BlackBerry Global Threat Intelligence Report Q3-2023 Bedrohungen durch neuartige Malware-Angriffe nehmen um 70 Prozent zu

Ein Gastbeitrag von Ulf Baltin 3 min Lesedauer

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Sicherheit gehört in Zeiten der Digitalisierung zu den zentralen Anforderungen an IT-Infrastrukturen und -systeme. Um die Dynamik aktueller Cybergefahren abzubilden, hat der BlackBerry Global Threat Intelligence Report die größten Bedrohungen für Industrie und Unternehmen zusammengefasst. Zentrale Erkenntnis: Neuartige Malware-Angriffe verzeichnen eine 70-prozentige Zunahme. Dabei stehen der Finanz­dienst­leistungs- und Gesundheitssektor besonders im Fokus der Angreifer.

Cyberkriminelle fordern häufig nicht nur Lösegeld, um den Zugang zu Unternehmenssystemen wiederherzustellen, sondern stehlen auch Daten und drohen, diese im Dark Web zu veröffentlichen oder zu verkaufen.(Bild:  zephyr_p - stock.adobe.com)
Cyberkriminelle fordern häufig nicht nur Lösegeld, um den Zugang zu Unternehmenssystemen wiederherzustellen, sondern stehlen auch Daten und drohen, diese im Dark Web zu veröffentlichen oder zu verkaufen.
(Bild: zephyr_p - stock.adobe.com)

Mit durchschnittlich 26 Cyberangriffen pro Minute nehmen die Cyberkriminellen speziell hochkritische oder finanziell lukrative Branchen ins Visier. Dabei geben sie sich große Mühe, die Zahl und Bandbreite ihrer Attacken auszubauen und die Abwehrmaßnahmen zu umgehen. Dem aktuellen BlackBerry Global Threat Intelligence Report zufolge spürten KI-gestützte Cyber-Sicherheitslösungen eine um mehr als zwei Drittel angestiegene Anzahl neuartiger Malware-Bedrohungen auf.

Datendiebstahl zu Sabotagezwecken als Ziel von Cyberkriminellen

Für den Zeitraum Juni bis August 2023 konstatiert BlackBerry neben dem anhaltenden Anstieg von Cyberangriffen pro Minute ein Volumen von 3,3 Millionen abgewehrten Attacken. Das entspricht etwa 2,9 einzelnen Malware-Proben pro Minute. Das am stärksten attackierte Ziel waren Finanz- und Kreditinstitute, den zweiten Platz belegten Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Gesundheitsbranche verzeichnete einen weltweit enormen Anstieg von 181 Prozent bei einzigartigen Malware-Angriffen. Als Grund, diese beiden Wirtschaftszweige verstärkt ins Fadenkreuz zu nehmen, gilt deren großer Bestand an wertvollen Daten. Sie zu erbeuten und gegebenenfalls Dienste zu stören, die kritisch für den Geschäftsbetrieb sind, liefern den Kriminellen einen erheblichen Anreiz, Angriffe mit potenziell hoher Ausbeute auszuführen.

Auch öffentliche Einrichtungen gerieten immer mehr ins Fadenkreuz der Cyberakteure. Sabotageakte und politische Motive waren für den Anstieg um 50 Prozent verantwortlich.

Branchenübergreifend ist ein anhaltender Anstieg von Ransomware-Attacken zu verzeichnen. Wobei ein Zusammenhang mit zunehmenden Zero-Day-Angriffen besteht, bei denen neue Sicherheitslücken selbst nach der Veröffentlichung eines Patches lange Zeit ungepatcht bleiben können. Dies unterstreicht, wie wichtig es für Unternehmen ist, ihre IT-Systeme sorgfältig mit den neuesten Software-Patches und -Updates zu versorgen.

Doppelerpressung durch Ransomware-Gruppen

Weltweit optimieren Unternehmen ihre Strategien zur Datensicherung. Als Folge davon sind bekannte Ransomware-Gruppen wie LockBit, Cl0p, Cuba und ALPHV dazu übergegangen, doppelte Erpressungstaktiken anzuwenden, um ihre Erfolgsaussichten zu steigern. Dies ist eine Reaktion darauf, dass die Unternehmen bei der Sicherung ihrer Daten sorgfältiger werden, damit sie ihre Systeme im Falle eines Angriffs schneller wiederherstellen können. Es gibt Anzeichen dafür, dass Gruppen Lösegeld fordern, um den Zugang zu Unternehmenssystemen wiederherzustellen, aber auch Daten stehlen und drohen, diese im Dark Web zu veröffentlichen oder zu verkaufen.

Immer häufiger wird auch von Triple- oder sogar "Quadruple-Erpressungsangriffen" berichtet, bei denen zusätzliche Bedrohungen wie DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) eingesetzt werden, um den Druck auf die Opfer zu erhöhen.

Über 50 Prozent mehr Cyberattacken auf Einrichtungen des öffentlichen Sektors sind in den USA und Australien zu verzeichnen. Die meisten davon wurden erfolgreich abgewehrt. Auch bei der Identifikation außergewöhnlicher Malware haben die Vereinigten Staaten die Nase vorn.

NIS 2-Richtlinie senkt Risiko von Cyberkriminalität

Die von vielen Unternehmen und Behörden sehnlichst erwartete Entspannung der Bedrohungssituation verspricht die aktualisierte EU-Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit, kurz: NIS 2. Im Oktober 2024 tritt sie in allen EU-Mitgliedstaaten in Kraft. Zwar erfordert es Zeit und eine solide Strategie, damit Unternehmen die NIS 2-Anforderungen einhalten können. Aber viele Insider rechnen damit, dass das Regelwerk dazu beitragen wird, die Cyberkriminalität in der EU zu verringern. Laut Agentur der Europäischen Union für Cybersicherheit (ENISA) richtet sich die überwiegende Mehrheit der Attacken in Europa gegen die öffentliche Verwaltung und Regierungen sowie gegen Anbieter digitaler Dienste und kritischer Infrastrukturen – also genau jene Sektoren, für die die aktualisierte NIS2-Richtlinie gilt.

Über den Autor: Ulf Baltin ist Managing Director DACH bei BlackBerry.

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