Definition Datenschutzverletzung

Was ist eine Datenschutzverletzung?

| Autor / Redakteur: Oliver Schonschek / Peter Schmitz

Was genau versteht man eigentlich unter einer Datenschutzverletzung? Das richtige Verständnis ist wichtig für die Prävention von Datenverlusten jeder Art.
Was genau versteht man eigentlich unter einer Datenschutzverletzung? Das richtige Verständnis ist wichtig für die Prävention von Datenverlusten jeder Art. (Bild: Pixabay / CC0)

Datendiebstahl, Datenklau, Datenmanipulation, Verschlüsselung von Daten durch Ransomware oder Datenverlust, alle diese Vorfälle werden datenschutzrechtlich als Datenschutzverletzung eingestuft. Meldungen über Datenschutzverletzungen häufen sich und viele Studien untersuchen die Konsequenzen eines Datenverlusts. Doch was genau versteht man eigentlich unter einer Datenschutzverletzung?

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) definiert eine Datenschutzverletzung so: Die „Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten“ ist eine Verletzung der Sicherheit, die, ob unbeabsichtigt oder unrechtmäßig, zur Vernichtung, zum Verlust, zur Veränderung, oder zur unbefugten Offenlegung von beziehungsweise zum unbefugten Zugang zu personenbezogenen Daten führt, die übermittelt, gespeichert oder auf sonstige Weise verarbeitet wurden.“

Im Gegensatz zu den IT-Sicherheitsvorfällen geht es bei Datenschutzverletzungen offensichtlich immer um Vorfälle, die Daten betreffen. Was genau den Vorfall oder die Panne ausmacht, ist dagegen nicht ersichtlich. Deshalb besteht die Gefahr, dass der Begriff Datenschutzverletzung falsch oder zumindest ungenau interpretiert wird. Ist aber der Begriff Datenschutzverletzung zu schwammig, können die Maßnahmen zur Vermeidung von Datenschutzverletzungen nicht zielsicher genug formuliert und umgesetzt werden. Mehr Klarheit über das Wesen einer Datenschutzverletzung ist deshalb wichtig.

Anstatt von einer Datenschutzverletzung zu sprechen, benutzt das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) von „unrechtmäßiger Kenntniserlangung von Daten“. Unter den klassischen Schutzzielen ist somit die Vertraulichkeit betroffen, nicht aber notwendigerweise die Integrität oder die Verfügbarkeit von Daten. Die DSGVO jedoch hat ein weiteres Verständnis von dem, was als „Datenschutzverletzung“ bezeichnet werden könnte.

In den Erwägungsgründen, die zur DSGVO gehören, findet man die Aussage: „Es sollte festgestellt werden, ob alle geeigneten technischen Schutz- sowie organisatorischen Maßnahmen getroffen wurden, um sofort feststellen zu können, ob eine Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten aufgetreten ist.“ Fehlt also insbesondere eine der geforderten Maßnahmen für die Sicherheit der Verarbeitung (nach Artikel 32 DSGVO), kann von einer Verletzung des Schutzes personenbezogener Daten und damit von einer Datenschutzverletzung ausgegangen werden. Eine Datenschutzverletzung liegt auch dann vor, wenn die Integrität und Verfügbarkeit der Daten betroffen ist, und auch dann, wenn die Belastbarkeit der Systeme und Dienste im Zusammenhang mit der Verarbeitung nicht gewährleistet ist.

Bedeutung und Empfehlung für Unternehmen

Die Bedeutung von Datenschutzverletzungen wird in Studien meist durch die Angabe eines finanziellen Schadens unterstrichen: Der Verlust oder Diebstahl von kritischen Daten kostet Unternehmen weltweit Millionen. Ein einziger Vorfall schlägt im Schnitt mit bis zu vier Millionen US-Dollar zu, so die Studie „2016 Cost of Data Breach Study“ des Ponemon-Instituts. Ebenso wird auf die große Zahl betroffener Daten hingewiesen: Mehr als eine halbe Milliarde Datensätze mit persönlichen Informationen wurden laut dem 2016 Internet Security Threat Report gestohlen oder gingen verloren. Mehr Unternehmen als je zuvor melden nicht das ganze Ausmaß ihrer Datenschutzverletzungen.

n den offiziellen Erläuterungen zur DSGVO findet man weitere Folgen von Datenschutzverletzungen für Betroffene, die sich Unternehmen vor Augen führen sollten, wenn es um den Aufwand für den Datenschutz geht: Verlust der Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten oder Einschränkung ihrer Rechte, Diskriminierung, Identitätsdiebstahl oder -betrug, finanzielle Verluste, unbefugte Aufhebung der Pseudonymisierung, Rufschädigung, Verlust der Vertraulichkeit von dem Berufsgeheimnis unterliegenden Daten oder andere erhebliche wirtschaftliche oder gesellschaftliche Nachteile für die betroffene natürliche Person. Wie vielfältig Datenschutzverletzungen sind und wie konkrete Beispiele aussehen, sieht man unter anderem in den Tätigkeitsberichten der Aufsichtsbehörden für den Datenschutz (ZAfTDa) oder in der Übersicht des Projektes Datenschutz.

Unternehmen sollten die umfassende Bedeutung von Datenschutzverletzungen und die Bandbreite der möglichen Folgen in den Blick nehmen, um die Maßnahmen zur Vermeidung von Datenschutzverletzungen richtig zu wählen und zu priorisieren.

Für die Unternehmen selbst bleibt festzuhalten, dass es mit der DSGVO verschärfte Meldepflichten für Datenschutzverletzungen und deutlich höhere Sanktionen gibt. Ebenso zeigen Umfragen, dass Kunden es durchaus übel nehmen, wenn es zu einer Datenschutzverletzung kommt. Deshalb sollten Unternehmen Datenschutzverletzungen nicht schwammig sehen, sondern ein klares Konzept zur Prävention haben.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Aktuelle Beiträge zu diesem Thema

Das Netzwerk steht bei IoT- Sicherheit in der Pflicht

Firewall, Virenscanner & Co. sind nicht genug

Das Netzwerk steht bei IoT- Sicherheit in der Pflicht

Immer mehr Unternehmen setzen IoT-fähige Geräte ein. Im Digitalisierungsrausch vergessen sie dabei häufig die Sicherheit. Sensoren und IoT-Anwendungen selbst können diese nicht gewährleisten. Das einzige, was derzeit hilft: ein widerstandsfähiges, schützendes Netzwerk. lesen

Was Industrieunternehmen für die DSGVO noch tun müssen

Datenschutz-Grundverordnung im Mittelstand

Was Industrieunternehmen für die DSGVO noch tun müssen

Kein Unternehmen sollte glauben, von der Datenschutz-Grundverordnung höchstens am Rande betroffen zu sein. Auch die Industriebranchen verarbeiten personenbezogene Daten in großem Umfang. Dabei geht es nicht nur um die Daten der Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter, es geht auch um die Maschinendaten, die durchaus einen Personenbezug haben können, wie ein Blick in die DSGVO zeigt. lesen

USB-Speicher im Unternehmenseinsatz

USB-Device-Management

USB-Speicher im Unternehmenseinsatz

USB-Sticks – Von Anwendern geliebt, von Administratoren und IT-Verantwortlichen aufgrund der Sicherheitsrisiken jedoch oft gehasst: USB-Speicher sind aus dem beruflichen Alltag nicht mehr wegzudenken. Ein zentrales USB-Device-Management kann für die notwendige Kontrolle sorgen. lesen

IoT-Systeme von Anfang an gegen Angriffe absichern

Security by Design für das Internet der Dinge

IoT-Systeme von Anfang an gegen Angriffe absichern

Heizungen, Türschlösser, Alarmanlagen, Fernseher, Rasenmäher oder Autos: Immer mehr Geräte und Anlagen sind mit dem Internet verbunden. Unternehmen, die Security-Anforderungen von IoT-Geräten bereits bei der Konzeption berücksichtigen, sparen teure Nachrüstungen und vermeiden Haftungsprobleme. lesen

Digitalisierung, Endpoint-Security und das IoT

Das IT-Security-Fazit für 2017

Digitalisierung, Endpoint-Security und das IoT

Die Bedrohungen in der digitalen Welt sind vielfältig und steigen von Tag zu Tag. Unternehmen und private Anwender müssen Sicherheitsvorkehrungen treffen, um sich gegen Cyberkriminalität zu schützen. Neben Virenscannern und Firewalls sind Angriffserkennungssysteme unabdingbar. lesen

Meldepflichten gibt es nicht nur bei der DSGVO

Meldepflichten bei IT-Sicherheitsvorfällen

Meldepflichten gibt es nicht nur bei der DSGVO

Viele Unternehmen haben bisher Schwierigkeiten damit, die verschärften Meldepflichten nach Datenschutz-Grundverordnung umzusetzen. Große Probleme bereitet Vielen dabei, dass die Meldung der Datenpanne innerhalb von 72 Stunden bei der zuständigen Aufsichtsbehörde erfolgen soll. Dabei sind dies nicht die einzigen Meldepflichten, mit denen sich Unternehmen beschäftigen müssen. lesen

Das passiert (wahrscheinlich) 2018 bei Datenschutz und Datensicherheit!

Security-Prognosen 2018

Das passiert (wahrscheinlich) 2018 bei Datenschutz und Datensicherheit!

2017 war das Jahr der großen Ransomware-Angriffswellen, von Datendiebstählen und national betriebener Cyberspionage. Welche Systeme geraten 2018 ins Visier von Hackern und wo muss Bewegung in die Security-Technologien und Datenschutzdebatten kommen? Eine Prognose zehn möglicher Angriffsszenarien und Handlungsfelder. lesen

Digitalisierung als Sicherheitsrisiko

Digitalisierung und IT-Sicherheit, Teil 1

Digitalisierung als Sicherheitsrisiko

IT-Sicherheit ist zwingende Voraussetzung für die Digitalisierung der Wirtschaft. Teil 1 der dreiteiligen Serie behandelt die Sicherheitsrisiken auf dem Weg zur Digitalisierung und die Frage, ob die Digitalisierung selbst ein Risiko für die IT-Sicherheit ist. lesen

Die spektakulärsten Online-Verbrechen des Jahres 2017

Die spektakulärsten Online-Verbrechen des Jahres 2017

Potpourri des Grauens: Ein Rückblick auf das Jahr 2017 offenbart die enorme Bandbreite der Online-Verbrechen und IT-Sicherheitslücken. Und er zeigt, warum in einer immer enger vernetzten Welt IT-Sicherheit zum bestimmenden Faktor wird. lesen

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44428722 / Definitionen)