Definition Least-Privilege-Prinzip Was ist das Prinzip der geringsten Rechte?

Von Dipl.-Ing. (FH) Stefan Luber 5 min Lesedauer

Das Prinzip der geringsten Rechte ist ein Sicherheitsansatz, bei dem Benutzer und Anwendungen nur genau die Rechte für den Zugriff auf Ressourcen oder Daten erhalten, die für die Erfüllung ihrer Aufgaben unbedingt notwendig sind. Die Vergabe minimaler Berechtigungen senkt das Risiko für unbefugte Zugriffe.

Das Prinzip der geringsten Rechte (Least-Privilege-Prinzip) ist ein Grundpfeiler des Zero-Trust-Konzepts.(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
Das Prinzip der geringsten Rechte (Least-Privilege-Prinzip) ist ein Grundpfeiler des Zero-Trust-Konzepts.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Die englische Bezeichnung für das Prinzip der geringsten Rechte lautet Principle of Least Privilege, abgekürzt PoLP. Manchmal werden auch die Bezeichnungen Prinzip der minimalen Privilegien (Principle of Minimal Privilege - PoMP) oder Prinzip der geringsten Autorität (Principle of Least Authority - PoLA) verwendet.

Beim Least-Privilege-Prinzip handelt es sich um einen Sicherheitsansatz und ein Sicherheitskonzept aus dem Bereich der Informationssicherheit. Das Least-Privilege-Prinzip besagt, dass Benutzer, Anwendungen, Prozesse, Geräte oder Services immer nur genau die Rechte für den Zugriff auf Ressourcen oder Daten erhalten, die für die Ausführung ihrer Tätigkeit oder die Erfüllung ihrer Funktionen unbedingt notwendig sind. Darüber hinausgehende Rechte werden ihnen nicht zugesprochen. Dieses Prinzip der Vergabe von Berechtigungen verhindert, dass unbefugt auf Ressourcen oder Daten zugegriffen werden kann.

Typische durch das Least-Privilege-Prinzip geschützte Ressourcen sind beispielsweise Netzwerke, Host-Systeme, Anwendungen, Services, Cloud-Dienste, Datenbanken und Daten. Die Anwendung des Prinzips senkt das Risiko für Sicherheitsverletzungen und für die Kompromittierung von Daten. Darüber hinaus verhindert PoLP überprivilegierte Benutzer und die unerwünschte Anhäufung von Rechten.

Das Prinzip der geringsten Rechte ist ein im IT-Umfeld bewährtes und bei der Verwaltung von Zugriffsrechten in Unternehmen oft angewandtes Konzept. Zudem ist es ein wichtiges Element des Zero-Trust-Konzepts. Viele Sicherheitsframeworks, rechtliche Vorgaben oder Compliance-Richtlinien wie die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), der Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA), der Sarbanes-Oxley Act (SOX) oder der Payment Card Industry Data Security Standard (PCI-DSS) setzen für ihre Erfüllung die Einhaltung des Prinzips der geringsten Rechte voraus.

Ziele des Least-Privilege-Prinzips

Wichtigstes Ziel des Least-Privilege-Prinzips ist es, die Informations- und Cybersicherheit zu verbessern. Damit ist das Least-Privilege-Prinzip ein wesentlicher Aspekt der IT-Sicherheit und des Aufbaus einer starken Cyber-Resilienz. Das Least-Privilege-Prinzip soll das Risiko für Sicherheitsverletzungen oder Opfer von Cyberangriffen zu werden reduzieren. Darüber hinaus verfolgt das Prinzip der geringsten Rechte das Ziel, die negativen Auswirkungen und potenziellen Schäden für ein Unternehmen bei einem erfolgten Identitätsdiebstahl, einer aufgetretenen Datenschutzverletzung oder einem Cybervorfall zu minimieren. Das Least-Privilege-Prinzip soll die potenzielle Angriffsfläche verkleinern. Auch potenzielle Bedrohungsakteure sollen in ihren Möglichkeiten eingeschränkt werden. Angreifer erhalten durch das Prinzip der geringsten Rechte weniger Möglichkeiten, sich in einem System oder Netzwerk weiter auszubreiten und Schaden zu verursachen.

Das Prinzip der geringsten Rechte als wichtiger Grundpfeiler des Zero-Trust-Konzepts

PoLP ist ein wichtiger Grundpfeiler und ein unverzichtbares Sicherheitselement des Zero-Trust-Konzepts. Das Sicherheitskonzept Zero Trust verfolgt den Grundsatz, dass prinzipiell jedem Benutzer, Prozess, Service oder Gerät und jeder Anwendung misstraut wird und das unabhängig davon, ob diese sich innerhalb oder außerhalb des eigenen Netzwerks befinden. In vielen herkömmlichen Sicherheitskonzepten werden lediglich externe Zugriffsversuche und Datenverkehre als gefährlich eingestuft. Benutzern, Anwendungen oder Geräten aus internen Netzen wird in diesen Konzepten grundsätzlich vertraut. Für das Zero-Trust-Konzept hingegen stellt jeder, der auf IT-Ressourcen zugreifen möchte, zunächst grundsätzlich eine Gefährdung dar. Daher sind die Entitäten und sämtliche ihrer Aktivitäten, Zugriffsversuche und Datenverkehre zu prüfen. Um Zugriff auf Ressourcen oder Daten zu erhalten, ist eine erfolgreiche Authentifizierung die Grundvoraussetzung. Die Authentifizierung findet für jeden Verbindungs- oder Zugriffsversuch und für jede Ressource neu statt und muss auch bei bestehenden Verbindungen immer wieder erneut durchgeführt werden. Mit dem Zero-Trust-Sicherheitskonzept lässt sich das Risiko für externe und für interne Bedrohungen senken.

Das Zero-Trust-Konzept basiert auf verschiedenen Kernelementen und technischen Lösungen. Neben dem Least-Privilege-Prinzip sind das die Verschlüsselung von Daten auf Netzwerk- und Anwendungsebene, die Überwachung und Analyse sämtlicher Datenverkehre, die Blockierung von Netzwerkverkehr ohne explizite Berechtigung, die sichere, wiederkehrende Authentifizierung der Entitäten inklusive der Validierung ihrer Berechtigungen und das Logging sämtlicher Aktivitäten.

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Die Implementierung des Prinzips der geringsten Rechte

Die Implementierung und Umsetzung des Prinzips der geringsten Rechte erfordert mehrere Schritte mit verschiedenen technischen und organisatorischen Maßnahmen. Zunächst müssen die aktuellen Berechtigungen aller Benutzer, Anwendungen, Prozesse, Geräte und Services in einer Art Audit erfasst und geprüft werden. Auf Basis der Ergebnisse dieses Prozesses lassen sich die tatsächlich erforderlichen minimalen Rechte bestimmen. Im nächsten Schritt werden entsprechende Rollen definiert, Zugriffsrichtlinien erstellt und den verschiedenen Rollen die beschränkten Berechtigungen zugewiesen. Alle Konten starten prinzipiell mit minimalen Rechten. Zusätzlich benötigte Rechte müssen explizit zugewiesen werden. Voraussetzungen hierfür sind rollenbasierte Zugriffskontrollsysteme (RBAC) und Tools zur Identitäts- und Zugriffsverwaltung (IAM-Tools), mit denen sich Identitäten und Zugriffsrechte rollenbasiert verwalten und die erteilten Rechte durchsetzen lassen. Benutzer oder Konten mit besonderen administrativen Rechten werden grundsätzlich von Standardbenutzern und Standardkonten getrennt. Die Berücksichtigung des Parameters Zeit erlaubt es, bestimmte Rechte nur für einen definierten Zeitraum zu gewähren. Außerhalb dieses Zeitraums fallen die Zugriffsrechte wieder auf die Minimalrechte zurück.

Die Einhaltung des Prinzips der geringsten Rechte wird über eine kontinuierliche Zugriffsüberwachung und -protokollierung und die regelmäßige Prüfung der erteilten Rechte und Privilegien sichergestellt. Bei Bedarf werden die Zugriffsrichtlinien und Rollen mit ihren zugewiesenen Rechten überarbeitet und angepasst. Das konsequente Entfernen nicht mehr benötigter Rechte verhindert überprivilegierte Benutzer und das Anhäufen oder das Erschleichen von Rechten.

Vorteile durch das Prinzip der geringsten Rechte

Die Implementierung und Durchsetzung des Least-Privilege-Prinzips bietet einem Unternehmen zahlreiche Vorteile. Zu diesen Vorteilen zählen:

  • reduziertes Risiko für unbefugte Zugriffe auf IT-Ressourcen und Daten
  • reduziertes Risiko für Datenschutzverletzungen
  • reduziertes Risiko für die Kompromittierung sensibler Daten
  • reduzierte Angriffsfläche einer Organisation und ihrer IT-Infrastruktur
  • Einschränkung der negativen Auswirkungen und potenziellen Schäden bei Identitätsdiebstahl
  • reduziertes Risiko für Insider-Bedrohungen
  • verbesserte Informations- und Cybersicherheit
  • Einschränkung der Möglichkeiten von Cyberkriminellen und Verhinderung der Infiltrierung weiterer Systeme und Netzwerke (vertikale Angriffe und laterale Bewegung)
  • Einschränkung oder Unterbindung der Ausbreitung von Schadsoftware wie Ransomware
  • einfachere Einhaltung von rechtlichen Vorgaben und Compliance-Richtlinien
  • Einschränkung des Risikos für gravierende negative Auswirkungen bei Arbeitsfehlern
  • höhere Leistung und Stabilität der Systeme
  • leichteres Erkennen und Nachverfolgen von unberechtigten Zugriffen oder Verletzungen der Informationssicherheit
  • Verhinderung von unkontrollierter Rechteanhäufung und Erschleichen von Rechten
  • reduzierter Aufwand in der Benutzerverwaltung und beim IT-Helpdesk durch klare Rollen- und Rechtevorgaben
  • Möglichkeit von temporären Berechtigungen oder temporären Rechteausweitungen
  • höhere Produktivität der Benutzer

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