So verändert Biometrie die Sicherheitsindustrie Gesichtserkennung statt Schlüssel

Ein Gastbeitrag von Markus Hartmann 4 min Lesedauer

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Biometrie boomt: Immer mehr Unternehmen setzen auf Fingerabdruck, Gesichtserkennung oder Venenscanner, um sensible Bereiche zuverlässig zu schützen. Der Vorteil: mehr Komfort, mehr Kontrolle – und eine deutlich höhere Fälschungssicherheit. Doch wie funktionieren diese Systeme genau, worauf kommt es beim Einsatz an und warum ist Biometrie das nächste Level moderner Sicherheitsarchitektur?

Biometrie ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist längst fester Bestandteil moderner Sicherheitsarchitekturen. (Bild: ©  JovialFox - stock.adobe.com)
Biometrie ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist längst fester Bestandteil moderner Sicherheitsarchitekturen.
(Bild: © JovialFox - stock.adobe.com)

Sicherheit wird in Zeiten von Wirtschaftsspionage großgeschrieben. Das erlebe ich als Geschäftsführer eines Tresoranbieters in meinen täglichen Gesprächen mit Kunden. Bereits heute setzen daher schon viel mehr Unternehmen auf High-Tech als vielen bewusst ist. Sensible Bereiche werden per Fingerabdruck oder Gesichtserkennung gesichert, Hochsicherheitszonen durch Iris- oder Venenscanner geschützt. Biometrische Systeme sind längst Teil moderner Sicherheitsarchitektur – und ihr Einsatz nimmt weiter zu.

Ob in Behörden, Industrieanlagen, Forschungseinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen oder an sicherheitskritischen Unternehmensstandorten: Laut einer Marktanalyse von Fortune Business Insights wird das weltweite Marktvolumen für biometrische Technologien bis 2029 auf über 75 Milliarden US-Dollar steigen. Doch welche Verfahren gibt es technisch eigentlich und wie werden diese definiert?

Schlüssel war gestern: Wie Biometrie den Zugang neu denkt

Ob Zugangskarte, PIN oder Passwort – klassische Sicherheitssysteme haben ihre Schwächen. Sie können vergessen, verloren oder weitergegeben werden. Kein Wunder also, dass immer mehr Unternehmen auf biometrische Lösungen setzen. Diese Systeme erkennen Menschen anhand individueller Merkmale – wie etwa dem Gesicht, dem Fingerabdruck oder der Stimme – und schaffen so mehr Sicherheit und Komfort im Alltag.

Was Biometrie so besonders macht

Biometrie beschreibt die Identifizierung von Personen auf Basis ihrer körperlichen oder verhaltensbezogenen Eigenschaften. Dazu zählen Fingerabdrücke, Irisstrukturen oder Venennetze unter der Haut – aber auch Muster beim Tippen oder Sprechen. Weil diese Merkmale einzigartig sind, gelten sie als besonders zuverlässig. Kein Fingerabdruck gleicht dem anderen – und auch kein Gesicht.

Hinzu kommt: Moderne Systeme arbeiten mit selbstlernenden Algorithmen, die sich kontinuierlich anpassen und so auch bei Veränderungen im Erscheinungsbild zuverlässig funktionieren.

So funktioniert der digitale Zwilling

Im Kern läuft jedes biometrische System auf einen Vergleich hinaus: Es erfasst aktuelle Daten und gleicht sie mit einem vorher gespeicherten Muster ab – dem „digitalen Zwilling“. Dabei kommen moderne Technologien wie Sensorik, Infrarotkameras, 3D-Scans und künstliche Intelligenz ins Spiel. Besonders beliebt ist die Gesichtserkennung: Sie ist kontaktlos, schnell und lässt sich vielseitig einsetzen. Je nach System kommen dabei 2D-Bilder, 3D-Tiefenmodelle oder fein aufgelöste Gitteranalysen zum Einsatz.

Echt oder Trick? So erkennt Technik Täuschungen

Damit biometrische Systeme nicht von Fotos, Videos oder Masken ausgetrickst werden, prüfen sie die Echtheit ihres Gegenüber – mit sogenannter Liveness Detection. Dabei wird erfasst, ob es sich wirklich um eine lebende Person handelt. Systeme messen zum Beispiel die räumliche Tiefe des Gesichts, analysieren Hauttextur und Wärmesignatur oder beobachten kleinste natürliche Bewegungen. Künstliche Intelligenz erkennt so selbst subtile Fälschungsversuche.

Was im Alltag schon funktioniert

In Unternehmen mit hohen Sicherheitsanforderungen kommen solche Systeme bereits heute zum Einsatz – etwa bei Zugangskontrollen. Ein Gesichtsscanner erkennt berechtigte Personen, prüft deren Echtheit und gewährt nur dann Zugang. Der Vorteil: Kein Suchen nach Schlüsseln, kein Passwort-Wirrwarr – und jeder Zugriff lässt sich eindeutig zuordnen.

Von Finger bis Vene: Welche Verfahren gibt es?

Neben der Gesichtserkennung zählen Fingerabdruckscanner zu den meistgenutzten Verfahren. Sie sind kostengünstig und effizient – besonders in kontrollierten Umgebungen. Iris- und Retina-Scanner bieten extrem hohe Fälschungssicherheit, sind jedoch technisch anspruchsvoller. Noch diskreter ist die Venenerkennung: Sie nutzt das unter der Haut liegende Muster der Blutgefäße – ein besonders sicheres Verfahren, weil es weder sichtbar noch einfach kopierbar ist. Zudem ergänzt Verhaltensbiometrie – etwa die Analyse von Tipp-Rhythmus oder Mausbewegungen – klassische Verfahren und ermöglicht eine kontinuierliche Authentifizierung im Hintergrund.

Was Unternehmen davon haben

Biometrische Systeme bieten viele Vorteile. Sie sparen Zeit, vermeiden Medienbrüche und machen den Alltag sicherer. Zugänge lassen sich genau dokumentieren, die Verwaltung von Passwörtern oder Zugangskarten entfällt. Außerdem lassen sich die Systeme gut skalieren – je nach Bedarf und Sicherheitsniveau. Das macht sie besonders attraktiv für Branchen mit hohen Anforderungen wie Energie, Gesundheit, Forschung oder Behörden.

Aber: Technik allein reicht nicht

Trotz aller Vorteile braucht es eine durchdachte Umsetzung. Datenschutz steht dabei ganz oben: Biometrische Daten gelten als besonders sensibel und unterliegen strengen Vorgaben. Unternehmen müssen genau regeln, wie sie gespeichert, verarbeitet und gelöscht werden. Auch technische Verlässlichkeit ist wichtig – damit autorisierte Personen nicht blockiert und Unbefugte zuverlässig erkannt werden. Und: Nicht jedes Verfahren passt zu jedem Ort. Kontaktbasierte Systeme wie Fingerabdruckscanner funktionieren gut im Innenbereich, während bei höherem Risiko kontaktlose oder kombinierte Lösungen gefragt sind.

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Was morgen schon Realität sein kann

Die Entwicklung geht schnell weiter. Immer mehr Systeme kombinieren mehrere biometrische Merkmale – zum Beispiel Gesicht und Stimme. Diese sogenannten multimodalen Verfahren machen Manipulationen noch schwieriger und die Nutzung komfortabler. Fortschritte bei künstlicher Intelligenz und Deep Learning sorgen dafür, dass Systeme schneller, präziser und flexibler werden. Neben Zutrittskontrollen kommen sie auch in der Zeiterfassung, in Produktionsprozessen oder bei digitalen Logins zum Einsatz.

Fazit: Sicherheit, die mitdenkt

Biometrie ist kein Zukunftsthema mehr – sie ist längst fester Bestandteil moderner Sicherheitsarchitekturen. Wer heute auf biometrische Systeme setzt, profitiert von höherer Kontrolle, mehr Effizienz und besserer Nutzererfahrung. Klar ist aber auch: Technologie allein reicht nicht. Entscheidend ist, dass sie sinnvoll eingebettet wird – als Teil einer ganzheitlichen Sicherheitskultur.

Über den Autor: Markus Hartmann ist Vorstand der Hartmann Tresore AG sowie Geschäftsführer der HJP Consulting GmbH und treibt in dieser Rolle die Digitalisierung des traditionsreichen Familienunternehmens voran. Er verantwortet die Bereiche Produkt­management, Vertrieb und Marketing und engagiert sich als Vorstandsmitglied der European Security Systems Association (ESSA) sowie in ISO/DIN-Arbeitsgruppen für die Weiterentwicklung der Tresorindustrie.

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