Hybride Angriffe sind Realität, dabei stehen Energie, Netze und IT im Fokus. Doch viele Firmen sind einer Umfrage des Bitkom zufolge kaum vorbereitet und können zum Beispiel ohne Internet schnell nicht mehr arbeiten. Doch auch die Politik wird zur Verantwortung gezogen.
Hybride Angriffe sind koordinierte Angriffe, die digitale Mittel wie Cyberattacken mit physischen Sabotageakten und Desinformation kombinieren, um Infrastruktur, Wirtschaft und Gesellschaft zu destabilisieren. Diese Art von Bedrohung nimmt derzeit durch geopolitische Spannungen zu.
Stromausfall durch zerstörte Leitungen, gezielte Sabotage von Internetkabeln in der Ostsee oder mit Ransomware lahmgelegte Fabriken: Deutschland ist Ziel von digitalen und klassischen Angriffen, zugleich ist die deutsche Wirtschaft dem Digitalverband Bitkom zufolge schlecht auf solche hybriden Bedrohungen vorbereitet. Einer Umfrage unter 604 Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten und einem Jahresumsatz von einer Millionen Euro des Bitkom nach, könnten Unternehmen bei einem Internetausfall ihren Geschäftsbetrieb im Schnitt nur 20 Stunden aufrechterhalten. Jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) müsste sogar sofort die Arbeit einstellen. Umgekehrt seien nur acht Prozent sicher, länger als 48 Stunden weiterarbeiten zu können. Zugleich würden drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) wegen der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und der NATO mit einer erhöhten Gefahr hybrider Angriffe rechnen. Weitere 83 Prozent würden eine ernsthafte Krise in Deutschland in Folge von hybriden Angriffen erwarten. Und 53 Prozent würden sogar von einer militärischen Konfrontation zwischen Russland und der NATO in den kommenden fünf Jahren ausgehen.
„Anfang Januar mussten nach einem Anschlag mehr als 100.000 Menschen in Berlin bei Minustemperaturen tagelang ohne Strom auskommen, mehr als 2.000 Unternehmen waren betroffen. Hybride Angriffe auf Deutschland, die sich in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden abspielen, sind kein potenzielles Risiko, sie sind Realität. Deshalb müssen wir die Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft massiv hochfahren“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Aktuell würden 73 Prozent der Unternehmen davon ausgehen, Deutschland sei im internationalen Vergleich unzureichend auf hybride Angriffe vorbereitet. Die Studie des Bitkom wurde zu Beginn der Munich Cyber Security Conference vorgestellt.
Im Fokus stehen den befragten Unternehmen zufolge die Energieversorgung (90 Prozent) sowie Banken und Versicherungen (89 Prozent). 77 Prozent hätten ausgesagt, die Wasser- und Abwasserversorgung sei stark gefährdet, 67 Prozent die Lebensmittelversorgung, 65 Prozent das Gesundheitswesen mit Krankenhäusern und Ärzten und 64 Prozent Telekommunikation und IT. Rund die Hälfte habe Transport und Verkehr (54 Prozent) sowie die öffentliche Verwaltung (50 Prozent) genannt. Schlusslichter seien die Abfallentsorgung (28 Prozent) sowie Medien und Kultur (21 Prozent).
Große Auswirkungen auf das eigene Unternehmen hätten demnach erfolgreiche Attacken auf die Energieversorgung (97 Prozent), Banken und Versicherungen (88 Prozent) sowie Telekommunikation und IT (85 Prozent). Dahinter würden Wasserversorgung (69 Prozent) sowie Transport und Verkehr (67 Prozent) folgen. „Neben der Energieversorgung sind das Finanzwesen und die Kommunikation die neuralgischen Punkte der deutschen Wirtschaft“, so Wintergerst. „Zum notwendigen Schutz gehört zuallererst, es potenziellen Angreifern nicht unnötig leicht zu machen. Wir sollten darauf verzichten, Datenleitungen im Gigabit-Grundbuch öffentlich zugänglich zu verzeichnen, denn das bedeutet ein zusätzliches Risiko für Sabotageakte. Wir brauchen im Bereich kritischer Infrastrukturen Datensparsamkeit und ein strenges Sicherheits- und Zugangskonzept.“
Doch die Wirtschaft ist den Befragten zufolge nicht nur indirekt von hybriden Angriffen betroffen, Unternehmen würden auch ganz unmittelbar Opfer von Cyberangriffen und Sabotage. Eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent habe es für wahrscheinlich gehalten, selbst Ziel hybrider Angriffe zu werden, bei 61 Prozent sei der Schutz vor diesen Attacken Chefsache. Zugleich halte sich kein Unternehmen für sehr gut darauf vorbereitet, nur zwölf Prozent für eher gut. 38 Prozent hätten angegeben, eher schlecht vorbereitet zu sein, weitere 40 Prozent seien gar nicht vorbereitet. 35 Prozent würden jedoch planen, Vorkehrungen zu treffen, fünf Prozent hätten das nicht vor. Zehn Prozent würden keine Angaben zum Stand der Vorbereitungen auf hybride Angriffe machen wollen oder können. „Wir müssen die Lücke zwischen Gefahrenbewusstsein und Schutzniveau schnellstmöglich schließen“, so Wintergerst.
Die Unternehmen hätten zwar eine Vielzahl von konkreten Vorkehrungen zum Umgang mit erfolgreichen hybriden Angriffen getroffen, es fehle aber ein flächendeckender und umfassender Schutz. 58 Prozent würden für solche Fälle über alternative Kommunikationsmittel verfügen, 27 Prozent würden das planen. Weitere 57 Prozent würden über Backups ihrer Daten verfügen und hätten auch erfolgreiche Restore-Tests durchgeführt, 15 Prozent hätten das vor. In 51 Prozent gebe es Ausweicharbeitsplätze oder Homeoffice-Regelungen für den Fall, dass im Unternehmen nicht gearbeitet werden kann, 25 Prozent hätten dies in Planung. Rund ein Viertel (28 Prozent) habe für den Krisenfall durch zusätzliche Lagerhaltung vorgesorgt, 17 Prozent würden dies planen. Und 16 Prozent hätten bereits Vereinbarungen mit alternativen Lieferanten, 32 Prozent würden dies derzeit planen, falls die bestehenden Lieferketten ausfallen. 28 Prozent würden auf Sicherheitsüberprüfungen in sensiblen Bereichen setze, 17 Prozent darüber nachdenken. Ebenfalls 28 Prozent hätten ein Krisen- oder Notfallmanagement, 25 Prozent würden eines einführen wollen. Über eine Notstromversorgung würden 20 Prozent verfügen, 30 Prozent würden sie noch einrichten. Und nur jedes zehnte Unternehmen führe regelmäßige Krisenübungen durch, 26 Prozent hätten sich das vorgenommen. „Wir müssen bei den konkreten Vorsorgemaßnahmen für den Fall einer Krise besser werden. Einen Notfallplan braucht jedes Unternehmen, er entscheidet über die Handlungsfähigkeit in den wichtigen ersten Stunden”, sagt Wintergerst. „Die Unternehmen brauchen konkrete Handreichungen und Unterstützung, wie sie vorsorgen müssen und vorsorgen können.“
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel IT-Medien GmbH, Max-Josef-Metzger-Straße 21, 86157 Augsburg, einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von Newslettern und Werbung nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung.
Im Fall einer militärischen Auseinandersetzung stehen Unternehmen vor einer weiteren, ungewohnten Herausforderung: Viele Beschäftigte, die beim Zivilschutz oder bei der Bundeswehr tätig sind, könnten im Job fehlen. Nur 30 Prozent der Unternehmen hätten angegeben, einen guten Überblick zu haben, wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Zivilschutz unterstützen, etwa bei Feuerwehren oder Technischem Hilfswerk. Und gerade einmal 20 Prozent würden wissen, wie viele bei der Bundeswehr tätig würden. Selbst von denen, die einen guten Überblick hätten, könne jedes fünfte (21 Prozent) keine genaue Zahl benennen, im Schnitt würden die Unternehmen, die eine Schätzung abgeben konnten, von neun Prozent ihrer Belegschaft ausgehen, die ausfallen würde.
Vier von zehn Unternehmen (37 Prozent) würden höhere Investitionen einplanen, dabei würden neun Prozent in diesem Jahr deutlich mehr Geld ausgeben, 28 Prozent eher mehr. 44 Prozent hätten unveränderte Investitionen für die Vorbereitung auf hybride Angriffe und deren Folgen geplant. Kein Unternehmen wolle die Ausgaben senken, fünf Prozent würden gar keine Vorkehrungen treffen.
Von der Politik würden die Unternehmen mehr Information und Prävention, aber auch konkrete Aktion erwarten. So würden sich 71 Prozent eine staatliche Informationskampagne zum Verhalten bei hybriden Angriffen wünschen und 62 Prozent, dass hybride Angreifer öffentlich benannt würden- Weitere 50 Prozent hätten für ein Lagebild zu hybriden Angriffen plädiert. Um die Prävention zu stärken, würden 79 Prozent verpflichtende Sicherheitsstandards mit praxisnahen Leitlinien unterstützen, zugleich würden 68 Prozent aber auch Förderprogramme für Sicherheitsmaßnahmen erwarten. 54 Prozent hätten sich für eine massive Förderung der deutschen Sicherheitsindustrie ausgesprochen und 49 Prozent für regelmäßige bundesweite Übungen mit Bevölkerung und Unternehmen. Sechs von zehn Unternehmen (60 Prozent) würden Cyberangriffe der Bundeswehr gegen feindliche Hackergruppen für sinnvoll halten, 58 Prozent die Ausweitung der Überwachungsbefugnisse von Sicherheitsbehörden im digitalen Raum. 49 Prozent hätten angegeben, massive Cyberangriffe auf einen NATO-Staat sollten wie ein militärischer Angriff betrachtet werden. „Wir müssen die Resilienz von Verwaltung, Wirtschaft, Bevölkerung und Infrastruktur zu einem Top-Thema machen“, fasst Wintergerst zusammen. „Damit das schnellstmöglich gelingt, sollten wir uns an den Staaten orientieren, die dabei schon weiter sind als wir, etwa in Skandinavien.“