Teil der russischen Strategie Hacker nehmen Rüstungslieferanten der Ukraine ins Visier

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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Bei einer aktuellen Cyberspionage-Operation nutzten Cyberkriminelle der russischen Gruppe Fancy Bear Schwachstellen in verbreiteter Webmail-Software aus. Die Hacker sind dafür bekannt, sich gegen Unternehmen und Regionen zu wenden, die die Ukraine unterstützen.

Die russische Hackergruppe Fancy Bear agiert auch unter den Namen APT 28, Sofacy, Strontium, Sednit, Zarenteam und Pawn Storm.(Bild:  BillionPhotos.com - stock.adobe.com)
Die russische Hackergruppe Fancy Bear agiert auch unter den Namen APT 28, Sofacy, Strontium, Sednit, Zarenteam und Pawn Storm.
(Bild: BillionPhotos.com - stock.adobe.com)

Die berüchtigte russische Hackergruppe Fancy Bear hat gezielt Rüstungsfirmen angegriffen, die Waffen an die Ukraine liefern. Das geht aus einer aktuellen Studie des slowakischen Sicherheitsunternehmens Eset aus Bratislava hervor. Danach richteten sich die Angriffe vor allem gegen Hersteller sowjetischer Waffentechnik in Bulgarien, Rumänien und der Ukraine, die eine Schlüsselrolle beim Abwehrkampf gegen den Überfall Russlands spielen. Betroffen waren aber auch Rüstungsbetriebe in Afrika und Südamerika.

Die Hackergruppe Fancy Bear ist auch unter dem Namen Sednit oder APT28 bekannt. Sie soll auch für die Angriffe auf den Deutschen Bundestag (2015), die US-Politikerin Hillary Clinton (2016) und die Parteizentrale der SPD (2023) verantwortlich gewesen sein. Die Gruppe ist nach Ansicht von Experten Teil einer größeren Strategie russischer Geheimdienste, Cyberangriffe als Mittel der politischen Einflussnahme und Destabilisierung einzusetzen. Neben Spionage stehen dabei auch gezielte Desinformationskampagnen im Fokus, die sich gegen westliche Demokratien richten.

Angriff über manipulierte Webmail-Systeme

Bei der aktuellen Spionagekampagne mit dem Namen „Operation RoundPress“ nutzten die Hacker Schwachstellen in verbreiteter Webmail-Software aus, darunter die Programme Roundcube, Zimbra, Horde und MDaemon. Etliche Schwachstellen hätten durch eine gute Software-Wartung beseitigt werden können. In einem Fall waren die betroffenen Firmen aber quasi machtlos, weil die Angreifer eine bis dahin unbekannte Sicherheitslücke in MDaemon ausnutzen konnten, die zunächst nicht geschlossen werden konnte.

Nach den Erkenntnissen der Eset-Forscher wurden die Angriffe in der Regel mit manipulierten E-Mails gestartet, die sich als Nachrichtenmeldungen tarnen. Als Absender dienen scheinbar seriöse Quellen wie die Kyiv Post oder das bulgarische Nachrichtenportal News.bg. Sobald die E-Mail im Browser geöffnet wird, startet ein versteckter Schadcode. Spamfilter werden dabei erfolgreich umgangen.

Zwei-Faktor-Schutz umgangen

Die Experten aus Bratislava konnten bei der Analyse der Angriffe die Schadsoftware „SpyPress.MDAEMON“ identifizieren. Das Hackerprogramm sei nicht nur in der Lage, Zugangsdaten auszulesen und E-Mails mitzuverfolgen. Es könne sogar die Zwei-Faktor-Authentifizierung aushebeln. Die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) ist eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme beim Einloggen in Online-Konten oder beim Zugriff auf sensible Daten. Sie sorgt dafür, dass nicht nur ein Passwort ausreicht, um Zugang zu bekommen, sondern noch ein zweiter Nachweis verlangt wird. Den Hackern von Fancy Bear sei es jedoch in mehreren Fällen gelungen, den 2FA-Schutz zu umgehen und mit sogenannten Anwendungspasswörtern dauerhaft auf Postfächer zuzugreifen.

„Viele Firmen betreiben veraltete Webmail-Server“, sagte Eset-Forscher Matthieu Faou. „Schon das bloße Anzeigen einer E-Mail im Browser kann ausreichen, um Schadcode auszuführen, ohne dass der Empfänger aktiv etwas anklickt.“

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