Verizon Data Breach Investigations Report 2024 Menschliche Fehler und Ransomware bedrohen unsere Cybersicherheit

Ein Gastbeitrag von Ashish Khanna 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Der Verizon DBIR 2024 zeigt alarmierende Trends in der Cybersecurity in Deutschland: Ein drastischer Anstieg der Schwachstellen­ausnutzung um 180 Prozent, dominierende menschliche Fehler und Ransomware-Angriffe. Besonders beunruhigend: 68 Prozent der Sicherheitsverletzungen sind auf menschliches Versagen zurückzuführen. Unternehmen müssen ihre Sicherheitsstrategien dringend verbessern.

68 Prozent der Sicherheitsverletzungen werden laut Verizon DBIR 2024 durch menschliches Versagen verursacht. Das zeigt, wie kritisch die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter für die Cybersicherheit ist.(Bild:  knowhowfootage - stock.adobe.com)
68 Prozent der Sicherheitsverletzungen werden laut Verizon DBIR 2024 durch menschliches Versagen verursacht. Das zeigt, wie kritisch die Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeiter für die Cybersicherheit ist.
(Bild: knowhowfootage - stock.adobe.com)

Der kürzlich veröffentlichte Verizon Data Breach Investigations Report (DBIR) 2024 zeigt eine besorgniserregende Entwicklung in der Cybersecurity-Landschaft. Besonders auffällig ist der drastische Anstieg der Ausnutzung von Schwachstellen als Ursache für Sicherheits­verletzungen, der im Vergleich zum Vorjahr um 180 Prozent gestiegen ist. Im Folgenden werden die wichtigsten Ergebnisse des DBIR 2024 beleuchtet und ein Überblick über die allgemeine Cyber-Sicherheitslage in Deutschland gegeben.

Die Ausnutzung von Schwachstellen und der Faktor Mensch

Dem Bericht zufolge hat sich die Zahl der Sicherheitsverletzungen, die durch die Ausnutzung von Schwachstellen verursacht wurden, fast verdreifacht on Zero-Day-Schwachstellen bis hin zu Nicht-Zero-Day-Schwachstellen sind insgesamt 14 Prozent der Einbrüche auf Schwach­stellen­ausnutzungen zurückzuführen. Zugangsdaten (38 Prozent) und Phishing (15 Prozent) stellen ebenfalls eine bedeutende Komponente bei den versuchten Einbrüchen dar.

Ransomware ist nach wie vor ein zentrales Thema und kommt bei etwa einem Drittel aller Sicherheitsverletzungen vor. Für den Aufwärtstrend ist jedoch das sekundäre Element von Ransomware verantwortlich - der Diebstahl von Daten und die Drohung, diese freizugeben. Lösegeldforderungen als Folge von Verschlüsselungsangriffen sind mit knapp 1 von 4 Sicherheitsverletzungen gleich geblieben.

Die wahrscheinlich komplexeste Angriffsart - Systemintrusion (SI) - ist nach wie vor die primäre Art des Angriffs in fünf der zehn wichtigsten Zielbranchen, gehört aber in allen zehn Zielbranchen zu den drei wichtigsten Angriffsarten. 70 Prozent der SI-Vorfälle sind Ransomware/Erpressung und Unternehmen müssen darauf vorbereitet sein, dass diese Angriffe unvermeidbar sind. Daher ist es von grundlegender Bedeutung, dass die IR-Fähigkeit (Incident Response) und Tests auf kontinuierlicher Basis durchgeführt werden.

Die Bewältigung dieser Bedrohungen stellt für Unternehmen nach wie vor eine große Herausforderung dar. Eine Analyse des KEV-Katalogs (Known Exploited Vulnerabilities) der Cyber Security Infrastructure and Security Agency (CISA) hat ergeben, dass Unternehmen durchschnittlich 55 Tage brauchen, um 50 Prozent der kritischen Schwachstellen nach der Bereitstellung von Patches zu beheben. In der Zwischenzeit beträgt die durchschnittliche Zeit für die Entdeckung der Massennutzung der KEV von CISA im Internet fünf Tage.

Ein weiteres beunruhigendes Ergebnis ist die Rolle des menschlichen Faktors bei Sicherheits­verletzungen. Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Sicherheitsverletzungen sind auf nicht böswilliges menschliches Versagen oder auf Social-Engineering-Angriffe zurückzuführen. Durch ein besseres Sicherheitsbewusstsein und entsprechende Schulungen könnten diese Verstöße erheblich reduziert werden. Die gute Nachricht ist, dass die Sensibilisierung Teil der Sicherheitskultur geworden ist und die Zahl der Nutzer, die über Phishing-Simulationen berichten, um 20 Prozent gestiegen ist.

Drittanbieter, Software-Lieferketten und Erpressungstechniken

Der 2024 DBIR zeigt zudem eine steigende Bedrohung durch Drittanbieter auf. 15 Prozent der Sicherheitsverletzungen betrafen Drittanbieter, was einem Anstieg von 68 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Dazu gehören Schwachstellen in der Infrastruktur von Datenmanagern, Hosting-Partnern und in der Software-Lieferkette.

Die Häufigkeit herkömmlicher Ransomware-Angriffe ist leicht auf 23 Prozent zurückgegangen, doch bei rund einem Drittel (32 Prozent) aller Sicherheitsverletzungen kommen nach wie vor Ransomware-Techniken zum Einsatz. Die steigende Anzahl von Ransomware-Angriffen unterstreicht die Bedrohung, die von dieser Form der Cyberkriminalität ausgeht. Diese besorgniserregende Entwicklung spiegelt sich auch in Deutschland wider. Laut Lagebericht des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben die Angriffe auf deutsche Unternehmen und Institutionen weiter zugenommen. Besonders betroffen sind kritische Infrastrukturen wie die Energieversorgung, das Gesundheitswesen und der Finanzsektor. Die Bedrohungslage durch Ransomware und Phishing ist weiterhin hoch und die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung bietet Cyberkriminellen immer neue Angriffsflächen.

Maßnahmen und Empfehlungen

Angesichts dieser Bedrohungen ist es für Unternehmen in Deutschland und weltweit unerlässlich, ihre Cybersecurity-Strategien kontinuierlich zu verbessern. Dazu gehören:

  • Erhöhung des Sicherheitsbewusstseins: Regelmäßige Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen für Mitarbeiter, um die Erkennungs- und Meldequote von Phishing-Versuchen zu erhöhen. Die Sensibilisierung erfordert auch eine Ausweitung der Bemühungen über die Teams der Informationssicherheit hinaus und eine enge Zusammenarbeit mit den Personal-, Rechts-, Vertriebs- und Marketingabteilungen, um die mit dem Menschen verbundenen Risiken anzugehen.
  • Stärkung der Patch-Management-Prozesse: Schnelles Identifizieren und Beheben von Schwachstellen, um die Angriffsfläche zu minimieren, einschließlich Risikoquantifizierung und Konsolidierung des Sicherheitsstacks in einer einheitlichen Plattform, um eine bessere Übersicht zu ermöglichen.
  • Zusammenarbeit mit Drittanbietern: Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen entlang der gesamten Lieferkette und enge Zusammenarbeit mit Partnern, um Sicherheitslücken zu schließen.

Fazit

Der 2024 Verizon DBIR zeigt deutlich, dass die Bedrohungen durch Cyberkriminalität weiter zunehmen und komplexer werden. Unternehmen müssen proaktiv handeln, um ihre Sicherheitsmaßnahmen zu erhöhen und auf dem neuesten Stand der Technik zu halten. Durch eine Kombination aus technischem Schutz, Schulung und strategischer Zusammenarbeit können sie ihre Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe erheblich verbessern und sich besser gegen künftige Bedrohungen wappnen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Täglich die wichtigsten Infos zur IT-Sicherheit

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Kontinuierliche Überwachung und Anpassung an neue Bedrohungen bleiben entscheidend, um in einer sich ständig verändernden Cyber-Sicherheitslandschaft sicher zu bleiben. Der 2024 DBIR ist ein wichtiger Weckruf und nützliches Instrument für Unternehmen, die ihre Cybersicherheitsstrategien effektiv gestalten und umsetzen wollen.

Über den Autor: Ashish Khanna ist Sr. Managing Director – Security consulting Services bei Verizon Business.

(ID:50042192)