SIM-Swapping ist eine Form des Identitätsdiebstahls. Cyberkriminelle übernehmen die Kontrolle über eine fremde Mobilfunknummer. Das birgt für den Betroffenen ein hohes Risiko, denn die Mobilfunknummer wird häufig als zweiter Faktor bei der Authentifizierung von Web-Diensten oder Online-Konten genutzt.
SIM-Swapping ist eine Form des Identitätsdiebstahls, bei dem Cyberkriminelle die Kontrolle über eine Mobilfunknummer übernehmen.
Beim SIM-Swapping handelt es sich um eine Form des Identitätsdiebstahls. Alternative Begriffe für SIM-Swapping sind SIM-Swap, SIM-Karten-Swap, SIM-Karten-Hacking, SIM-Swap-Betrug, SIM-Hijacking oder SIM-Jacking. Bei einem SIM-Karten-Swap übernehmen Betrüger oder Cyberkriminelle die Kontrolle über die Mobilfunknummer des Angegriffenen, indem sie den Mobilfunkanbieter durch Vorspielen einer falschen Identität oder andere Tricks dazu bringen, ihnen die mit der SIM-Karte des Angegriffenen verknüpfte Mobilfunknummer physisch oder logisch zu übertragen.
Da Mobilfunknummern häufig als zweiter Faktor bei der Authentifizierung von Web-Diensten, Online-Konten oder Bankkonten und Banktransaktionen genutzt werden, lässt sich die gekaperte Rufnummer für kriminelle oder betrügerische Aktivitäten wie die Übernahme von Online-Konten, die Übernahme einer digitalen Identität in sozialen Netzwerken oder das unbefugte Ausführen von Geldtransaktionen verwenden. Bleibt ein SIM-Karten-Swap unbemerkt, ist das unter Umständen mit weitreichenden Folgen und finanziellen Schäden für den Betroffenen verbunden. SIM-Swapping verursacht weltweit große finanzielle Schäden. Auch bekannte Persönlichkeiten wie der Jack Dorsey, der ehemalige Vorstandsvorsitzenden von Twitter, waren bereits von dieser Form des Identitätsdiebstahls betroffen. Durch die zunehmende Verbreitung von eSIM-Angeboten ergibt sich ein zusätzliches Bedrohungspotenzial, Opfer eines SIM-Karten-Swaps zu werden. Mobilfunkanbieter haben entsprechende Sicherungsmechanismen implementiert, um SIM-Swapping zu verhindern.
Ablauf des SIM-Karten-Swaps und der darauf folgenden Angriffsaktivitäten
Um ein Mobilfunkgerät wie ein Smartphone in einem Mobilfunknetz zu betreiben und beispielsweise Anrufe zu tätigen oder im Internet zu surfen, benötigt man eine physikalische oder eine elektronische SIM-Karte. Die Mobilfunkidentität ist in Form der Mobilfunknummer fest mit der Karte verknüpft. Ein SIM-Karten-Swap beginnt in der Regel damit, dass ein Angreifer, persönliche Daten eines potenziellen Opfers sammelt oder versucht, an Zugangsdaten zum Online-Portal des Mobilfunkanbieters zu gelangen. Dies geschieht beispielsweise durch Phishing-Angriffe, Social Engineering oder den Kauf von geleakten oder gestohlenen persönlichen Daten oder Zugangsdaten im Darknet. Mit den auf diese Weise gesammelten Daten gibt der Angreifer sich über die Kundenhotline oder das Kundenportal gegenüber dem Mobilfunkanbieter als das potenzielle Opfer aus. Gelingt ihm das, bittet er den Mobilfunkanbieter, die Rufnummer auf eine neue SIM-Karte zu portieren und sie zuzuschicken oder elektronisch als eSIM zuzuweisen. Er behauptet beispielsweise, seine SIM-Karte verloren zu haben oder eine Karte im neuen Format für ein neues Smartphone zu benötigen. Teilweise wird auch versucht, den Mobilfunkvertrag unter falschem Namen zu kündigen und die Rufnummer zu einem anderen Anbieter mitzunehmen. Um in den Besitz einer neu versandten physischen SIM-Karte zu gelangen, lassen sich die Betrüger die SIM-Karte an eine falsche Adresse senden oder fangen den Brief mit der SIM-Karte ab. Bei der Übertragung der Telefonnummer auf eine eSIM ist das nicht notwendig, da hierbei ein Chip im Smartphone elektronisch mit dem neuen eSIM-Profil beschrieben wird.
Sobald der SIM-Karten-Swap gelungen ist und der Angreifer die Mobilfunknummer seines Opfers übernommen hat, kann er eine Vielzahl weiterer betrügerischer oder krimineller Aktivitäten starten. Grund dafür ist, dass das Smartphone oder Handy in Verbindung mit der Mobilfunknummer häufig als zweiter Faktor für eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) verwendet wird. Bei dieser Form der Authentifizierung erhält der Mobilfunkteilnehmer eine SMS an seine Mobilfunknummer, wenn er sich beispielsweise bei einem Online-Konto anmelden oder eine Finanztransaktion durchführen möchte. Erst mit der Eingabe der in der SMS enthaltenen Informationen (beispielsweise ein Zahlencode) kann er die gewünschte Aktion ausführen. Durch den SIM-Karten-Swap wird es dem Angreifer ermöglicht, solche Authentifizierungsnachrichten abzufangen und sich gegenüber Online-Diensten oder Bankinstituten als sein Opfer auszugeben. Auch beim Zurücksetzen von Passwörtern kann die Zwei-Faktor-Authentifizierung mithilfe der Mobilfunknummer zum Einsatz kommen. In diesem Fall kann sich der Angreifer einfach neue Passwörter für bestehende Konten des Opfers vergeben. Über den SIM-Karten-Swap und den Missbrauch der Zwei-Faktor-Authentifizierung wird der Identitätsdiebstahl der Mobilfunkidentität quasi auf Online-Konten und andere Dienste ausgeweitet.
SIM-Swapping ist mit erheblichen Gefahren für den Betroffenen verbunden und kann für ihn weitreichende negative Folgen haben. Typische Gefahren und Folgen eines SIM-Karten-Swaps sind:
Stand: 08.12.2025
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finanzielle Schäden aufgrund von durch den Angreifer verursachte kostenpflichtige Mobilfunkverbindungen
Verlust der Mobilfunkfunktionalität des eigenen Handys oder Smartphones (keine Gespräche oder Datenübertragungen mehr möglich)
Übernahme der Identität durch den Angreifer bei Online-Diensten, sozialen Netzwerken und anderen Services
Verlust der Kontrolle über persönliche Daten und Konten
finanzielle Schäden durch betrügerische Transaktionen über Bankkonten oder Kreditkarten
Diebstahl von digitalem Vermögen beispielsweise in Kryptowährungen
Verbreitung von Falschinformationen und gefälschten Nachrichten
Ausspionieren privater Aktivitäten und Daten
Lösegeldforderungen zur Wiederherstellung von Zugängen
Indizien und Warnsignale zum Erkennen von SIM-Swapping
Um das mögliche Schadensausmaß von SIM-Swapping zu begrenzen, ist es wichtig, einen SIM-Karten-Swap möglichst frühzeitig zu erkennen. Ein mögliches direktes Indiz für einen erfolgten SIM-Karten-Swap ist, dass es mit dem eigenen Handy oder Smartphone nicht mehr möglich ist, Anrufe zu tätigen, SMS zu versenden oder zu empfangen oder mobile Daten zu übertragen. Auch Verbindungen zu unbekannten Rufnummern oder ungewöhnlich hohe Mobilfunkrechnungen können ein Indiz für einen SIM-Karten-Swap sein. Darüber hinaus gibt es weitere indirekte Indizien oder Warnsignale für SIM-Swapping wie merkwürdige Anmeldebenachrichtigungen im E-Mail-Eingang, Benachrichtigungen über die Nutzung der Passwortrücksetzfunktion, nicht mehr zugängliche oder gesperrte Online-Konten, unbekannte oder nicht autorisierte Überweisungen, Rechnungen oder Kreditkartentransaktionen, merkwürdige oder ungewöhnliche Nachrichten und Posts in sozialen Netzwerken oder geleerte Krypto-Wallets.
SIM-Swapping lässt sich durch verschiedene Maßnahmen verhindern oder erschweren. Die Mobilfunkanbieter haben verschiedene Sicherheitsmaßnahmen implementiert, um die Übernahme einer Mobilfunkidentität durch einen Unbefugten per SIM-Karten-Swap zu verhindern. Dies sind beispielsweise zusätzliche, strenge Authentifizierungsanforderungen für die Freischaltung von eSIMs oder den Versand von Ersatz-SIM-Karten.
Auf Anwenderseite ist zunächst die Sensibilisierung für diese Art des Identitätsdiebstahls und Betrugs wichtig. Mobilfunknutzer sollten wissen, was SIM-Swapping ist, wie es funktioniert, wie man es erkennt, mit welchen Risiken SIM-Swapping verbunden ist und wie man sich davor schützt. Weiter Schutzmaßnahmen vor SIM-Swapping sind:
die Einhaltung der Grundlagen der Online-Sicherheit
Schutzmaßnahmen gegen Phishing
keine Preisgabe von sensiblen Informationen oder personenbezogenen Daten gegenüber unbekannten Diensten oder Personen
umsichtige Nutzung sozialer Netzwerke
Absicherung der Online-Konten bei Mobilfunkbetreibern über zusätzliche Maßnahmen wie Sicherheitsfragen
Absicherung des Versands einer neuen SIM-Karte oder der Portierung der Rufnummer auf eine neue eSIM mit einem zusätzlichen Passwort oder einer PIN oder per Rückruf über Festnetz
Vermeidung der Zwei-Faktor-Authentifizierung über Mobilfunknummern und SMS
keine Verknüpfung von (Online-)Konten mit Mobilfunknummern
Nutzung unterschiedlicher Passwörter für unterschiedliche Online-Konten
Nutzung alternativer Lösungen für die Zwei-Faktor-Authentifizierung wie die Verwendung von Authentifizierungs-Apps, Security-Token, TAN-Generatoren oder biometrischen Merkmalen
Aktivierung von (Push-)Benachrichtigungen über ungewöhnliche Aktivitäten
Nutzung von Monitoring-Tools zu Datenlecks
Nutzung von Anti-Viren-Software
Regelmäßige Updates und Patches von Betriebssystemen, Anwendungssoftware und Apps