Auch wenn Microsoft sich zuweilen grobe Schnitzer in Sachen Cyber-Security leistet, so sind die hauseigenen Sicherheitslösungen mittlerweile ausgereift und konkurrenzfähig. Sich im Dschungel der Microsoft-Security-Welt zurechtzufinden, ist für Unternehmen jedoch leichter gesagt als getan.
Auch wenn Microsoft sich immer wieder mit Sicherheitsverstößen auseinandersetzen muss, kann man anerkennen, dass der Software-Konzern aus Redmond mittlerweile ein gutes Security-Ökosystem mit zahlreichen effizienten Lösungen bietet.
(Bild: sdecoret - stock.adobe.com)
Ein gestohlener Master-Key für die Cloud, gefolgt von (vermutlich) russischen Hackern im E-Mail-Netzwerk und schließlich ein Server mit Terabytes an kritischen Daten, der frei zugänglich im Netz steht – die Sicherheitsverantwortlichen bei Microsoft kommen seit Monaten nicht zur Ruhe. Doch trotz der nicht abreißenden Kritik an dem Software-Riesen aus Redmond erzielt Microsoft mittlerweile im Cloud-Markt für Infrastruktur-Services einen Umsatzanteil von beachtlichen 26 Prozent. Wer sich auf der Microsoft-Cloud befindet, nutzt dabei in der Regel auch andere Anwendungen aus dem Microsoft-Ökosystem wie etwa Microsoft Office oder 365.
Fest steht dabei: Wer Microsoft-Infrastruktur und -Dienste nutzt, muss diese auch effektiv schützen. Vor ein paar Jahren noch geschah dies normalerweise mit Produkten von Drittanbietern. Doch mittlerweile bietet Microsoft selbst ausgereifte und konkurrenzfähig Security-Lösungen – die sich naturgemäß reibungsloser mit den genutzten Microsoft-Produkten integrieren lassen als die von Drittanbietern. Hinzu kommt, dass aus einer modernen Firmenkultur Homeoffice-Möglichkeiten nicht wegzudenkenden sind. Gerade eine hybride Unternehmensinfrastruktur, die Mitarbeiter zu Hause, im Büro und auf Reisen über die Cloud verbindet, profitiert von einer Einheit aus Produkten und Sicherheitslösungen. So lässt sich das Sicherheitsniveau selbst komplexer hybrider IT-Infrastrukturen deutlich erhöhen.
Doch die Vielfalt der angebotenen Lösungen und Lizenzpakete von Microsoft erschwert den Unternehmen paradoxerweise die Auswahl. Welche der zahlreichen Security Suites passt zu meiner Infrastruktur und welche Leistungen benötige ich im Alltag? Um zu klären, ob Microsoft Security-Produkte für sie das richtige sind, sollten Verantwortliche sich daher zunächst einen Überblick verschaffen.
Ein Querschnitt der wichtigsten Microsoft-Security-Lösungen
Im Zentrum der Microsoft Security steht die Defender-Familie. Da so gut wie jedes Unternehmen heutzutage auf Microsoft Office zurückgreift, ist speziell die Auseinandersetzung mit dem Microsoft Defender für Office grundsätzlich empfehlenswert. Die enthaltene Mail Security ermöglicht beispielsweise nicht nur die klassische Abwehr von Malware, sondern auch präventive Maßnahmen wie das Sperren von Postfächern bei Verdacht auf Hackerangriffe. Weiterhin bietet Microsoft branchen- und länderspezifische Unterstützung bei Compliance-Themen wie Tisax oder ISO 27001. Ein automatisiertes Archiv kümmert sich etwa darum, dass Daten, die nicht mehr zu einem Zweck benötigt werden, regelmäßig gelöscht werden – zum Beispiel Bewerbungsunterlagen nach sechs Monaten. So lassen sich Datenschutzverstöße vermeiden.
Ein weiteres wichtiges Thema im Bereich der IT-Sicherheit ist das Identity- und Access-Management. Grundsätzlich geht es hier darum, wer welche Daten nutzen darf. Dies lässt sich mit der Microsoft Entra ID (ehemals Azure Active Directory) gut abbilden. Diese Lösung bietet auch nützliche Features wie Just in Time Access. Das bedeutet, dass der administrative Zugriff auf bestimmte Elemente nur temporär ermöglicht wird.
Ebenso übernimmt das Privileged Identity Management (PIM) mit Conditional Access eine zentrale Sicherheitsfunktion. Stellt etwa das System verdächtige oder irreguläre Aktivitäten eines Accounts fest, wird sofort ein Alarm ausgelöst, was bei einer richtigen Konfigurierung den sofortigen Entzug aller Zugriffsrechte zur Folge hat. Einem Angreifer ist es somit nicht möglich, interne Daten abfließen zu lassen. Die Einstellungsmöglichkeiten in PIM sind in diesem Zusammenhang sehr detailliert. Über Microsoft Security lässt sich so eine Zero-Trust-Strategie nahtlos umsetzen.
Ebenfalls im Fokus von Microsoft: Insider Risk Management und IoT-Geräte. Gerade Insider Risk Management sollte nicht vernachlässigt werden, auch wenn dessen Umsetzung in der Praxis komplex ausfällt. Immerhin geht es hier um den Schutz der „Kronjuwelen“ eines Unternehmens. Das System analysiert zu diesem Zweck den User und sein Nutzerverhalten und schlägt bei auffälligem Verhalten sofort Alarm. So kann etwa verhindert werden, dass ein unzufriedener Mitarbeiter plötzlich gigabyteweise Unternehmens-kritische SharePoint-Daten abzieht.
Herausforderungen bei Lizenzierung und Konfiguration
Der Einsatz von Microsoft Security erfordert durch die hohe Anzahl der Produkte, der Lizenzen und der komplexen, vielschichtigen Konfiguration spezielles Fachwissen. Gerade die Defender-Familie wäre hier zu nennen, die mittlerweile zahlreiche Lösungen für verschiedene Einsatzbereiche – von Office über E-Mail bis hin zu Datenbanken – umfasst. Der Software-Riese aus Redmond macht es Unternehmen zudem nicht gerade leichter, da Produkte ständig weiterentwickelt und auch regelmäßig umbenannt werden. So wurde aus Azure Active Directory mittlerweile Microsoft Entra ID. Weiterhin sind die IT-Abteilungen in Unternehmen oftmals mit dem Tagesgeschäft schon mehr als ausgelastet. Als Unterstützung auf diesem schwierigen Weg bietet sich also die Zusammenarbeit mit einem Consulting-Partner an. Dieser hilft bei der Auswahl der Lizenzen und Produkte, übernimmt einen eventuellen Migrationsprozess und hilft bei der Konfiguration und dem Weiterbetrieb des neuen Systems.
Stand: 08.12.2025
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Ausblick: Ist Microsoft Security besser als ihr Ruf?
Auch wenn der Software-Konzern aus Redmond sich immer wieder mit Sicherheitsverstößen und deren Kritik auseinandersetzen muss, kann man nicht umhin festzustellen, dass Microsoft mittlerweile ein gutes Security-Ökosystem mit zahlreichen effizienten Lösungen bietet. Ironischerweise stellt aber gerade diese Vielfalt eine Herausforderung dar: Unternehmen, die sich erstmals mit dem Thema Microsoft Security auseinandersetzen, stehen vor einer unübersichtlichen Vielzahl von Lösungen, Bundles und Lizenzen, die selbst für IT-Experten schwer zu durchschauen sind. Aus diesem Grund sollten sich Unternehmen, wenn sie sich für Microsoft-Security entscheiden, nicht allein an die anspruchsvolle Umsetzung wagen. Ein spezialisierter MSSP (Managed Security Service Provider) unterstützt bei der Auswahl der richtigen Software- und Lizenzpakete und bietet nützliche Zusatzleistungen wie etwa ein SOC (Security Operations Center). Dann klappt auch der langfristige Betrieb reibungslos.
Spannend bleibt es auch weiterhin in der Microsoft-Sicherheitswelt. Hier ist vor allem das Thema KI zu nennen. Um wirklich von Microsoft Security zu profitieren, mussten Unternehmen früher zum Beispiel noch teurere Mehrfachlizenzen wählen. Jetzt reicht eine Einzellizenz, damit der neue Microsoft Copilot das eigene Unternehmen kennenlernt. Langfristig zielt Microsoft so auf noch mehr KI-gestützte Abwehrmechanismen und einfachere Compliance. Trotz berechtigter Kritik gibt es also gute Gründe, die für einen Umstieg auf Microsoft Security sprechen – und sollte Unternehmen daher durchaus eine Überlegung wert sein.
Über den Autor: Thomas Rewwer ist Microsoft Security Consultant bei Indevis.