Die steigende Nutzung von Collaboration-Tools in hybriden Arbeitsumgebungen verändert weiter die Bedrohungslandschaft in Unternehmen. Angreifer professionalisieren zudem mit Hilfe neuer KI-Technologien ihre Methoden. Im Zentrum unternehmensweiter Abwehrstrategien stehen vor allem die attackierten Nutzer, von deren Informationsstand und Sorgfalt viel abhängt. Ein professionelles Human Risk Management wird deshalb immer mehr zum Herzstück der Cyberabwehr.
Die Idee eines gezielten und professionellen Human Risk Management beginnt in Deutschland und Europa gerade erst, sich durchzusetzen. Auch, weil sie im datenschutzaffinen Europa häufig missverstanden wird.
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Das vergangene Jahr war für IT-Sicherheitsexperten kein einfaches. Vor dem Hintergrund multipler geopolitischer Verwerfungen stieg nicht nur die Zahl der versuchten und erfolgreichen Cyberangriffe, sondern auch ihre Qualität. Immer öfter stehen Attacken im Zusammenhang mit Konflikten und sind staatliche Akteure involviert. Laut Angaben des Branchenverbandes Bitkom beläuft sich der Gesamtschaden allein für deutsche Unternehmen für 2023 auf 206 Milliarden Euro. In derselben repräsentativen Umfrage mit 1.002 befragten Unternehmen erwartete eine Mehrheit für 2024 eine weitere Zunahme.
Auf der technischen Ebene kam der Durchbruch von generativer KI und auf ihr basierenden Technologien wie Deep Fakes dazu. Sie erleichtern kriminellen Akteuren die „Arbeit“, indem sie etwa helfen, Phishing-Seiten glaubwürdiger aussehen zu lassen oder arglosen Nutzern bei so genannten Social Engineering-Attacken, die mit steigender Tendenz über Collaboration Tools wie Teams, Slack oder Google erfolgen, ein vertrauenswürdiges Gegenüber vorzugaukeln.
Lückenhafte Cybersecurity-Kompetenz als größte Herausforderung
Mimecasts State of Email and Collaboration Security-Report (SOECS) für 2024 basiert auf einer Umfrage unter 1.100 Experten aus den Bereichen IT und Cybersicherheit aus den USA, dem Vereinigten Königreich, Frankreich, Deutschland, Südafrika und Australien. Von den deutschen Befragten verzeichneten 30 Prozent im Lauf des Jahres 2023 einen Anstieg von E-Mail-basierten Bedrohungen, 24 Prozent bei Angriffen, die Collaboration Tools als Einfallstor nutzten.
Als größte Sicherheits-Herausforderung für das Jahr 2024 identifizierte mehr als die Hälfte der Experten (51 Prozent) „mangelnde Sensibilisierung der Mitarbeiter für Bedrohungen und fehlende Schulungen zu deren Bekämpfung“, auf Platz 2 der als am gravierendsten empfundenen Schwierigkeiten landeten „Fehler und menschliches Versagen im Umgang mit E-Mail-Bedrohungen durch Mitarbeiter“.
Der Faktor Mensch
Damit bestätigten die Befragten auch hierzulande einen globalen Trend: Der Faktor Human Risk wird immer wichtiger. Da E-Mails und Collaboration Tools die wichtigsten Einfallstore darstellen, sind Belegschaften die vorderste und wichtigste Verteidigungslinie gegen Angreifer und benötigen Schulung und Schutz, wobei Mitarbeiter je nach Funktion im Unternehmen besonders gefährdet sein können. Dafür spricht auch, dass ganze 86 Prozent der Teilnehmer aus deutschen Unternehmen – und damit immerhin 11 Prozent mehr als im internationalen Durchschnitt – angaben, dass ihr Unternehmen dem Risiko eines unbeabsichtigten Datenverlusts durch uninformierte oder nachlässige Mitarbeiter ausgesetzt sei.
Im offensichtlichen Widerspruch dazu bieten jedoch gerade einmal 8 Prozent ihren Mitarbeitern kontinuierlich entsprechende Trainings an. So verbreitet innerhalb von IT-Teams die Erkenntnis ist, dass die Informiertheit von Belegschaften das Herzstück der Cyberabwehr ist, so gering ausgeprägt scheint bislang der Wille von Geschäftsleitungen, in entsprechende Kompetenzentwicklung zu investieren.
Deutsche Unternehmen geben prozentual am meisten für IT-Sicherheit aus
Dabei lassen sich die Unternehmen ihre Cyberabwehr durchaus etwas kosten: Mit 53,1 Prozent geben deutsche Unternehmen prozentual den größten Anteil ihres gesamten verfügbaren IT-Budgets für Cybersecurity aus. Sie scheinen dabei jedoch stark auf technische Lösungen und Tools zu setzen. Ein Drittel der Befragten gibt an, dass die beliebte Microsoft 365-Plattform die häufigsten Angriffsarten wie Malware-, Phishing- und Social Engineering-Attacken nicht ohne zusätzliche Sicherheitstools aufhalten kann. 97 Prozent schätzen die Sicherheit ihres Unternehmens im Bereich technologischer Vorkehrungen als vollständig oder überwiegend effektiv ein.
Das Risiko, das von Collaboration Tools wie Google Workspace, Slack, Zoom, Microsoft Teams ausgeht, schätzten in Deutschland 41 Prozent der Befragten als hoch oder sehr hoch ein. Damit stehen deutsche Sicherheitsverantwortliche den Plattformen signifikant skeptischer gegenüber als ihre Kollegen in Frankreich (31 Prozent) oder dem Vereinigten Königreich (25 Prozent).
Fazit: Nachholbedarf im Bereich Risikobewusstsein und -abwehr
Die Idee eines gezielten und professionellen Human Risk Management beginnt in Deutschland und Europa gerade erst, sich durchzusetzen. Auch, weil sie im datenschutzaffinen Europa häufig missverstanden wird. Denn es geht dabei nicht um das Ausspionieren von Mitarbeitern und das Anprangern von Fehlern, sondern darum, gerade Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Funktion im Unternehmen besonders gefährdet sind, zur Zielscheibe von Angreifern zu werden, zu schützen.
Stand: 08.12.2025
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David Raissipour, Mimecasts Chief Technology and Product Officer, formulierte es so: „Für die Cybersicherheit eines Unternehmens sind Menschen zwar die größte Schwachstelle, aber mit den richtigen Werkzeugen und entsprechender Schulung auch die stärkste Verteidigungslinie. Um das Bewusstsein für Cyberrisiken zu schärfen, müssen wir menschliches Verhalten im Kontext einer immer komplexeren Umgebung verstehen.“
Über den Autor: Frank Sammüller ist Sales Director DACH Mimecast.