit der zugrunde liegenden IT-Infrastruktur bewerten und in ihrem eigenen Sicherheitszyklus berücksichtigen. Intern sollten Unternehmen weiterhin in neue Technologien investieren und ihre Belegschaft darin schulen, verdächtige Situationen zu erkennen. Sobald Mitarbeiter ein Bewusstsein für Cybersicherheit entwickeln, kontrollieren Unternehmen die Risiken in der Lieferkette effektiver und verhindern, dass ihre Ware in die falschen Hände gerät. Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch digitale Angriffe ist es unverzichtbar, proaktiv zu handeln. Dabei können wirksame Lösungen bereits durch kleine Änderungen entstehen. Für eine schnelle Reaktionsfähigkeit im Ernstfall sind allerdings fortschrittliche und ganzheitliche Sicherheitsmaßnahmen erforderlich.
Stand: 08.12.2025
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Über den Autor: Florian Linz ist Senior Solutions & Value Engineer bei project44.