Update: Plattner fordert Schutz der Energieversorgung Versteckte Kommunikations­module in Solar­wechsel­richtern aus China

Aktualisiert am 28.05.2025 Von Melanie Staudacher 4 min Lesedauer

US-Energiebehörden äußerten Sicherheitsbedenken hinsichtlich chinesischer Solar­wechsel­richter, nachdem in einigen Geräten nicht dokumentierte Kommunikationsmodule entdeckt wurden. Diese könnten eine Umgehung von Firewalls ermöglichen und Fernzugriffe auf das Stromnetz erlauben.

In Wechselrichtern, die Solaranlagen an das Stromnetz anschließen, wollen zwei anonyme Hinweisgeber undokumentierte Kommunikationsmodule entdeckt haben.(Bild:  Dall-E / Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)
In Wechselrichtern, die Solaranlagen an das Stromnetz anschließen, wollen zwei anonyme Hinweisgeber undokumentierte Kommunikationsmodule entdeckt haben.
(Bild: Dall-E / Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)

In Solar­wechsel­richtern, die in China hergestellt wurden, sind einem Bericht von Reuters zufolge Hardware-Komponenten entdeckt worden, die der Kommunikation dienen, aber nicht in den Produktunterlagen dokumentiert sind. Nun würden US-Behörden das Sicherheitsrisiko, welches von in China produzierten Geräten für die kritischen Infrastrukturen ausgehe, neu bewerten. Dabei beruft sich das Nachrichtenportal auf Aussagen von zwei „mit der Angelegenheit vertraute“ Personen, die allerdings nicht namentlich genannt werden wollten.

Die Wechselrichter sind das Herzstück von Solarstromanlagen. Sie werden überwiegend in China produziert von Herstellern wie Huawei, Sungrow und Ginlong Solis, und weltweit eingesetzt, um Solarmodule und Windturbinen an das Stromnetz anzuschließen. Außerdem finden sie sich auch in Batterien, Wärmepumpen und Ladegeräten für Elektrofahrzeuge.

Verstecke Kommunikationsgeräte mit großem Risiko

Zwar sind Wechselrichter so konstruiert, dass sie den Fernzugriff für Updates und Wartung ermöglichen. In der Regel installieren die Energieversorger, die die Wechselrichter nutzen, allerdings Firewalls, um eine direkte Kommunikation mit den herstellenden Unternehmen zu verhindern. Reuters zufolge haben nun jedoch Experten aus den USA in einigen chinesischen Solar­wechsel­richtern Kommunikationsgeräte gefunden, die nicht in den Produktdokumenten aufgeführt sind. Die Experten hätten die Wechselrichter außerdem zerlegt, um sie auf Sicherheitslücken zu überprüfen.

Sie warnen, dass der Einsatz dieser versteckten Kommunikationsgeräte, um Firewalls zu umgehen und Wechselrichter ferngesteuert auszuschalten oder ihre Einstellungen zu ändern, Stromnetze destabilisieren, die Energieinfrastruktur beschädigen und so großflächige Stromausfälle auslösen könnte. Bisher hat die US-Regierung die Existenz der undokumentierten Komponenten nicht öffentlich bestätigt.

Auch in einigen Batterien verschiedener chinesischer Lieferanten seien in den vergangenen neun Monaten nicht dokumentierte Kommunikationsgeräte, darunter Mobilfunkgeräte, gefunden worden. Wie viele Geräte welcher Marken konkret betroffen waren, sei unklar.

Energiebranche als Angriffsziel

Es ist nicht das erste mal, dass über (mögliche) Cyberangriffe berichtet wird, die direkt gegen kritische Infrastrukturen gerichtet sind, oder diese indirekt betreffen. So gab es 2022 einen Hackerangriff auf Rosnet, einen russischen Energiekonzern mit deutscher Niederlassung, in dessen Folge das BSI eine Warnung für deutsche Unternehmen herausgab. Ebenfalls 2022 gab es zudem einen Cyberangriff auf eines der größten Energieversorgungsunternehmen Enercity.

In einer jüngst veröffentlichten Studie berichtet Solarpower Europe, Branchenverband für die Solarenergie in Europa, dass Solar-PV-Anlagen zunehmend digitalisiert und über Wechselrichter mit dem Internet verbunden werden, was sie zum Angriffsziel für Cyberkriminelle macht. Gerade was das Risiko von Wechselrichtern angeht, die zum Beispiel durch Bereitstellung von Netzdienstleistungen und Sicherheitsupdates entstehen, stellt Solarpower fest, dass große Analgen sicherer sind, da sie meist von erfahrenen Energieversorgern verwaltet würden und für sie Vorgaben wie die NIS2-Richtlinie der EU gelten. Andererseits würden jedoch für kleine Solaranlagen, die oft auf Dächern installiert werden, strenge Regeln fehlen, die die Cybersicherheit erhöhen. Denn auch kleine Anlagen sind mit herstellereigenen Clouds oder den Systemen von Installateuren oder Dienstleistern verbunden. Während die Auswirkungen einer Kompromittierung einer einzelnen Anlage gering seien, könnten die Auswirkungen vieler Anlagen, die zu einem virtuellen Kraftwerk zusammengeschaltet werden, erheblich sein.

BSI-Präsidentin warnt vor staatlichen Angriffen

Auch Claudia Plattner, Präsidentin des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) spricht sich für einen besseren Schutz der Energieversorgung in Deutschland aus, wie die Deutsche Presseagentur berichtet. Hintergrund sei vor allem die Energiewende: „Überall entstehen kleine Kraftwerke oder Windparks“, sagte Plattner gegenüber der Funke-Mediengruppe. Denn für diese Anlagen gebe es bisher keinen einheitlichen Sicherheitsstandard. „Aber oft eben auch weniger gut gegen Angreifer von außen gesichert als etwa große Kraftwerksbetreiber. Um mithilfe von Digitalisierung eine Modernisierung in der Energieversorgung zu erreichen, müsse noch mehr in die IT-Sicherheit investiert werden. „Wenn wir jetzt nicht handeln, laufen wir in das Risiko, dass Angreifer unsere Infrastruktur schwächen. Deutschland ist im Visier von mehreren Staaten, darunter vor allem China und Russland, aber auch Nordkorea und Iran.“ Die Motive für Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen aus diesen Ländern seien sowohl wirtschaftlicher wie auch geopolitischer Natur.

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Anspannung zwischen USA und China

Die Entdeckung dieser nicht dokumentierter Kommunikationskomponenten in den chinesischen Wechselrichtern und Batterien könnte zur weiteren Belastung für das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den USA und China werden. Sollten sich die Behauptungen der anonymen Hinweisgeber bestätigen, würde dies den Verdacht aufwerfen, dass China möglicherweise absichtlich Hintertüren zur Fernsteuerung oder Sabotage in Geräte, die in die USA geliefert werden, eingebaut haben könnte. All dies könnte das Misstrauen der USA gegenüber chinesischen Herstellern verschärfen und möglicherweise zu Sanktionen führen, wie es sie bereits gegen Huawei gibt. So ist es Unternehmen aus den USA zum Beispiel verboten, Technologie wie Chips und Software an Huawei zu liefern, da die US-Regierung Spionage befürchtet. Außerdem wurden die Exportkontrollen für Halbleiter von den USA nach China verschärft, um China vom Zugang zu Hochleistungs-Halbleitern und Chipfertigungstechnologie abzuschneiden.

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