Symantec High Alert-Studie

Unternehmen fühlen sich Cyber-Kriminellen ausgeliefert

| Redakteur: Peter Schmitz

Unternehmen fühlen sich oft Cyber-Kriminellen schutzlos ausgeliefert.
Unternehmen fühlen sich oft Cyber-Kriminellen schutzlos ausgeliefert. (Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Eine von Symantec in Auftrag gegebene Studie zeichnet ein düsteres Bild hinsichtlich der Belastung und den Fähigkeiten von IT-Security-Teams in Unternehmen. Die Ergebnisse zeigen, in welch einer erschreckenden Lage sich Unternehmen bereits befinden. Ein Teufelskreis aus Überlastung und Stress verhindert die Weiterentwicklung beruflicher Fähigkeiten und Entscheidungsfindungen.

48 Prozent der Cyber-Security-Entscheider in Deutschland, Frankreich und Großbritannien sind der Auffassung, dass ihre Teams und deren Kenntnisse denen von Cyberkriminellen nicht gewachsen sind, wodurch der Druck auf bereits überlastete Mitarbeiter sich zusätzlich erhöht. Das zeigt die von Symantec in Auftrag gegebene Studie. Die Folge ist, dass 63 Prozent der Cyber-Security-Experten bereits darüber nachdenken, die Branche zu wechseln oder ihre aktuelle Position zu kündigen (64 Prozent).

Die Studie basiert auf einer Befragung von 3.045 Cyber-Security-Entscheidern aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Durchgeführt wurde die High Alert-Studie vom Wissenschaftler Dr. Chris Brauer, Director of Innovation bei Goldsmiths, University of London, und seinem Team im Auftrag von Symantec.

„Es ist beängstigend, zu wissen, dass die Feinde bereits vor dem eigenen Tor stehen. Noch beunruhigender ist allerdings, dass sich die zum Schutz eingestellten Mitarbeiter dem Angreifer unterlegen fühlen – und auf einen Burnout zusteuern. Und genau das zeigen die aktuellen Ergebnisse“, erklärt Darren Thomson, EMEA CTO, Symantec. „Die Bedrohung wird nicht überschätzt, wenn der Feind schneller lernt als du selbst. Unternehmen, die Wert auf die Sicherheit ihrer Daten und Finanzen legen, müssen strategische Investitionen tätigen, um diese Kompetenzlücken -auch durch den Einsatz künstlicher Intelligenz- zu schließen.“

Knapp die Hälfte (45 Prozent in Deutschland) der Security-Experten gab zu, dass ihre Teams nicht über die notwendigen persönlichen Fähigkeiten verfügen, um tägliche Bedrohungen zu bekämpfen, denen ihre Unternehmen ausgesetzt sind. Bei mehr als einem Drittel (44 Prozent in Deutschland) der Befragten sind die Teams nicht einmal in der Lage, die aktuelle Arbeitsbelastung zu bewältigen.

„Ich sehe ein großes Burnout-Risiko in unserer Branche. Viele Angestellte arbeiten bereits am Limit“, so Dr. Steve Purser, Head of Core Operations ENISA, der früher als CISC in der Finanzbranche tätig war. „Schaut man sich die Überstunden an, wird schnell klar, dass es so nicht weitergehen kann.“

Der Rückstand wird größer

Cyber-Security-Teams fällt es schwer, mit möglichen Angreifern Schritt zu halten, gleichzeitig nimmt die Geschwindigkeit des technologischen Wandels weiter zu. Andererseits gilt der Arbeitsmarkt als „leergefegt“, wenn es um erfahrene IT-Sicherheitsexperten geht und wo es immer weniger Talente im Cyber-Security-Umfeld gibt, bleiben Stellen unbesetzt und die IT-Security-Teams dauerhaft gefährlich unterbesetzt. Schon allein dadurch werden die Abwehrmechanismen der Unternehmen kontinuierlich schwächer.

Die Ergebnisse der von Symantec in Auftrag gegebenen Studie belegen diese Entwicklung. In Deutschland liegen die Zahlen höher als der europäische Durchschnitt:

  • 51 Prozent der Security-Experten in Deutschland geben an, dass ihre Teams zu viele Tagesaufgaben übernehmen müssen, um wichtige Kompetenzen weiter auszubauen.
  • 48 Prozent sehen in Deutschland den technologischen Wandel schneller voranschreiten, als sie und ihre Teams sich daran anpassen können.
  • Fast die Hälfte (49 Prozent in Deutschland) geben an, dass Angreifer über extrem hohe Ressourcen und Unterstützung von ‚böswilligen Akteuren‘ verfügen – darunter zum Beispiel aus der organisierten Kriminalität und staatlich geförderte Hacker.

„Security-Experten sind Ersthelfer, gefangen in einem ständigen Wettrüsten mit Angreifern – Talent und Cyber-Security-Kompetenz sind dabei die wichtigsten Waffen“, erläutert Dr. Chris Brauer, Director of Innovation, Goldsmiths, University of London. „Für viele ist dieser geistige Wettstreit aufregend und eine willkommene intellektuelle Herausforderung. Doch die Arbeit ist enorm anspruchsvoll und mit einem hohen Einsatz und rasanten Tempo verbunden. Gleichzeitig erhalten die Teams wenig Unterstützung. Aber das ist noch nicht alles: Die Kontrolle und Bewertung einer enormen Menge an IT-sicherheitsrelevanter Alarmmeldungen der IT-Sicherheitssysteme und anderer alltäglichen Aufgaben lässt das Arbeitsumfeld schnell zu einem wahren Gift für die Arbeitnehmer und somit für die Unternehmenssicherheit werden. Stark gestresste Arbeitnehmer koppeln sich schneller vom Unternehmen ab und kündigen letztendlich. In einem Umfeld, welches bereits einen hohen Fachkräftemangel hat, stellt dies ein erhebliches zusätzliches Risiko für die Unternehmen dar.“

Alles fordert seinen Tribut

Die Sicherheit von Unternehmen ist unter anderem durch die schwindende Bedrohungsanalyse-Fähig- und Möglichkeiten und dem schwindenden Pool an Cyber-Security-Talenten stark gefährdet. In Deutschland sieht die Situation bereits kritischer als im internationalen Umfeld aus:

  • Drei von vier (78 Prozent insgesamt und 83 Prozent in Deutschland) Security-Experten unterschätzen den Aufwand und die notwendigen Aktionen die erforderlich wären, um mit einer Bedrohung oder einem Vorfall richtig umzugehen.
  • 77 Prozent (insgesamt und 80 Prozent in Deutschland) entscheiden sich zu schnell und zu wenig fundiert bei der Beurteilung einer Bedrohung.
  • Mehr als zwei Drittel (69 Prozent insgesamt und 75 Prozent in Deutschland) der Security-Experten fühlen sich für einen bereits im eigenen Unternehmen stattgefundenen Sicherheitsvorfall verantwortlich, der sich hätte vermeiden lassen.

„Neueinstellungen allein sind nicht die Lösung, um den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Das System innerhalb der Unternehmen muss sich komplett verändern“, erklärt Darren Thomson, EMEA CTO, Symantec. „Das Cyber-Security-Feld hat sich seit den Berufsanfängen der heutigen CISO dramatisch geändert. Durch die täglich Tausende von Bedrohungen sowie eine exponentiell wachsende Komplexität der IT-Strukturen wird es immer schwieriger, Schritt zu halten.“

„Die Verteidigungsstrategien müssen sich ändern. Fortschrittlichste Technologien für die zuverlässige und präzise Bedrohungsanalyse erfordern eine KI-optimierte Cyber-Security, denn der sich kontinuierlich verschärfende massive Mangel an Cyber-Security-Fachkräften bedingt diesen Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei der Analytics und Automatisierung von Sicherheitsaufgaben, die damit den Sicherheitsexperten ein hohes Maß an der notwendigen Agilität zurückgegeben. Oft werden beispielsweise Lösungen für Security Information and Event Management (SIEM) eingesetzt, deren Aufgabe es ist, Anomalien umfassend zu erkennen. Aber durch den Mangel an Ressourcen – wie die Studie belegt – können selbst diese sicherheitsrelevanten Ereignismeldungen nicht mehr von den Mitarbeitern abgearbeitet werden. Viele Außenstehende befürchten, dass die Werkzeuge Teil des Problems wären und empfehlen – mit fatalen Folgen – die Sensitivität der eingesetzten Tools zu reduzieren. Es zeigt sich somit, dass das komplexe Cyber-Security-Konstrukt als Solches einfacher werden muss und die Nutzung von Cloud-Security, eine verstärkte Automatisierung und die intelligente Nutzung von Managed Services sollten mehr als bisher genutzt werden, um Überlastungen zu reduzieren und Mitarbeiter im Unternehmen zu halten.“

Über die Studie: Die High Alert-Studie wurde von Symantec in Zusammenarbeit mit Dr Chris Brauer, Director of Innovation, Goldsmiths, University of London, und der Forschungs-Beratung Thread durchgeführt. Die Forschungsarbeit wurde von Dr Chris Brauer und Dr Jennifer Barth begleitet und von Sean Duggan geleitet. Die deutschen und französischen Zahlen für die quantitative Studie stammen von Censuswide; die britischen Zahlen von YouGov. Die Feldarbeit wurde im Winter 2018 durchgeführt. Die Forschung verwendete quantitative Methoden, um die Einschätzungen von Cyber-Security-Experten in Führungspositionen in den drei Ländern Frankreich, Deutschland und Großbritannien zu messen, auszuwerten und zu differenzieren. Die Befragungen wurde an 3.045 Personen in Frankreich (1.002 Teilnehmer), Deutschland (1.003 Teilnehmer) und in Großbritannien (1.040 Teilnehmer) in mittleren oder oberen Führungspositionen mit einer Entscheider-Rolle im Cyber-Security-Bereich verteilt. Die Ergebnisse basieren auf einer Sekundärerhebung, der erfahrenen Cyber-Security-Experten einen persönlichen Einblick gaben. Die Umfrage bestand aus 43 Punkten, die in neun Fragegruppen organisiert waren, mit einer fünf-stufigen Antwortskala, die es den Befragten ermöglicht, im Rahmen dieser spezifischen Untersuchung selbst zu berichten. Die Umfrage enthielt auch Fragen zur Erhebung demographischer Daten.

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