KI-Governance, Datensouveränität und Dynamic Trust prägen 2026 Vier Trends machen Cybersicherheit 2026 zum strategischen Faktor

Ein Gastbeitrag von John Swanson 4 min Lesedauer

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Viele Unternehmen vertrauen Zugriffen noch immer nach einmaliger Freigabe, doch 2026 muss sich das grundlegend ändern. Vorstände übernehmen Verantwortung für transparenten KI-Einsatz. Unternehmen überprüfen genau, wo ihre Daten physisch liegen und wer darauf zugreifen kann. Risikobewertung läuft nicht mehr punktuell, sondern kontinuierlich und gleichzeitig verschmelzen IT und Betriebstechnik zu einem einheitlichen Schutzmodell.

2026 wird KI-Governance Pflicht, Datensouveränität entscheidet über Clouds, Exposure Management läuft kontinuierlich und IT/OT konvergiert durch NIS2-Druck.(Bild: ©  Celt Studio - stock.adobe.com)
2026 wird KI-Governance Pflicht, Datensouveränität entscheidet über Clouds, Exposure Management läuft kontinuierlich und IT/OT konvergiert durch NIS2-Druck.
(Bild: © Celt Studio - stock.adobe.com)

Unternehmen und öffentliche Einrichtungen kämpfen seit Jahren damit, der zunehmenden Komplexität cyberkrimineller Angriffe standzuhalten. Viele verlassen sich weiterhin auf reaktive, perimeterbasierte Sicherheitsmodelle, die Zugriffe nach der Erstfreigabe als grundsätzlich vertrauenswürdig einstufen. Doch die Grundlagen der Cyberabwehr verändern sich grundlegend. Mit fortschrittlicher Künstlicher Intelligenz (KI), kontinuierlichem Exposure Management und Echtzeit-Risikobewertungen wird ein neues Sicherheitsprinzip möglich: Dynamic Trust.

Derzeit bestehen in vielen Unternehmen gravierende Sicherheitslücken. Technologien werden häufig ohne geeignete Governance implementiert, Transparenz über Datenstandorte fehlt, und Risiken aus ungesicherten Systemen bleiben unentdeckt. Bis 2026 werden Fortschritte in KI-gestützter Abwehr, proaktivem Risikomanagement und integrierter IT/OT-Sicherheit die Cybersicherheit tiefgreifend verändern: weg von einer rein technischen Aufgabe, hin zu einem strategischen Handlungsfeld, das Unternehmensintegrität prägt.

1. KI-Governance wird zur Vorstandsaufgabe

Die rasante Entwicklung generativer und agentenbasierter KI übersteigt derzeit die Fähigkeit vieler Unternehmen, diese Technologien angemessen zu steuern. Das daraus resultierende Governance-Defizit führt zu erheblichen Sicherheitsrisiken – ein Zustand, der ab 2026 nicht mehr akzeptiert werden wird. Regulierungsbehörden, Investoren und Versicherer werden verstärkt Nachweise für einen verantwortungsbewussten KI-Einsatz fordern.Es werden Plattformen für AI Governance-as-a-Service entstehen, die Richtlinien durchsetzen, Modellverhalten überwachen und Risiken wie Datenabflüsse, Prompt-Injection-Angriffe oder überprivilegierte KI-Agenten kontrollieren. Diese Lösungen bieten durchgängige Transparenz über Modellbereitstellungen, Datenflüsse und Entscheidungsprozesse.

Gleichzeitig wird der rasche Einsatz agentenbasierter KI zu neuen Angriffspfaden führen. Für 2026 ist mit sicherheitsrelevanten Vorfällen zu rechnen, bei denen Angreifer durch Prompt-Injection aus unerwarteten Quellen – etwa aus SIEM-Logs, DNS-Daten oder anderen automatisch verarbeiteten Infrastrukturinformationen – Netzwerke kompromittieren.

Vorstände werden sich künftig intensiver mit KI-Sicherheit auseinandersetzen. Regulatorische Vorgaben wie der EU AI Act werden Anforderungen an Erklärbarkeit, Auditierbarkeit und ethische Nutzung durchsetzen. Unternehmen, die frühzeitig robuste Governance-Strukturen etablieren, sichern sich strategische Vorteile; Nachzügler müssen mit Sanktionen und Reputationsverlust rechnen.

2. Datensouveränität prägt künftige Cloud-Strategien

Mit zunehmenden geopolitischen Spannungen steigt der Druck, Datenstandorte und Zugriffsrechte transparent zu gestalten. Die Sorge, kritische Informationen „auf einen Schlag“ zu verlieren, verstärkt 2026 die Neubewertung von Cloud-Strategien.

Aktuelle Störungen haben gezeigt, dass viele Unternehmen erst im Zuge von Audits feststellen, wo ihre Daten tatsächlich gespeichert sind. In einer Zeit, in der politische Entscheidungen ohne technische Gegenmaßnahmen den Zugriff einschränken können, ist das ein inakzeptables Risiko.

Organisationen werden Cloud-Anbieter bevorzugen, die klare juristische Zuständigkeiten und Schutz vor politischer Einflussnahme gewährleisten. Souveränitätsorientierte Multi-Cloud-Strategien werden sich beschleunigen, kombiniert mit einer Rückverlagerung kritischer Workloads in lokale Infrastrukturen, wenn Datenschutz und Kontrollbedarf dies erfordern.

Beschaffungsentscheidungen werden den physischen Speicherort und die Rechtslage künftig ebenso stark gewichten wie technische Leistungsmerkmale. Anbieter ohne belastbare Aussagen zur Datenresidenz werden Marktanteile verlieren.

3. Kontinuierliches Exposure Management ersetzt sporadische Prüfungen

Der Übergang von punktuellen Schwachstellenanalysen hin zu kontinuierlichem Exposure Management wird sich 2026 durchsetzen. Unternehmen werden Plattformen einsetzen, die ihre Angriffsfläche in Echtzeit sichtbar machen und Risiken anhand von Ausnutzbarkeit, Geschäftskontext und Bedrohungsinformationen priorisieren.

Diese Systeme integrieren Daten aus Schwachstellenscannern, Konfigurationsdatenbanken, Threat-Intelligence-Feeds und Geschäftsprozessanalysen, um dynamische Risikowerte zu generieren. Im Gegensatz zu traditionellen Tools liefern sie keine statischen Berichte, sondern verfolgen die Entwicklung von Risiken kontinuierlich – einschließlich Systemänderungen, eingespielter Patches und neuer Bedrohungen.Der größte Vorteil: Sicherheitsverantwortliche können Risiken proaktiv beheben, bevor sie ausgenutzt werden. Der Wechsel vom reaktiven „Firefighting“ zu vorausschauendem Risikomanagement wird messbare Verbesserungen ermöglichen.

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Boards erhalten künftig klar quantifizierbare Risikoindikatoren und Nachweise, wie Sicherheitsinvestitionen das unternehmerische Risiko reduzieren. Cybersicherheit wird sich vom Kostenfaktor zum strategischen Schutzmechanismus mit messbarem Wertbeitrag entwickeln.

4. Die Konvergenz von IT- und OT-Sicherheit beschleunigt sich

Die traditionelle Trennung zwischen IT- und OT-Sicherheit wird 2026 zunehmend überholt sein. Kritische Infrastrukturbetreiber werden Sicherheitskontrollen vereinheitlichen und durchgängige Transparenz über digitale und operative Systeme schaffen.

Staatliche und kriminelle Akteure werden weiterhin gezielt kritische Infrastrukturen angreifen. Gleichzeitig steigt das Risiko von Kollateralschäden durch hochentwickelte Malware, die – ähnlich wie Stuxnet – über ihre eigentlichen Zielsysteme hinaus Wirkung zeigt.

Unternehmen werden verstärkt integrierte Sicherheitsplattformen einsetzen, die Risiken aus IT- und OT-Umgebungen in einer gemeinsamen Sicht zusammenführen. Diese Lösungen wenden einheitliche Sicherheitsrichtlinien an, berücksichtigen aber gleichzeitig die besonderen Anforderungen operativer Systeme, bei denen Verfügbarkeit und Sicherheit Vorrang haben.

Regulatorische Rahmen wie NIS2 werden die Integration beider Bereiche verpflichtend machen. Unternehmen mit fortgeschrittener IT/OT-Konvergenz profitieren von niedrigeren Versicherungskosten, schnelleren Zulassungsprozessen und höherem Vertrauen bei Kunden und Behörden.

Ausblick: Die Cybersecurity-Transformation 2026 und darüber hinaus

KI, einschließlich generativer und agentenbasierter Systeme, wird kurzfristig nicht alle Herausforderungen lösen. Die Entwicklung ist evolutionär, nicht revolutionär. Ab 2026 jedoch wird die Kombination aus KI-gestützter Abwehr, verlässlicher Governance, Datensouveränität, kontinuierlichem Exposure Management und IT/OT-Integration Cybersecurity-Ökosysteme schaffen, die sich stärker an Dynamic Trust orientieren als an statischen Perimetern.

Organisationen werden zunehmend in der Lage sein, Bedrohungen proaktiv zu verhindern, statt ausschließlich auf Vorfälle zu reagieren. Cybersicherheit wandelt sich von einer technischen Disziplin zu einem strategischen Differenzierungsmerkmal. Cyberresilienz wird zu einem zentralen Leistungsindikator, der Unternehmenswert und Reputation beeinflusst.

Unternehmen, die fortschrittliche KI-Technologien mit transparenter, verantwortungsvoller Governance kombinieren, werden ihre Assets wirksam schützen und Vertrauen bei Stakeholdern sichern. Wer diese Entwicklung verpasst, setzt sich steigenden Risiken aus – durch komplexere Angriffe, regulatorische Auflagen und den Verlust der eigenen Wettbewerbsfähigkeit.

Die Zukunft der Cybersicherheit liegt in der Übersetzung von Bedrohungsinformationen in konkrete, wirksame Verteidigungsstrategien, die geschäftliche Werte sichern. Im Vorfeld des Jahres 2026 rückt diese Zukunft erstmals greifbar nahe.

Über den Autor: John Swanson ist Global Security Portfolio Lead, Uvance bei Fujitsu.

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