Sicherheit mit Siegel Wie Zertifizierungen Unternehmen vor Cyberangriffen schützen

Ein Gastbeitrag von Ingo Unger 5 min Lesedauer

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Cyberangriffe entwickeln sich nicht nur exponentiell schneller, sondern auch mit chirurgischer Präzision. Die rasante Zunahme KI-gestützter Cyberangriffe zwingt Unternehmen zur Umsetzung klarer Sicherheits­standards. Internationale Zertifizierungen wie ISO 27001 oder ENX VCS helfen dabei, Bedrohungen vorzubeugen, Compliance-An­for­de­rung­en zu erfüllen, IT-Prozesse zu optimieren und gleichzeitig Kundenvertrauen sowie Wettbewerbsvorteile langfristig zu sichern.

Cybersecurity-Zertifizierungen wie ISO 27001 und branchenspezifische Standards bieten Unternehmen einen systematischen Ansatz zur Abwehr KI-gestützter Cyberangriffe, erfüllen regulatorische Anforderungen und stärken langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.(Bild: ©  Olivier Le Moal - stock.adobe.com)
Cybersecurity-Zertifizierungen wie ISO 27001 und branchenspezifische Standards bieten Unternehmen einen systematischen Ansatz zur Abwehr KI-gestützter Cyberangriffe, erfüllen regulatorische Anforderungen und stärken langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit.
(Bild: © Olivier Le Moal - stock.adobe.com)

Die jüngste Bitkom-Studie offenbart ein alarmierendes Bild: Demzufolge verschärft der Einsatz von Künstlicher Intelligenz die Bedrohungslage für die Wirtschaft weiter. 83 Prozent der Befragten gaben an, dass KI die Gefährdung erhöht, und 70 Prozent waren der Meinung, dass KI Cyberangriffe erleichtert. Die größten Herausforderungen wurden genannt: steigende Zahl von Angriffen, veraltete IT-Infrastruktur und mangelnde Vorbereitung auf Cyberangriffe. Da scheint es wenig überraschend, dass 64 Prozent der befragten Unternehmen sich an Normen und Standards wie DIN-ISO 27001 oder dem IT-Grundschutz des BSI orientieren oder diese sogar vollständig erfüllen. Doch der Markt für Auditierungen und Zertifizierungen ist vielschichtig, und um dessen Funktionsweise zu verstehen, ist es essenziell, die einzelnen Akteure und Prozesse zu kennen. Ein grundlegender Aspekt ist die strikte Trennung von Beratung und Zertifizierung. Während Beratungsunternehmen Organisationen bei der Implementierung von Sicherheitsmaßnahmen unterstützen, sind Zertifizierungsstellen dafür zuständig, die Einhaltung der entsprechenden Standards unabhängig zu überprüfen. Diese Trennung stellt sicher, dass Zertifizierungen objektiv und vertrauenswürdig bleiben.

Internationale Standards als Qualitätssiegel

Die wichtigsten Standards, wie beispielsweise die ISO/IEC 27001 für Informationssicherheits-Managementsysteme, entstehen durch internationale Normungsorganisationen. Diese Standards definieren Rahmenwerke, die Unternehmen dabei helfen, ihre Cybersecurity-Prozesse systematisch und strukturiert umzusetzen. Akkreditierungsbehörden wie die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) oder das United Kingdom Accreditation Service (UKAS) überwachen und autorisieren Zertifizierungsstellen. Auditierungsdienstleister führen schließlich die eigentlichen Prüfungen durch, um sicherzustellen, dass Unternehmen die definierten Sicherheitsstandards auch tatsächlich erfüllen. Diese enge Zusammenarbeit sorgt für eine hohe Aussagekraft und Qualität der Zertifikate.

Ein Unternehmen, das beispielsweise nach ISO 27001 zertifiziert ist, kann nachweisen, dass es ein systematisches und dokumentiertes Informationssicherheitsmanagement betreibt. Dies ist besonders für Unternehmen relevant, die mit sensiblen Daten arbeiten oder in regulierten Branchen tätig sind. Für viele Branchen wie Banken, Versicherungen und Gesundheits­dienstleister sind diese Cybersecurity-Zertifizierungen ein Muss, um die Vertrauenswürdigkeit ihrer IT-Prozesse belegen zu können.

Regulierung und Compliance: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

Datenschutzgesetze wie die EU-Datenschutzgrundverordnung oder branchenspezifische Vorschriften wie NIS2 oder DORA fordern Unternehmen dazu auf, nachweisbare Sicherheits­maßnahmen zu etablieren. Zertifizierungen helfen dabei, diese Anforderungen systematisch zu erfüllen und auch selbst mehr Einblick in die eigenen internen Prozesse zu erlangen, um diese eigenverantwortlich zu optimieren.

Ein Beispiel sind Unternehmen, die Cloud-Dienstleistungen anbieten: Diese müssen oft nachweisen, dass ihre Systeme sicher und zuverlässig sind. Standards wie ISO 27017 für Cloud-Sicherheitskontrollen oder die SOC-2-Zertifizierung bieten Unternehmen die Chance, ihre Sicherheitsvorkehrungen transparent zu machen. Kunden wiederum können sich auf diese Zertifikate verlassen und gezielt Dienstleister auswählen, die bestimmte Sicherheitsstandards einhalten.

Unternehmen, die international tätig sind, profitieren zusätzlich von Zertifizierungen, weil diese oft bereits als Standardanforderung in Verträgen mit Geschäftspartnern und Lieferanten verankert sind. Gerade in kritischen Infrastrukturen, wie der Energieversorgung oder im Gesundheitswesen, sind Zertifizierungen mittlerweile eine Grundvoraussetzung für die Vergabe von Aufträgen und notwendig, um neue Märkte zu erschließen.

Mit VCS-Zertifizierung zu wirtschaftlichem Mehrwert

Über die Einhaltung regulatorischer Anforderungen hinaus bieten Zertifizierungen auch wirtschaftliche Mehrwerte, so etwa das ENX Vehicle Cyber Security Programm, kurz VCS, das speziell für die Automobilbranche entwickelt wurde. Das VCS-Programm zielt darauf ab, die Cybersicherheit entlang der gesamten Lieferkette zu verbessern. Die VCS-Zertifizierung umfasst alle Bereiche von der Produktgestaltung bis zum Postproduktions­management und wird als entscheidender Schritt zur weltweiten Standardisierung der Cybersicherheit in der Automobilindustrie angesehen. Unternehmen, die an diesem Programm teilnehmen, durchlaufen automatisch regelmäßige Audits und profitieren vom Austausch mit Experten sowie von kontinuierlichen Systemverbesserungen. Ein Fallbeispiel hierfür ist der Hyundai Mobis in Südkorea. Das Unternehmen entschied sich als erster asiatischer Automobilzulieferer für eine VCS-Zertifizierung, um seine Sicherheitsstandards zu optimieren und den gestiegenen Anforderungen der Automobilbranche gerecht zu werden. Das Unternehmen hat eine eigene Cybersicherheitsorganisation eingerichtet und ein umfassendes Cyber­sicherheits­manage­ment­system entwickelt, das alle Phasen von der Produktgestaltung bis hin zum Post­produktions­management abdeckt. Ziel war es, die Widerstandsfähigkeit der IT-Systeme zu erhöhen und gleichzeitig interne Prozesse effizienter zu gestalten. Diese Maßnahmen wurden durch regelmäßige Audits begleitet, die sicherstellen, dass die entwickelten und produzierten Produkte den europäischen Cybersicherheitsvorschriften (R155 / R156) entsprechen. Durch die Zertifizierung konnte Hyundai Mobis sowohl die Widerstandsfähigkeit seiner IT-Systeme erhöhen als auch den neuen Anforderungen der großen OEMs gerecht werden und so sicherstellen, dass sie weiterhin als verlässlicher Partner gelten.

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Maßnahmen und Grundlagen

Unternehmen, die sich mit dem Thema Cybersecurity-Zertifizierung beschäftigen, sollten in kleinen, aber bedachten Schritten vorgehen. Zunächst sollte eine umfassende Bestands­aufnahme erfolgen, die folgende Fragen beantwortet: Welche regulatorischen Anforderungen müssen grundsätzlich erfüllt werden? Welche Standards sind in der jeweiligen Branche anerkannt? Welche internen Prozesse müssen angepasst werden, um die erfolgreiche Zertifizierung zu ermöglichen? Aber nicht nur externe Anforderungen spielen eine Rolle bei der Einführung einer Cybersecurity-Zertifizierung. Wirtschaftlich sichert sich das Unternehmen mit dem Nachweis von Zertifizierungen einen Wettbewerbsvorteil.

Nach der Identifikation relevanter Standards ist es notwendig, interne Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen durchzuführen. Cybersecurity ist gleichermaßen eine technische und organisatorische Herausforderung. Ein erfolgreiches Zertifizierungsprojekt erfordert das Engagement der gesamten Belegschaft, vom IT-Sicherheitsverantwortlichen bis zur Geschäftsführung.

Schulungsmaßnahmen können simulierte Phishing-Angriffe sein, um Mitarbeiter in realistischen Szenarien zu schulen, sowie interaktive Workshops mit Rollenspielen oder Fallstudien zu typischen Bedrohungsszenarien. Außerdem müssen Unternehmen darauf achten, dass die erlangten Zertifikate regelmäßig erneuert und aktualisiert werden, da sich Bedrohungslagen und Anforderungen stetig weiterentwickeln.

Zertifizierungen als strategischer Vorteil in der Cybersicherheit

Cybersecurity-Zertifizierungen sind weit mehr als nur ein bürokratisches Erfordernis – sie bieten Unternehmen eine systematische Grundlage für ein nachhaltiges Sicherheits­management. Durch die Einhaltung anerkannter Standards verbessern Unternehmen ihre IT-Sicherheit, regulatorische Anforderungen werden erfüllt und gleichzeitig ein wirtschaftlicher Mehrwert wie etwa durch standardisierte und zentralisierte IT-Prozesse, die die Effizienz steigern. Dies entlastet Mitarbeiter, reduziert Ausfallzeiten und führt zu einem reibungsloseren Betrieb, insbesondere bei Jahresabschluss- oder Betriebsprüfungen. Auch die Vermeidung von Sicherheitsvorfällen wie Datenlecks oder Systemausfällen, die häufig mit erheblichen Kosten verbunden sind, zahlt spürbar auf den wirtschaftlichen Mehrwert ein.

Zertifizierungen wie ISO 27001, PCI DSS oder branchenspezifische Programme wie ENX VCS tragen dazu bei, Sicherheitslücken zu schließen und das Vertrauen von Kunden und Partnern zu stärken. Unternehmen, die sich frühzeitig mit Cybersecurity-Zertifizierungen auseinander­setzen, profitieren von erhöhter Sicherheit sowie von effizienteren Geschäftsprozessen und einer gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit.

Über den Autor: Ingo Unger ist Experte für VCS-Zertifizierungen (Vehicle Cybersecurity) bei der DQS GmbH.

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