Die Gefahr für Nationen und deren wichtige Versorgungsorganisationen, Opfer von Cyberattacken zu werden steigt! Cyberkriegs-Anschläge sind spätestens seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine keine Fiktion mehr, sondern eine realistische Möglichkeit. Die NATO hat als Reaktion während ihres Gipfels Ende Juni die Entwicklung eines strategischen Konzepts für mehr Cybersicherheit angekündigt.
Der Beschluss der NATO zu einer dedizierten Strategie für mehr Cybersicherheit ist ein Schritt in die richtige Richtung, meint Dr. Sebastian Schmerl. Nur koordinierte gemeinsame Aktionen können in puncto Cyberschutz zum Erfolg führen.
Der diesjährige NATO-Gipfel in Madrid fand vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und mit besonderem Fokus auf das Thema Cybersicherheit statt. Denn Kriege beschränken sich nicht länger nur auf physische Attacken; virtuelle Kriegsführung gewinnt immer stärker an Bedeutung. Doch nicht nur das aktuelle Kriegsgeschehen ist für die Beschlüsse der NATO relevant. Die Nationen des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses sind auch von weiteren Cyber- und asymmetrischen Bedrohungen, also nicht nur bekannten und herkömmlichen Gefahren, sondern auch unerwarteten Angriffen, betroffen. Dies zeigt u. a. die Berichterstattung zu einer breit angelegten „Spionageoperation, bei der allein in Deutschland mehr als 150 Unternehmen gehackt werden sollten“.
Was bedeutet der NATO-Gipfel-Beschluss zur Cybersicherheit?
Die Maßnahmen zur Sicherstellung des Cyberschutzes lassen sich wie folgt zusammenfassen: Ziel ist es, die Resilienz als Teil der nationalen Verantwortung zu verbessern. Um dies zu erreichen, sollen entsprechende Ziele und Maßnahmen auf nationaler Ebene entwickelte werden. Diese Pläne sollten die Widerstandsfähigkeit gegenüber Cyber- und hybriden Bedrohungen und die Intensivierung der Interoperabilität beinhalten. Politische und militärische Mittel sollen vereint eingesetzt werden. Dazu zählt auch der Ausbau der Partnerschaft mit der Industrie. Und es gilt, nationale Ressourcen für den Aufbau einer Cyber Rapid Response Capability einzusetzen.
Diese Cyber Rapid Response Capability soll die nationalen Kompetenzen und Ressourcen zur Cyberabwehr bündeln. Wie dies genau aussehen soll, ist derzeit nicht ausdefiniert. Allerdings ist die Absicht erkennbar, Sicherheitsmaßnahmen zu standardisieren, wie Sicherheitskontrollen, nachrichtendienstliche Informationsaustausch und die Zusammenarbeit bei forensischen Analysen. Weiterhin sollen die Cyberkampagnen der Nationalstaaten koordiniert werden, um die präventive Cyberabwehr und die Reaktionsfähigkeit im Falle von Cyberangriffen zu optimieren.
Warum ist eine gemeinsame Cyberabwehr-Strategie der NATO-Staaten so wichtig?
Derzeit erzeugen Ransomware-Attacken mit horrenden Lösegeldforderungen empfindlichen wirtschaftlichen Schaden; werden entscheidende nationale Versorgungseinrichtungen angegriffen und Infrastrukturen lahmgelegt, ist dies jedoch – im wahrsten Sinne des Wortes – der Super-GAU. Sind etwa Strom- oder Wasserversorgung großflächig betroffen, werden große Teile des öffentlichen Lebens bedroht: Versorgungsketten brechen, das Geschäftsleben wird lahmgelegt, das Gesundheitswesen einem Stresstest ausgesetzt. All dies führt zu einer allgemeinen Verunsicherung der Bevölkerung und kann letztlich auch Regierungen destabilisieren. Wissenschaftler und Autoren haben bereits Szenarien skizziert, welche Auswirkungen ein plötzlicher Ausfall von Grundversorgung und staatlicher Führung haben kann. Die Wiederherstellung des Status quo ante ist dabei für Staat und Mensch eine Mammutaufgabe, vergleichbar mit dem Wiederaufbau nach einer Naturkatastrophe: mit dem Unterschied, dass diese meist lokal oder regional begrenzt sind, wie nach der Flutkatastrophe im Ahrtal.
Wie hoch ist das Risiko eines Cyberangriffs wirklich?
Der Cyberspace hat sich im 21. Jahrhundert zu einem veritablen Schlachtfeld entwickelt: Die digitale Bedrohung ist aufgrund der digitalen Transformation der vergangenen Jahrzehnte – und nicht zuletzt aufgrund des Digitalisierungsschubs der letzten beiden Jahre – genauso ernst zu nehmen wie physische Attacken. Weil die digitale Angriffsoberfläche immer größer wird, haben Hacker viele Möglichkeiten des Zugriffs. Von Block-Kraftwerken über PV- bis hin zu Kläranlagen – alle diese Infrastruktureinrichtungen sind hochvernetzt und können damit zum Ziel von Cyberattacken werden. Auch der BSI-Bericht zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland bestätigt die kritische Sicherheitssituation. Eine zusätzliche Herausforderung bei Cyberangriffen: Während sich Attacken aus der Luft, über Land oder auf See vielfach zurückverfolgen und rekonstruieren lassen, ist dies im virtuellen Raum nur erschwert oder gar nicht möglich. Eine gemeinsame Strategie und koordinierte Abwehrmaßnahmen sind daher eine unumgängliche Notwendigkeit.
Es ist nicht so, dass bisher keine Ressourcen in den Schutz der kritischen Bereiche der NATO-Staaten und der nationalen Organisationen geflossen sind. Die bisherigen Maßnahmen sind jedoch ausbaufähig: Staaten und Unternehmen, die ihre Infrastrukturen und Systeme sowie kritischen Bereiche schützen möchten, müssen auf viele unterschiedliche Angriffsszenarien vorbereitet sein und für die Sicherheit aller verbundenen Netzwerke, Geräte, Endpunkte, Programme, Daten und Nutzer sorgen. Ein Angreifer benötigt dagegen lediglich eine winzige Schwachstelle, um seinen Angriff erfolgreich durchzuführen.
Stand: 08.12.2025
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Das ist nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Nationalstaaten eine enorme Herausforderung. Besteht aber eine enge Zusammenarbeit zwischen den nationalen Regierungen, der Polizei sowie den jeweiligen Sicherheitskräften und auch der Industrie, ist sowohl der proaktive Schutz als auch die Cyberabwehr um einiges eher zu bewerkstelligen. Denn geteilte Erkenntnisse und Schnelligkeit sind die Schlüssel zur Bekämpfung von Cyberbedrohungen – und jeglicher weiterer Kriegsaktivitäten.
Gut Ding will Weile haben – auch bei der Cyberabwehr
Auch wenn unter erheblichem Ressourceneinsatz bereits Cybersecurity-Grundlagen gelegt wurden, ist der Aufbau der geplanten Cyber Rapid Response Capability inklusive Verfahren, Strukturen und Teams, ein Prozess, der einige Zeit – wahrscheinlich mehrere Jahre – in Anspruch nehmen wird. Im Falle der Ukraine kommt diese Initiative wohl zu spät. Die letzten Monate seit Kriegsbeginn haben die Notwendigkeit für eine gemeinsame digitale Sicherheitsinitiative jedoch noch einmal verdeutlicht. Angriffe gegen Nationalstaaten haben bereits in den letzten Jahren zugenommen, seit Kriegsbeginn hat sich diese Situation jedoch verschärft, vor allem die Energieversorgung ist ständigen Attacken ausgesetzt. Dies ist ein deutliches Warnsignal an die NATO-Verbündeten, den Cyberschutz gemeinsam zu verstärken und Synergien zu nutzen.
Fazit: Umfassender Schutz ist eine gemeinsame Verantwortung
Der Beschluss der NATO zu einer dedizierten Strategie für mehr Cybersicherheit ist ein Schritt in die richtige Richtung. Nur koordinierte gemeinsame Aktionen können in puncto Cyberschutz zum Erfolg führen. Die Notwendigkeit für diese gemeinsamen Aufgaben ist angesichts der Folgen erfolgreicher Attacken klar ersichtlich. Einen einhundertprozentigen Schutz gegen Angriffe gibt es jedoch nicht. Allerdings kann die Wahrscheinlichkeit, dass diese erfolgreich durchgeführt werden, durch eine organisierte Zusammenarbeit erheblich reduziert werden. Geteilte Informationen, Aktivitäten und gegenseitige Unterstützung in Sachen IT- und Cyberabwehr-Kompetenz sowie in anderen Bereichen ist der Schlüssel für ein harmonisches Miteinander, unversehrte Infrastrukturen und den reibungslosen Fortbestand der Nationen. Aber letztlich muss jedes Land, jedes Unternehmen, jede Organisation und jede Behörde sich um einen adäquaten Cyberschutz bemühen, denn die NATO-Initiative wird hauptsächlich Richtlinien für eine Zusammenarbeit setzen. Das konkrete Doing bleibt jedem selbst überlassen.
Über den Autor: Dr. Sebastian Schmerl ist Director Security Services EMEA bei Arctic Wolf. Er bringt mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich Cybersecurity mit sowie in der Bereitstellung von Cyber Defense Services und dem Aufbau von Enterprise Security Operations Center (SOC) für Unternehmen wie Daimler, Volkswagen, Bosch, Datev und Bayer. Sebastian Schmerl ist ständiges Mitglied in der „EU/ENISA - Working Group on Security Operation Centres“ zur Angleichung der Cyber-Protection für die EU-Region sowie stellvertretender Vorstandssprecher der Fachgruppe SIDAR der Deutschen Gesellschaft für Informatik.