Zertifizierungsstrategien gegen Skills Gaps in der Cybersicherheit Warum Zertifizierungen für Cyber­sicher­heits­fachkräfte wichtig sind

Ein Gastbeitrag von Casey Marks 6 min Lesedauer

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Der IT-Fachkräftemangel und regulatorische Anforderungen wie NIS 2 er­hö­hen den Druck auf Cybersecurity-Teams. Zertifizierungen schaffen hier be­last­ba­re Kompetenznachweise, erleichtern die Bewertung von Qua­li­fi­ka­ti­o­nen und helfen Unternehmen, Fachkräfte gezielt zu identifizieren und wei­ter­zu­ent­wi­ckeln.

Zertifizierungen bieten einen nachvollziehbaren Kompetenznachweis für Security-Teams und unterstützen Unternehmen dabei, Qualifikationen gezielt zu bewerten.(Bild: ©  FAMILY STOCK - stock.adobe.com)
Zertifizierungen bieten einen nachvollziehbaren Kompetenznachweis für Security-Teams und unterstützen Unternehmen dabei, Qualifikationen gezielt zu bewerten.
(Bild: © FAMILY STOCK - stock.adobe.com)

Der Bericht Wirtschaftsschutz 2024 vom Branchenverband Bitkom zeigt, dass Cyberangriffe bei 46 Prozent der befragten deutschen Unternehmen in den vergangenen 12 Monaten „stark zugenommen“ haben. Der Anstieg war bei Unternehmen der kritischen Infrastruktur mit 52 Prozent sogar noch höher. Kein Wunder also, dass 74 Prozent der Cybersicherheitsfachleute zustimmen, dass die heutige Bedrohungslage die herausforderndste der letzten fünf Jahre ist. Trotz dieser verschärften Risikolage sehen sich Unternehmen mit zunehmendem Budgetdruck und einem Mangel an hochqualifizierten Cybersicherheitsfachleuten konfrontiert, die in der Lage sind, raffinierte digitale Bedrohungen zu erkennen, darauf zu reagieren und diese abzuwehren.

Da Cyberbedrohungen zunehmen und qualifizierte Fachkräfte benötigt werden, ist es wichtiger denn je, wirksame Wege zu finden, um Talente zu gewinnen, auszubilden und zu validieren – und genau hier spielen Zertifizierungen eine Schlüsselrolle. Zertifizierungen sind in jeder Branche wichtig, weil sie alternative Einstiegswege in den Beruf eröffnen, Arbeitgebern ein gewisses Maß an Qualifikation, Fachwissen und Engagement für ein Fachgebiet nachweisen und zudem zu einem höheren Einkommenspotenzial führen können. Sie schaffen außerdem einen globalen Maßstab, an dem jeder – unabhängig vom Hintergrund – gemessen werden kann. In der Cybersicherheit ist dies besonders entscheidend: Es gibt nicht genug Fachkräfte zum Schutz vor den sich entwickelnden Bedrohungen. Zertifizierungen eröffnen daher neue Möglichkeiten für mehr Menschen, in den Beruf einzusteigen, ohne die Standards zu senken.

Die ISC2 Workforce Study 2024 bestätigt, dass 62 Prozent der Cybersicherheitsfachleute in Deutschland über Personalmangel berichteten und 90 Prozent über Qualifikationslücken. Seit der Einführung der NIS2-Richtlinie ist die Zertifizierung zu einer strategischen Notwendigkeit geworden, um starke Cyberteams aufzubauen, die den steigenden regulatorischen Anforderungen gerecht werden und die operative Sicherheit in Deutschlands innovativen Branchen stärken können.

Doch wie können Unternehmen die Fachleute mit den richtigen Fähigkeiten finden und wie können diese ihre Kompetenzen nachweisen? Die Antwort liegt in einer Kombination aus Bildung, Training und Zertifizierung. Zertifizierungen von international anerkannten Organisationen wie ISC2 validieren nicht nur das Fachwissen einer Person, sondern stellen auch sicher, dass ein konsistenter, hoher Wissensstandard eingehalten wird. Wenn Cybersicherheitsfachleute die weltweit angesehenen Zertifikate besitzen, können Arbeitgeber sicher sein, dass ihre Teams hochqualifiziert sind. Für die Fachkräfte auf allen Erfahrungsstufen und mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen bieten akkreditierte Trainings- und Zertifizierungs­programme einen klaren Weg zur beruflichen Weiterentwicklung und zum Erhalt und Ausbau ihrer Fähigkeiten und ihres Wissens.

Von der Zertifizierung zur Community

Zertifizierungen ermöglichen es einzelnen Personen, sich systematisch mit aktuellen Technologien, bewährten Methoden und Sicherheitsstandards auseinanderzusetzen. Für viele Cybersicherheitsfachleute bietet die Zertifizierung die Möglichkeit, ihre Karriere neu auszurichten oder sich auf eine strategischere Ebene weiterzuentwickeln (z. B. als Chief Information Security Officer (CISO) oder Sicherheitsberater).

Die Vorteile unserer Trainings- und Zertifizierungs­programme gehen weit über die traditionelle Weiterbildung hinaus. Zertifizierte Mitglieder erhalten Zugang zu einem umfassenden globalen Netzwerk gleichgesinnter Fachleute. Die große, weltweite Community von ISC2 pflegt einen lebhaften Austausch von Ideen – sowohl virtuell als auch persönlich. Mit mehr als 265.000 Mitgliedern und Associates weltweit ist eine Zertifizierung bei uns weit mehr als nur ein Eintrag im Lebenslauf; sie ist ein Zeichen für Professionalität, Glaubwürdigkeit und langfristiges Engagement für Exzellenz in der Cybersicherheit.

Zertifizierung als Kompetenzmaßstab

Ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit ist die Entwicklung und Vergabe international anerkannter Zertifizierungen im Bereich Cybersicherheit. Besonders bekannt ist der Certified Information Systems Security Professional (CISSP), eine der weltweit renommiertesten Zertifizierungen für Cybersicherheitsfachleute. Seit seiner Einführung im Jahr 1994 gilt der CISSP als „Goldstandard“ – anerkannt von Regierungen und akkreditiert nach internationalen Standards, einschließlich der ANAB ISO/IEC 17024 und ANSI/ASTM E2659-18, sowie anerkannt vom U.S. Department of Defense (DoD) und dem UK National Academic Recognition Information Centre.

Mit mehr als 180.000 zertifizierten CISSPs weltweit – darunter über 3.700 in Deutschland – dient diese Zertifizierung in vielen Unternehmen und Behörden als Standardqualifikation, insbesondere bei Positionen mit hoher Verantwortung oder im Rahmen gesetzlicher Compliance-Anforderungen.

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Wir konzentrieren uns jedoch nicht nur auf die Zertifizierung der erfahrensten Fachkräfte. ISC2 bietet auch einen kontinuierlichen Lernpfad, den Sicherheitsexperten während ihrer gesamten Karriere verfolgen können – unabhängig von ihrem Erfahrungsstand. Mit Grundlagenzertifizierungen wie Certified in Cybersecurity (CC) bietet die Organisation auch Quereinsteigern eine strukturierte Einführung in das Berufsfeld.

ISC2-Zertifizierungen

ISC2 vergibt neun international anerkannte IT-Sicherheitszertifizierungen, die auf unterschiedliche Erfahrungsstufen und Spezialisierungen zugeschnitten sind. Alle Zertifizierungen beinhalten eine Präsenzprüfung in einem Pearson VUE-Testzentrum. Nach bestandener Prüfung werden Personen zertifizierte Mitglieder von ISC2, sobald sie dem Code of Ethics zustimmen, ihre Zertifizierungsanträge genehmigt wurden und die erste jährliche Annual Maintenance Fee (AMF) beglichen ist. Um eine Zertifizierung aufrechtzuerhalten, müssen Mitglieder außerdem regelmäßig Weiterbildungsmaßnahmen absolvieren und Continuing Professional Education (CPE)-Credits sammeln. Damit wird sichergestellt, dass ihre Fähigkeiten und ihr Wissen stets auf dem neuesten Stand bleiben.

Überblick über die Zertifizierungen:

  • CISSP – Certified Information Systems Security Professional
    Die CISSP-Zertifizierung ist eine der renommiertesten IT-Sicherheitszertifizierungen von ISC2, die für erfahrene Sicherheitsexperten, IT-Manager und CISO-Kandidaten konzipiert ist. Sie erfordert mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in zwei von acht Domänen, wobei ein Jahr durch einen Abschluss oder eine anerkannte Zertifizierung angerechnet werden kann.
  • CC – Certified in Cybersecurity
    Die CC-Zertifizierung ist ein Einstiegsnachweis von ISC2 für Anfänger in der Cybersicherheit. Sie erfordert keine Vorerfahrung und deckt Grundlagen wie Sicherheitsprinzipien, Netzwerksicherheit und Zugriffskontrolle ab.
  • CCSP – Certified Cloud Security Professional
    Die CCSP-Zertifizierung richtet sich an IT-Sicherheitsexperten, die sich auf Cloud-Sicherheit spezialisieren. Sie erfordert mindestens fünf Jahre IT-Erfahrung, davon drei in der IT-Sicherheit und ein Jahr in der Cloud-Sicherheit.
  • CGRC – Governance, Risk and Compliance Certification
    Die CGRC-Zertifizierung richtet sich an IT-, Informationssicherheits- und Informationssicherungsfachleute, die in den Bereichen Governance, Risiko und Compliance tätig sind. Sie erfordert mindestens zwei Jahre Erfahrung in einem oder mehreren CGRC-Schwerpunktbereichen.
  • CSSLP – Certified Secure Software Lifecycle Professional
    Die CSSLP-Zertifizierung richtet sich an Softwareentwickler und Sicherheitsexperten, die für sichere Praktiken im gesamten Softwareentwicklungszyklus verantwortlich sind. Sie erfordert mindestens vier Jahre Erfahrung in einem oder mehreren CSSLP-Schwerpunktbereichen.
  • ISSAP – Information Systems Security Architecture Professional
    Die ISSAP-Zertifizierung ist für leitende Sicherheitsarchitekten, Analysten und ähnliche Fachleute konzipiert, die eine Schlüsselrolle in der Informationssicherheit zwischen Management und Umsetzung spielen.
  • ISSEP – Information Systems Security Engineering Professional
    Die ISSEP-Zertifizierung bestätigt die Fähigkeit, technische Prinzipien anzuwenden, um sichere Systeme zu entwickeln und Sicherheit in Projekte, Anwendungen, Geschäftsprozesse und Informationssysteme zu integrieren.
  • ISSMP – Information Systems Security Management Professional
    Die ISSMP-Zertifizierung anerkennt Cybersicherheitsmanagement-Experten, die in der Lage sind, Informationssicherheitsprogramme zu etablieren, zu präsentieren und zu steuern, und dabei starke Führungsqualitäten in Bereichen wie Incident Response und Recovery nachweisen.
    Um sich für die ISSAP-, ISSEP- und ISSMP-Zertifizierungen zu qualifizieren, muss ein Kandidat entweder den CISSP besitzen und über zwei Jahre kumulative Vollzeiterfahrung in einem oder mehreren Prüfungsdomänen verfügen oder mindestens sieben Jahre kumulative Vollzeiterfahrung in zwei oder mehr der relevanten Domänen haben.
  • SSCP – Systems Security Certified Practitioner
    Die SSCP-Zertifizierung richtet sich an technisch orientierte IT-Fachleute wie Administratoren, Manager, Direktoren und Netzwerksicherheitsexperten, die für die operative Sicherheit kritischer Ressourcen verantwortlich sind. Sie erfordert mindestens ein Jahr Berufserfahrung in einem oder mehreren SSCP-Domänen wie Zugriffskontrollen oder Sicherheitsoperationen.

Sicherheitsexperten und Unternehmen können auf ISC2-Zertifizierungen bauen

Unsere Zertifizierungen setzen einen anerkannten Maßstab für Exzellenz in der Cybersicherheit. Sie helfen Personen, ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen zu validieren, um den sich ständig entwickelnden Bedrohungen gerecht zu werden. Sie verbinden strenge Prüfungen mit einem klaren Bekenntnis zum kontinuierlichen Lernen und stellen sicher, dass Wissen aktuell bleibt, während sich Technologien und Risiken verändern.

Für Experten in Deutschland, wo gesetzliche Anforderungen wie die NIS2-Richtlinie und zunehmende Cyberbedrohungen den Druck auf Unternehmen erhöhen, helfen ISC2-Zertifizierungen Fachleuten dabei, ihre Kompetenzen gegenüber potenziellen Arbeitgebern nachzuweisen. Um die Beschäftigungschancen zu fördern, sind unsere Zertifizierungen dem European Cybersecurity Skills Framework (ECSF) von ENISA zugeordnet. Dadurch wird eine klare Verbindung zwischen anerkannten Qualifikationen und den für bestimmte Rollen erforderlichen Kompetenzen geschaffen. Diese Zuordnung hilft Unternehmen, HR-Teams und Personalverantwortlichen, zertifizierte Fachkräfte besser in definierte Stellenprofile einzuordnen und unterstützt so eine effektivere Rekrutierung, Personalplanung und gezielte Weiterbildung.

Der Zugang zum globalen Netzwerk von ISC2-Mitgliedern bietet nicht nur kontinuierliche Weiterbildungsmöglichkeiten und Fachkonferenzen, sondern auch den lebendigen Austausch mit anderen Cybersicherheitsfachleuten weltweit. Dieses Community-Engagement trägt nicht nur zum Wissensaufbau bei, sondern auch zur Etablierung eines wertvollen beruflichen Netzwerks.

Wir bieten mehr als nur Qualifikationen. Wir stellen unseren Mitgliedern eine dauerhafte Plattform für Wachstum und Zusammenarbeit zur Verfügung.

Über den Autor: Casey Marks ist Chief Operating Officer bei ISC2.

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