Schattenseiten der Digitalisierung Digitale Transformation in Zeiten einer globalen Pandemie

Autor / Redakteur: Kai Zobel / Peter Schmitz

Die Digitalisierung hat während der Corona-Pandemie einen starken Schub erhalten. Dieser geht jedoch oft zu Lasten der Datensicherheit, was Cyberkriminelle verstärkt ausnutzen. Was Unternehmen jetzt tun können, um die Sicherheit ihrer Daten zu erhöhen, warum wirkungsvolle Strategien nicht zwingend teuer und aufwendig sein müssen - und welche Rolle in diesem Kontext die Mitarbeiter spielen.

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Aufgrund der Pandemie wurden in vielen Unternehmen personelle und finanzielle Ressourcen eingesetzt, um die Datensicherheit zu erhöhen.
Aufgrund der Pandemie wurden in vielen Unternehmen personelle und finanzielle Ressourcen eingesetzt, um die Datensicherheit zu erhöhen.
(© Feodora - stock.adobe.com)

Häufig spielt die Datensicherheit bei Geschäftsentscheidungen eine untergeordnete Rolle. Zudem machen die Mehrkosten viele Datensicherheitslösungen unattraktiv. Verschärft wird die Situation durch die globale Pandemie und die wirtschaftliche Unsicherheit. Sie zwingt Unternehmen dazu, ungewöhnlichen Maßnahmen zu ergreifen, um das Geschäft am Laufen zu halten. Welche Geschäftstrends lassen Unternehmen in die Datensicherheitsfalle tappen? Was können Unternehmen tun, um mit bezahlbaren Mitteln die Risiken von Datensicherheitsverletzungen zu reduzieren?

Für viele Unternehmen hat das Coronavirus dazu geführt, dass ein großer Teil der Belegschaft, praktisch über Nacht, ins Homeoffice geschickt wurde. Ein Bericht der Information Systems Security Association (ISSA) ergab, dass die meisten Unternehmen, bei der Sicherheit ihrer Remote-Geräte und Anwendungen für die Arbeit von zu Hause aus, nur „ziemlich gut vorbereitet" waren. Häufig sorgte das bei Sicherheitsexperten für Kopfzerbrechen: Sie mussten Geräte sichern, einen sicheren Netzwerkzugang für Remote-Mitarbeiter bereitstellen, den Netzwerkverkehr überwachen und IT-Infrastruktur Umzüge und IT Änderungen (z.B. Tausch des Servers) mit dem IT-Betrieb koordinieren. Laut dem ISSA-Bericht gab es im April 2020 einen 63-prozentigen Anstieg von Cyberattacken, die auf die Pandemie zurückzuführen sind.

Ein weiterer pandemiebedingter Geschäftstrend sind kosteneffiziente Pay-as-you-go-Modelle. Dazu werden Workloads in Cloud-Umgebungen verlagert, um skalierbare Datenbankfunktionen zu nutzen. Eine kürzlich von Aptum durchgeführte Umfrage ergab, dass fast zwei Drittel der Unternehmen seit Beginn der Coronavirus-Pandemie die Cloud-Technologie zur Skalierung der Infrastruktur eingesetzt haben, um die Nachfrage zu befriedigen und die Kosten zu kontrollieren. Fast die Hälfte der Unternehmen hatten Cloud-Lösungen installiert, um kritische Services für Endkunden bereitzustellen. Aus einem Bericht von Oracle aus der Zeit vor der Pandemie geht hervor, dass 92 Prozent der befragten IT- und Sicherheitsexperten, eine „Cloud-Sicherheitslücke“ zwischen der aktuellen und geplanten Cloud-Nutzung und dem Reifegrad ihrer Cloud-Sicherheitsprogramme, sehen. Wenn man den Geschäftstrend von Pay-as-you-go-Modellen mit den Ergebnissen des Oracle Berichts gegenüberstellt, stehen Unternehmen vor katastrophalen Datensicherheitsverletzungen.

Datenschutz- und Compliance-Vorschriften müssen eingehalten werden, trotz der ungewöhnlichen Umständen, die die Pandemie mit sich gebracht hat. Sicherheitsstrategien müssen entwickelt und Sicherheitskontrollen müssen auf alle Cloud-Umgebungen ausgeweitet werden. Für die Zeit zwischen der Implementierung von Strategien und Ergreifen von Maßnahmen, haben die Cybersecurity-Experten von Imperva einige kosteneffektive Lösungen identifiziert, die Unternehmen helfen, das Risiko von Datenverletzungen zu minimieren:

Mitarbeiter müssen sensibilisiert werden

Wie gut die Datensicherheit im Unternehmen umgesetzt wird, hängt von den Mitarbeitern ab. Deshalb ist es wichtig, dass die Mitarbeiter regelmäßig über die geltenden Sicherheitsvorschriften aufgeklärt werden. Eine aktuelle Studie von Kaspersky Lab hat ergeben, dass nur gut ein Zehntel (12 Prozent) der befragten Mitarbeiter die IT-Sicherheitsrichtlinien und -regeln ihres Unternehmens kennen und dass etwa 90 Prozent der Sicherheitsverstöße auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. IT-Teams müssen sicherstellen, dass Fehler nicht zur Gewohnheit werden. Passwortschutz und Multifaktor-Authentifizierung sollten ein fester Bestandteil der internen „Datensicherheitskultur“ sein. Wie und wo Mitarbeiter sich mit dem Firmennetzwerk verbinden sollte im Auge behalten werden. Um Risiken durch potenziell ungesicherte Systeme auszuschließen, sollten Remote-Mitarbeiter sich mit dem Unternehmens-VPN verbinden, wenn sie auf die Cloud zugreifen wollen.

Service-Provider sind innerhalb der Cloud nicht für die Datensicherheit verantwortlich

Wie jeder Service-Provider wird auch der Cloud-Service-Provider sein Bestes tun, um sicherzustellen, dass es keine Schwachstellen in seinem Gesamtsystem gibt. Letztendlich sind aber die Unternehmen für die Daten innerhalb einer Cloud-Instanz verantwortlich. Manchmal ist das Beste eines Dienstanbieters nicht ausreichend. Eine kürzlich durchgeführte Analyse von 2 Millionen Scans von 300.000 öffentlichen Cloud-Ressourcen, ergab, dass mehr als 80 Prozent der Unternehmen mindestens einen internetfähigen Workload haben, der seit mehr als 180 Tagen ungepatcht ist. Weitere 60 Prozent haben mindestens einen vernachlässigten internetfähigen Workload, der das Ende seiner Lebensdauer erreicht hat, da er nicht mehr mit Sicherheitsupdates versorgt wird. Die Scans liefen über Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und die Google Cloud Platform (GCP). Das Sicherheitsteam muss sicherstellen, dass die Cloud-Service-Provider die Vorschriften einhalten und die Sicherheits-Patches auf dem neuesten Stand halten. Die Provider müssen regelmäßig auf deren Threat Intelligence-Teams, die alle externen Risiken im Blick haben, überprüft werden. Interne und externe Zugriffe auf Cloud-Anwendungen müssen identifiziert werden. Zudem sollten Unternehmen überprüfen, welche zusätzlichen Risiken durch die eigenen Netzwerke entstehen könnten.

Strategien müssen kostengünstig und leicht umsetzbar sein

Aufgrund der Pandemie wurden personelle und finanzielle Ressourcen eingesetzt, um die Datensicherheit zu erhöhen. Aufgrund der Vielzahl an Projekten blieben wichtige Sicherheitsstrategien auf der Strecke. Obwohl zusätzliches IT-Personal für die meisten Unternehmen nicht finanzierbar ist, könnten Sicherheitsexperten für einzelne Projekte engagiert werden. Sie können einen wichtigen Teil zur Datensicherheit beitragen, indem sie sensible Informationen im gesamten Datenbestand des Unternehmens auffinden und klassifizieren oder eine 100-prozentige Sichtbarkeit des Datenbestands ermöglichen. In den meisten Fällen helfen solche Projekte die allgemeine Sicherheitslage zu verbessern.

Auch sollten Unternehmen externe Entwickler in Betracht ziehen, um ein Tool wie die Benutzer- und Entitätsverhaltensanalyse (UEBA) zu implementieren. Dadurch können schneller Anomalien entdeckt und Sicherheitsbedrohungen eingedämmt werden. In Zeiten des Coronavirus gewinnt UEBA noch mehr an Bedeutung, da die Datenbankaktivitäten durch Remote-Mitarbeiter, vielfältiger sind. Zudem kommen Cloud-Workloads unterstützende Datenbanken hinzu und auch interne und externe Sicherheitsbedrohungen nehmen zu. Der Einsatz von UEBA kann viele der pandemiebedingten Herausforderungen kompensieren.

Ein überstürzter Einstieg in neue Arbeitsdynamiken und Technologien kann die digitale Transformation eines Unternehmens erschweren. Mit kostengünstigen und strategischen Maßnahmen ist es jedoch möglich, die aktuellen Herausforderungen in Chancen zu verwandeln, um mit Datenschutz und -sicherheit einen besseren Job zu machen.

Über den Autor: Kai Zobel ist Area Vice President EMEA Central bei Imperva.

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