Datenschutz wird zum Wettbewerbsvorteil Wichtige Gründe für Datenschutz in Unternehmen

Ein Gastbeitrag von Heiko Gossen 5 min Lesedauer

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Datenschutz wird heute nicht mehr einem einzelnen IT- oder EDV-Beauftragten überlassen. Dafür ist das Thema zu wichtig geworden. Heute weiß jeder Gründer, dass es für verlässliche Datensicherheit saubere Verfahren, eine passgenaue IT-Infrastruktur und professionelle Ansprechpartner braucht. Aber worauf sollten Unternehmen an der Stelle achten und warum wird der Datenschutz heute zum knallharten Wirtschaftsfaktor?

Ein starkes Datenschutzkonzept schützt Unternehmen nicht nur vor Bußgeldern, sondern wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.(Bild:  Esfandjar - stock.adobe.com)
Ein starkes Datenschutzkonzept schützt Unternehmen nicht nur vor Bußgeldern, sondern wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
(Bild: Esfandjar - stock.adobe.com)

Die Priorität für professionellen Datenschutz ist in den letzten Jahren stark gestiegen - und das aus verschiedenen Gründen. Zum einen mehren sich Fälle von Wirtschaftsspionage und Cyberangriffen. Unternehmen tun deshalb gut daran, sich gegen solche Attacken zu schützen. Zum anderen geht es um das korrekte Verfahren mit sicheren Daten. Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) macht strenge Vorgaben für die Erhebung, Speicherung und Verarbeitung von Daten. Diese Vorgaben müssen bei der Verarbeitung von Kundendaten und in der Personalarbeit beachtet werden. Wer die Verordnung nicht beachtet oder sich nicht an die Grundsätze zur Verarbeitung personenbezogener Daten hält, riskiert Strafen.

Bei Datenschutzverstößen drohen Bußgelder und Vertrauensverlust

Nach Einführung der DSGVO haben die Aufsichtsbehörden deutlich gemacht, dass sie die Strafen konsequent durchsetzen. Selbst Google wurde von der französischen Behörde wegen Datenschutzverstößen 2022 zu einer Strafe von rund 150 Millionen Euro verurteilt. Facebook wurde ebenfalls verurteilt. Und hier handelt es sich um zwei der bekanntesten Internetkonzerne, die sich mit den Anforderungen auskennen sollten. Da sich Bußgelder an den Unternehmensumsätzen orientieren, fallen die Strafen bei kleineren Unternehmen geringer aus. Teuer werden kann es jedoch auch für sie. Und es gibt von der Bußgeldzahlung abgesehen noch ein anderes Problem.

Ein Datenschutzskandal schädigt die Reputation massiv. Datenschutz ist modernen Verbrauchern enorm wichtig. Sobald sie mitbekommen, dass ein Konzern zu Unrecht Daten abruft und eigenen Daten öffentlich einsehbar waren, bricht die Loyalität ein. Stammkunden springen ab. Aufgrund der Rufschädigung scheuen neue Kunden die Zusammenarbeit. Da die Bußgelder üblicherweise öffentlich werden, verbreitet sich dieser Schaden wie ein Lauffeuer. Wie folgenreich ein Datenschutzleck selbst ohne DSGVO ist, zeigte der Fall der Deutschen Telekom Ende der 2000er Jahre.

Datenschutzskandale ziehen die Reputation massiv in Mitleidenschaft

2006 wurde bekannt, dass Betrüger die persönlichen Daten von rund 17 Millionen T-Mobile-Kunden abgegriffen hatten. Neben Telefonnummern fanden sich darunter sensible Bankdaten. Zwei Jahre später erst kam dieser Fall an die Öffentlichkeit; und das mit massiven Folgen. In der Öffentlichkeit hagelte es Kritik. Und Recherchen verwiesen darauf, dass nicht nur ein Datendiebstahl das Problem war. Der digitalen Infrastruktur und dem Sicherheitskonzept des Konzerns wurden massive Mängel bescheinigt. Der Konzern stellte vor dem Hintergrund sein komplettes EDV-System auf den Prüfstand und legte einen öffentlichen Bericht vor. Die Bedenken über die Sicherheit eigener Daten ließen sich damit allerdings nicht zerstreuen. Unternehmen müssen bedenken, dass Kunden solche Berichte mangels eigener Expertise nicht bewerten können. Der angerichtete Datenskandal hat Langzeitfolgen.

Kundenverluste in unkalkulierbaren Ausmaß waren und sind die Folge. Sie kommen den Unternehmen noch teurer zu stehen als die Bußgelder. Großkonzerne wie die Telekom können ihr Image durch aufwändige Kampagnen langsam aufbessern. Kleinere und mittelständische Unternehmen erholen sich dagegen selten von einem derartigen Reputationsverlust. Sie haben nicht die Mittel, um massive Gewinneinbrüche und den Verlust vieler Stammkunden zu verkraften. Für eine groß angelegte Imagekampagne fehlt ihnen das nötige Kapital. Deshalb ist es in ihrem Fall wichtig, einen professionellen Datenschutz zu bieten und bei Problemen sofort zu reagieren.

Datensicherheit und modernes Informations­sicherheits­management

Doch wie schafft man Zuverlässigkeit bei der Datensicherheit? Experten empfehlen heute eine systemische Herangehensweise. Anstatt nur den üblichen Vorgaben der DSGVO zu genügen, sollten Unternehmen auf eine passgenaue IT-Infrastruktur setzen, die erstens perfekt auf das einzelne Unternehmen abgestimmt wird. Diese Struktur muss zweitens mit einem ganzheitlichen Sicherheitskonzept verbunden werden. Ein solches Konzept prüft einerseits das Datenschutzmanagement und die verschiedenen Sicherheitsebenen auf Angemessenheit und Wirksamkeit. Andererseits werden regelmäßig die Bedrohungen und Risiken überprüft, um rechtzeitig Anpassungen vornehmen zu können. Denn Unternehmer müssen verstehen und akzeptieren, dass Datenschutz und Sicherheit kein Zustand, sondern Prozesse sind.

Der dritte wichtige Punkt ist eine professionelle Beratung und Unterstützung bei Fragen. An dem Punkt kann es empfehlenswert sein, die Rolle des Datenschutzbeauftragten nicht an einen unzureichend qualifizierten Mitarbeiter des eigenen Unternehmens zu geben. Das Gesetz erlaubt die Berufung externer Datenschutzbeauftragter. Mit dem richtigen Anbieter können Unternehmen auf ein Team an professionellen Datenschutz­spezialisten zurückgreifen. Sie haben die gesetzlichen Vorgaben und die Cybersecurity im Blick, wirken jedoch nicht als übervorsichtige Bremser beim Thema Datenschutz. Ihre Erfahrung bei der Unterstützung anderer Unternehmen kann für die Arbeit nützlich sein.

Professionelle Datenschutzberater und Prüfung nach ISO-Norm

Am Markt gibt es mittlerweile zahlreiche Datenschutzberater. Viele Unternehmen fragen sich angesichts dessen, welche Kriterien ihnen eine professionelle Unterstützung garantieren. Datenschützer sollten qualifiziert sein, um ein Datenschutzmanagement in ein Informationssicherheitsmanagementsystem nach der ISO 27001 zu integrieren und entsprechend zu prüfen. Nützlich ist außerdem eine gute Vernetzung im Bereich von Datenschutzverbänden und Arbeitsgruppen. Ich selbst bin als Vorsitzender des Arbeitskreises Datenschutz eines großen Branchenverbandes der Digitalwirtschaft tätig und kann aus dieser Tätigkeit bestätigen, dass ein solcher Austausch für die praktische Umsetzung enorm nützlich ist.

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Fazit: Professioneller Datenschutz als Wettbewerbsvorteil

Ein starkes Datenschutzkonzept schützt Unternehmen nicht nur vor Bußgeldern, sondern wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Unternehmen, die sich aktiv um Datensicherheit kümmern, schaffen Vertrauen bei Mitarbeitenden und Kunden, was sich positiv auf die Kundenbindung und die Arbeitgebermarke auswirkt. Professionell umgesetzte Datenschutzmaßnahmen minimieren außerdem das Risiko kostspieliger Datenschutzverletzungen und schützen das Unternehmen vor Reputationsverlusten, die häufig weitaus teurere Konsequenzen haben als das Bußgeld selbst.

Durch ein solides Informationssicherheitsmanagement erhöhen Unternehmen ihre Datensicherheit maßgeblich. Der Einsatz einer passgenauen IT-Infrastruktur und eines umfassenden Sicherheitskonzepts stärkt die interne Sicherheit und reduziert die Gefahr für Datenlecks. Datenschutzexperten, ob intern oder extern, unterstützen dabei, die DSGVO-Vorgaben sicher einzuhalten und gleichzeitig eine reibungslose Datenverarbeitung zu gewährleisten. Unternehmen profitieren so von einer gesteigerten Compliance, niedrigeren Risiken und einer gestärkten Marktposition.

Über den Autor: Heiko Gossen ist ein erfahrener Experte im Bereich Datenschutz und Informationssicherheit. Er ist externer Datenschutzbeauftragter zahlreicher Unternehmen und als Geschäftsführer bei migosens verantwortet er die Datenschutz-Beratung und Implementierung von ISMS nach ISO 27001. Als Lead Auditor beim TÜV u.a. für die ISO 27001 bringt er umfassende Fachkenntnisse und Erfahrungen in der Auditierung von Managementsystemen mit. Als Vorsitzender des Bitkom Arbeitskreises Datenschutz leitet er die Diskussionen über aktuelle Themen und Entwicklungen.

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