Gefahren für die Internet-Telefonie Softphones taugen nicht

Redakteur: Ulrike Ostler

Die Integration von Daten- und Sprachnachrichten in einem gemeinsamen Kanal birgt eine ganze Reihe von Risiken. Der mittelständische Anbieter von Sicherheitslösungen Infodas listet sie auf – von massenhaften Werbeanrufen bis zu Abhörangriffen.

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Folgendes Szenario ist typisch: Ein Unternehmen hatte seit wenigen Wochen seine ISDN-Telefonanlage durch eine VoIP-Anlage ersetzt. Man erhoffte sich zahlreiche Vorteile durch diesen Schritt: Neben Kosteneinsparungen sollten Außendienstmitarbeiter und Home-Office-Nutzer besser in das firmeninterne Kommunikationsnetz eingebunden werden.

Doch schon bald gab es Probleme: Mitarbeiter beklagen, dass der Speicherplatz ihrer Voice-Mailboxen ständig durch automatische Werbeanrufe belegt sei, die ersten Rechnungen weisen jede Menge nicht zuzuordnender Anrufe auf und immer öfter zeigen sich kleinere Störung des bisher reibungslos funktionierenden IT-Netzwerkes.

Wie kann ein Unternehmen sich vor solchen Gefahren schützen? Und lohnt sich angesichts der Risiken die Anschaffung einer VoIP-Anlage überhaupt? „Die Verunsicherung hinsichtlich möglicher Sicherheitsrisiken von VoIP ist groß“, erläutert Frank Reiländer, Leiter Business Unit IT-Security der Kölner Infodas GmbH. „Unternehmen müssen deshalb aber keineswegs vor VoIP zurückschrecken.“

Wichtig sei es, zunächst zu erkennen, dass viele Gefahren alte Bekannte sind. Schließlich basiert IP-Telefonie auf einem IP-Netz.

Die Mailbox ist voll

Die Spam-Flut bei E-Mails findet beim VoIP mit so genannten SPIT-Attacken (Spam over Internet Telephony) ihr Pendant. dem massenhaften Aussenden von Werbebotschaften per Sprachnachricht.

Falsche Absender

Und auch das so genannte IP-Spoofing – also das Fälschen der Internet Protokoll-Adresse, mit dem Ziel, sich gegenüber einem Netzwerk als autorisierter Nutzer auszugeben – findet mit dem VoIP eine neue Heimat: Es ermöglicht den Gebührenbetrug und illegales Anmelden eines IP-Telefons an einem VoIP-Server.

Unter falscher Flagge

Ebenfalls bereits aus der IT-Welt bekannt ist das Pharming – also das Umleiten von Anwendern auf gefälschte Webseiten, zum Beispiel um an Passwörter zu gelangen. Gespräche werden bei der VoIP-Variante unbemerkt über einen Fremdserver geleitet, um sie abzuhören oder VoIP-Passwörter abzufangen.

Spionieren

Und letztlich ist VoIP-Software natürlich ebenso anfällig für Spyware, Viren, Würmer und andere Malware wie jede andere Software auch. Aber wie bei der herkömmlichen Nutzung des Netzwerks, ist es auch bei VoIP möglich, sich mit geeigneten Sicherheitsmaßnahmen vor solchen Gefahren zu schützen:

  • Daten und Sprache sollten zumindest logisch voneinander getrennt sein, um Blockaden (Denial of Service) und Abhörangriffe zu erschweren
  • Alle VoIP-Komponenten sollten über starke Zugangskontroll- und Authentifizierungssysteme verfügen
  • Technische Lösungen wie Anti-Spoofing-Filter dienen dazu, IP-Attacken zu verhindern
  • Jeder Benutzer sollte sich für die Nutzung der IP-Telefonie mit einem Kennwort anmelden müssen
  • Softphones taugen nicht für den Unternehmensbereich, da sie besonders anfällig für Angriffe durch Malware sind
  • Die Systeme sollten durch aktuelle Anti-Viren-Programme und lokale Firewall-Funktionen geschützt werden

Neben diesen Präventionsmaßnahmen müssen sich die Unternehmen aber auch um die Erziehung ihrer Mitarbeiter und die Gebäudeausstattung kümmern. Reiländer kennt die Schwächen aus seiner Praxis als ISO 27001/IT-Grundschutz-Auditor des Bundesamts für Informationstechnik (BSI): „Passwörter werden oftmals für andere einsehbar notiert und Geräte nicht gesperrt, so dass Sicherheitslücken im Unternehmen entstehen. Und wer den Weg zu seiner zentralen IT-Infrastruktur bereits am Empfang durch große Hinweisschilder jedem Fremden kenntlich macht und zudem die Zugangstüren offen stehen lässt, darf sich nicht wundern, wenn Daten durch Dritte manipuliert oder entwendet werden.“

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