Mimecast Global Threat Intelligence Report Q3-2023 Cyberattacken zwischen neuen und alten Angriffsvektoren

Von Peter Schmitz 3 min Lesedauer

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Der am 29. November vorgestellte Mimecast Global Threat Intelligence Report für das 3. Quartal 2023 bestätigt in vieler Hinsicht die Erkenntnisse des jährlichen Berichtes zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland, den das BSI Anfang November veröffentlicht hatte. Wie können Unternehmen ihre Geschäftsmodelle und Kundendaten schützen?

Angreifer bedienen sich heute raffinierten Attacken, die erst durch neue KI-Technologien möglich werden. Gleichzeitig setzen sie auch verstärkt auf schädliche Dateianhänge im PDF- und Microsoft Excel-Format.(Bild:  Arthur Kattowitz - stock.adobe.com)
Angreifer bedienen sich heute raffinierten Attacken, die erst durch neue KI-Technologien möglich werden. Gleichzeitig setzen sie auch verstärkt auf schädliche Dateianhänge im PDF- und Microsoft Excel-Format.
(Bild: Arthur Kattowitz - stock.adobe.com)

Bescheinigte der BSI-Lagebericht Deutschland so hohe Cyberrisiken wie nie zuvor und immer professionellere Angreifer, fasst der Mimecast Global Threat Intelligence Report Q3-2023 das Ausmaß in eine erschreckende Zahl: Ganze 97 Prozent aller Unternehmen waren in den vergangenen zwölf Monaten von E-Mail-basierten Phishing-Angriffen betroffen, zwei Drittel von Ransomware-Attacken. Als führender Anbieter von E-Mail- und Collaboration-Sicherheitslösungen verfügt Mimecast über datenbasierte Erkenntnisse über Bedrohungen – oft, bevor sie einer größeren Öffentlichkeit bekannt werden. Für seine vierteljährlich erscheinenden Threat Intelligence Reports wertet das Unternehmen mehr als eine Milliarde E-Mails pro Tag aus.

Bei den Angriffsvektoren vollzieht sich eine auf den ersten Blick widersprüchliche Entwicklung. Neben immer raffinierteren und überzeugenderen Impersonations­attacken, die durch Fortschritte bei KI-Technologien erst möglich werden, ist gleichzeitig eine Art „Back to the Roots“ zu beobachten: Hacker bedienen sich wieder verstärkt schädlicher Dateianhänge im PDF- und zunehmend auch im Microsoft Excel-Format zu. Deren Einsatz nahm im 3. Quartal um 158 Prozent bzw. 86 Prozent zu. Auch die Zahl bösartiger Links, die an einzelne Nutzer in Unternehmen gesendet wurden, stieg zweistellig.

Neue Bedrohungen durch cloudbasierte Collaboration Tools

72 Prozent der Sicherheitsteams in Unternehmen weltweit rechnen mit Attacken, die ihren Ausgangspunkt in cloudbasierter Collaboration Tools wie Teams oder Slack haben. Solche Angriffe nahmen im 2. Halbjahr 2023 erheblich zu (Security-Insider berichtete). Während das Thema bei Fachleuten bereits sehr präsent ist, fehlt bei Belegschaften oft noch das Bewusstsein für die Risiken von Teams, Slack & Co. Microsoft selbst hatte Anfang September eine entsprechende Warnung ausgegeben. Auch wenn E-Mails noch immer das Haupteinfallstor sind, entsteht mit den beliebten und in Zeiten verstärkter Distanzarbeit stark genutzten Teamwork-Tools eine neue Front. Versuche, Anmeldedaten („credential fishing“) über cloudbasierte Collaboration Tools zu stehlen, stiegen im dritten Quartal deutlich an.

Einen deutlichen Anstieg gab es auch bei Zero-Day-Bedrohungen, wobei die Angreifer durch das Ausnutzen von Schwachstellen, für die es noch keine Lösung gibt, verstärkt auf Cloud-Plattformen und -Anwendungen abzielten – insbesondere die der drei großen Hyperscaler Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Kritische Sicherheitslücken wurden u.a. in den Open-Source-Grafikbibliotheken libvpx und libwebp identifiziert. Sie können Google Chrome, Mozilla Firefox und weitere Anwendungen gefährden.

Kleine und mittlere Unternehmen zunehmend betroffen

Bereits der BSI-Lagebericht stellte fest, dass ausdrücklich auch kleinere und mittlere Unternehmen in den Fokus der Angreifer rücken – auch deshalb, weil sie es ihnen über die Software Supply Chain ermöglichen, größere Akteure und ganze Branchen zu infiltrieren. Die von Zahl von 97 Prozent betroffener Unternehmen zeigt deutlich, dass kein Unternehmen sicher vor Cyberkriminellen ist. Mittelständische Unternehmen verzeichneten im dritten Quartal einen Anstieg der versuchten und vollendeten Angriffe um mehr als 21 Prozent – ein Trend, der sich im kommenden Jahr weiter verstärken wird.

Die meisten Bedrohungen pro Nutzer wurden in den Bereichen Personalwesen, Software und Dienstleistungen im IT-Bereich sowie Finanzdienstleistungen (insbesondere Banken) verzeichnet. Ein gleichbleibend hohes Maß an Bedrohungsaktivitäten wurde in den Sektoren Produktion, Logistik sowie Einzel- und Großhandel registriert.

Mitarbeiter und Cloud-Security-Lösungen unter Druck

Die Folgen von Cyberattacken sind schwerwiegend und reichen von enormen wirtschaftlichen Schäden (der Branchenverband Bitkom bezifferte im September 2023 den Schaden pro Jahr auf 206 Milliarden Euro) über Rufschäden, rechtliche Konsequenzen wie Vertragsstrafen und den Verlust von Kundenvertrauen bis zu der starken Belastung von Mitarbeitern. Letztere droht, den Fachkräftemangel zu verschärfen. Das Analysehaus Gartner prognostiziert in diesem Zusammenhang, dass bis 2025 fast die Hälfte der Cybersecurity-Experten den Arbeitsplatz und 25 Prozent aufgrund von Mehrfachbelastungen am Arbeitsplatz sogar den Beruf wechseln oder ganz ausscheiden werden. Cybersecurity-Fachleute seien „mit einem unhaltbaren Maß an Stress konfrontiert“, kommentierte Deepti Gopal, Director Analyst bei Gartner, die Einschätzung.

Viele Unternehmen verlassen sich auf die nativen Sicherheitsmechanismen von Google Workspace und Microsoft 365. Da jedoch 95 Prozent des Cloud-E-Mail-Aufkommens über diese beiden Dienste laufen, stehen sie im ständigen Fokus der Angreifer, denen es immer wieder gelingt, ihre Verteidigungsmaßnahmen zu umgehen. Unternehmen, die lokale Server nutzen, verzeichnen laut Versicherern weniger Attacken, Unternehmen, die zusätzliche Sicherheitslösungen von Drittanbietern nutzen, konnten ihre „Angriffsbilanz“ zusätzlich verbessern. Auch KI-unterstützte Secure E-Mail Gateways (SEG) sorgen für zusätzlichen Schutz, denn sie filtern gefährliche E-Mails, bevor sie den E-Mail-Server erreichen. Ganzheitliche Schutzkonzepte müssen sich auf die gesamte Umgebung – inklusive Collaboration Tools – erstrecken. Hier gilt es vor allem auch ein Risikobewusstsein zu schaffen: Aus den jüngsten Untersuchungen von Mimecast zur E-Mail- und Collaboration-Sicherheit geht hervor, dass Mitarbeiter das Thema E-Mail-Sicherheit ernster nehmen und sich der Risiken von Teamwork-Software oft noch nicht voll bewusst sind.

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