Gefahren der Virtualisierung

Wie RAID-Verbunde zu Datenverlust führen

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Fehlender Überblick

Die leichte Bedienbarkeit über die Konsole begünstigt, dass schnell die Übersicht über die virtualisierten Server fehlt. Zum Beispiel wenn eine Hardware dutzende virtualisierte Maschinen betreibt und zusätzlich verschiedene externe Storages zum Ablegen der Server-Images verwendet werden, die Daten aber wiederrum auf anderen Systemen abgelegt werden.

Bei größeren Installationen dieser Art kann dies zu handfesten Problemen führen. Es kommt in der Praxis vor, dass sogar führende Großunternehmen im Fall von Datenverlust gegenüber einem Datenretter tatsächlich nicht angeben können, auf welchem Festplattenarray die verlorenen Daten ursprünglich gespeichert waren.

Proprietäre Systeme

Hinzu kommt, dass es sich bei den gängigen Virtualisierungssoftware-Produkten um proprietäre Systeme handelt. Diese befinden sich im Eigentum des Herstellers und ihr Quell-Code ist nicht frei einsehbar. Außerdem ist keine Dokumentation über die Speichervorgänge – wo was nach welchem Muster auf der Platte abgelegt wird – verfügbar.

Daher ist die Wiederherstellung verlorener Daten aus virtualisierten Systemen im Vergleich zu herkömmlichen Infrastrukturen anspruchsvoller und aufwendiger, so dass ein Recovery durch die hauseigene IT nicht mehr möglich ist. Zur professionellen Datenrettung kommen komplexe Rekonstruktionsverfahren zum Einsatz, die aufgrund von laufendem Reverse Engineering verschiedenster Systeme für den Ernstfall zur Verfügung stehen. So wird bei Attingo nach jedem Produkt-Update durch einen Hersteller, wodurch Änderungen im Speicherformat entstehen, wieder ein Reverse Engineering durchgeführt.

Was tun bei Datenverlust

In fast allen Fällen ist eine erfolgreiche Datenrettung möglich, wenn die betroffenen Sektoren nicht durch übereifrige Rettungsversuche bereits überschrieben wurden. Daher ist es wichtig, in der Situation die Ruhe zu bewahren und keine „Versuche“ zu unternehmen.

Dies gilt für das Durchführen von Rebuilds bei RAID-Systemen oder dessen Neu-Initialisierung. Aber auch für den Einsatz von Datenrettungssoftware, welche die Lage unter Umständen verschlimmert, weil dadurch teilweise wichtige Sektoren unkontrolliert überschrieben werden und eine Datenwiederherstellung damit unmöglich gemacht wird.

Grundsätzlich gilt: Je mehr Informationen über den Ausfallhergang sowie über die vorhandene IT-Umgebung vorliegen, desto leichter wird es für die Datenrettungsingenieure, sofort die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören unter anderem die Angabe des RAID-Levels, des verwendeten Betriebs-und Dateisystems, der Position von Festplatten im RAID-Verbund sowie deren Slot-Nummer. So können in durchschnittlich mehr als 95 Prozent der Fälle verlorene Daten und ausgefallene Systeme vollständig wiederhergestellt werden.

Andreas Mortensen ist angehender B.A. mit langjähriger Erfahrung im IT-Sektor. Seit 2009 ist er bei dem Datenrettungsunternehmen http://www.attingo.com Attingo am Standort Hamburg als Key Account Manager tätig.

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