Da die globale geopolitische Lage immer angespannter und komplexer wird, rückt auch da Thema Cybersicherheit in der Raumfahrtindustrie in den Fokus. Bei der CYSAT kamen Experten und Regierungsvertreter aus der Branche zusammen, um über Sicherheitskonzepte zu sprechen.
Cesar Carmona (l.), Direktor von Novaspace, moderierte die Diskussionsrunde „Die Rolle der Cybersicherheit bei souveränen Weltraumressourcen und -daten“. Beteiligt waren (v.l.n.r.) Lionel Salmon, Director Sovereign Cybersecurity Systems Department bei Thales, Paul Varela, Engineering Team Leader for Risk Analysis and Cyber bei EUSPA, Alix Carmona, VP and Head of Cyber Programs bei Airbus Defence & Space Cyber, Erin Miller, Executive Director bei Space ISAC, und Alberto Caponi, Head of the Security and Strategies Office der Italian Space Agency.
Vom 13. bis 15. Mai 2025 fand in Paris zum fünften Mal die CYSAT, internationale Veranstaltung für Cybersicherheit in der Raumfahrtindustrie, statt. Dort kamen wichtige Akteure aus der Raumfahrtindustrie, Forschungseinrichtungen und staatlichen Organisationen weltweit zusammen, um über Cybersicherheit im Weltraum sowie gemeinsame Rahmenwerke für die Verteidigung Europas zu sprechen.
„Bereits bei der letzten Ausgabe der CYSAT haben wir festgestellt, dass Souveränität im Weltraum höchste Priorität hat. Angesichts der weiterhin verschärften geopolitischen Lage hat dieses Thema weiter an Dringlichkeit gewonnen”, sagt Mathieu Bailly, VP Space bei CYSEC und Director der CYSAT. „Die Raumfahrt kann nicht mehr als isolierter technologischer oder wirtschaftlicher Bereich angesehen werden, sondern ist zunehmend in das geopolitische Machtspiel eingebunden. Damit wird die Sicherung von Weltrauminfrastruktur und -daten, sowie die unabhängige Nutzung für Verteidigung und Überwachung, zu einem zentralen Element für die nationale und europäische Sicherheit.“
2023 wurden die Pläne für Iris², das europäische Satellitenkommunikationssystem, vom EU-Parlament genehmigt. Seitdem fanden Ausschreibungen und Auftragsvergaben an europäische Unternehmen statt, die sich mit ihrer Technologie an der Entwicklung des Systems beteiligen wollen. Nach wie vor befindet sich Iris² in der Entwicklungsphase. Das Ziel: eine EU-eigene Satellitenkonstellation für eine sichere Kommunikation gegen staatlich gesponserte Angriffe. Das Kernelement: Security-by-Design.
Nicolas Guillermin, Team-Leiter Security bei der Europäischen Kommission, gab bei der CYSAT einen Überblick über den derzeitigen Stand von Iris². Zu den Aufgaben der Satelliten werden die Grenzüberwachung, Verteidigung und der Schutz von kritischen Infrastrukturen gehören. Dafür finanziere die EU 18 MEO-Satelliten (Medium Earth Orbit), 264 LEO-HEO-Satelliten (Low Earth Orbit und Highly Elliptical Orbit) sowie zehn Low-LEO-Satelliten. Während derzeit noch diskutiert werde, welche Technologien in Iris² verbaut würden, sei schon klar, dass eine Erstbereitstellung (Initial Deployment of Capability, IDOC) 2028 geplant und eine vollständige Betriebsfähigkeit (Full Operational Capability, FOC) 2030 das Ziel seien.
Klar sei bereits, dass Post-Quantum-Kryptographie als Technologie eingebaut wird, die die Satelliten auch gegen Angriffe mit Quantencomputern absichern soll. Ob hingegen auch eine Quantum Key Distribution (QKD) eingebaut wird, sei noch unklar. Diese Technologie soll eine abhörsichere Übertragung kryptographischer Schlüssel zur Verschlüsselung von Nachrichten gewährleisten. Diese Technologie sei derzeit noch nicht reif genug. Ein Programm zur Reifung von QKD gebe es jedoch bereits.
Doch neben technischen Fragen, die noch zu klären seien, war auch die Souveränität Europas hinsichtlich der Cybersicherheit im Weltraum Thema für Guillermin. Halbleiter seien nach wie vor ein schwieriges Thema in Europa. Doch Europa brauche hunderprozentige Kontrolle über alles, auch über das letzte bisschen Hardware.
Über europäische Technologie-Unabhängigkeit sprachen bei ihrer Panel-Diskussion auch Lionel Salmon, Director Sovereign Cybersecurity Systems Department bei Thales, Erin Miller, Executive Director bei Space ISAC, Alix Carmona, VP and Head of Cyber Programs bei Airbus Defence & Space Cyber, Paul Varela, Engineering Team Leader for Risk Analysis and Cyber bei EUSPA, und Alberto Caponi, Head of the Security and Strategies Office der Italian Space Agency.
Die Panelisten waren sich einig, dass Europa gezielt in kleinere Unternehmen und Startups investieren müsse. Außerdem müsse das Vertrauen in neue Zulieferer aktiv aufgebaut werden, indem sie in Programme der European Space Agency oder des European Defence Fund oder des European Defense Fund aufgenommen werden. Grundsätzlich verfüge Europa über die Kompetenzen für souveräne und sichere Raumfahrtsysteme. Doch für ein nachhaltiges und robustes Ökosystem brauche es politischen Willen, strategische Investitionen sowie technologische Unabhängigkeit.
Stand: 08.12.2025
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Zu den aktuell brandheißen Themen digitale Souveränität und Quantencomputing gibt es übrigens auch Folgen des Security-Insider Podcasts. Mit Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker, wissenschaftlicher Direktor des cyberintelligence.institute in Frankfurt, haben wir in Folge 91 darüber gesprochen, ob die EU nicht zu viel Verantwortung an Dritte abgegeben hat. Und mit Prof. Wehnes, der am Institut für Informatik der Universität Würzburg lehrt, ging es in Folge 96 darum, wie digitale Souveränität mithilfe von Open Source Software gelingen kann. Und wer mit Begriffen wie Post-Quantum-Kryptographie und Quantum Key Distribution noch nichts anfangen kann, dem legen wir Folge 99 ans Herz. Da sprechen wir mit Prof. Dr. Christoph Becher von der Universität des Saarlandes über Quantencomputing. Viel Spaß beim reinhören!