IT-Sicherheit Was Hacker mit medizinischen Daten anstellen

Ein Gastbeitrag von Darren Guccione 3 min Lesedauer

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In unserer Serie über Cybersecurity im Gesundheitswesen geht es im dritten Teil um die Frage, was mit erbeuteten Gesundheitsdaten passieren kann.

Weil Gesundheitsdaten umfangreich und personenbezogen sind, lassen sich hierfür im Darknet hohe Beträge erzielen.(©  studio v-zwoelf - stock.adobe.com)
Weil Gesundheitsdaten umfangreich und personenbezogen sind, lassen sich hierfür im Darknet hohe Beträge erzielen.
(© studio v-zwoelf - stock.adobe.com)

Im Gegensatz zu Kreditkarteninformationen oder anderen Anmeldedaten, haben medizinische Daten und Dokumente nicht nur eine lange Lebensdauer, sondern sie sind auch nahezu unveränderlich. Genau diese beiden Komponenten sind es, die sie für Cyberkriminelle so wertvoll machen. Denn aufgrund ihrer Langlebigkeit und der schweren Unveränderlichkeit, lassen sich böswillige Cyberaktivitäten, die mittels gestohlener Patientendaten durchgeführt werden, nur schwer identifizieren. Das wiederum versetzt die Cyberkriminellen in die Lage, über einen längeren Zeitraum unentdeckt ihr Schindluder treiben zu können.

Wenn man bedenkt, dass über 84 Millionen Menschen in Deutschland leben und nahezu alle versichert sind, weil es eine Krankenversicherungspflicht gibt, sind die Dimensionen gehackter Gesundheitsdaten schnell nachvollziehbar. Deshalb gilt es wachsam zu sein, auch hinsichtlich der Methoden, bei denen Hacker die Informationen aus gestohlenen Patientenakten verwenden.

Identitätsdiebstahl

Ein Identitätsdiebstahl liegt dann vor, wenn ein Krimineller die persönlichen Daten eines Opfers nutzt, um sich als dieses auszugeben. Das große Problem dabei: Indem sich der Hacker anhand der gestohlenen Daten (Sozialversicherungsnummer, Geburtsdatum etc.) als das Opfer ausgibt, hat er nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. So können beispielsweise Bankgeschäfte missbräuchlich getätigt werden, inkl. einer Kreditaufnahme, bei der das aufgenommene Geld auf das Konto des Cyberkriminellen ausgezahlt wird. Oder es werden Sozialleitungen erschlichen, wie etwa bei Zuschüssen, Darlehen, Arbeitslosengeld etc. Aber es können auch ganz normale Aktivitäten wie etwas Einkäufe im Internet auf diese Art und Weise erfolgen – sprich der Hacker kauft und bekommt die Ware, während das Opfer auf den Kosten sitzen bleibt. Wenn das Opfer dann den Betrug merkt und nachweisen will, dass es sich um eine geklaute Identität handelt, kann sich das durchaus schwierig gestalten.

Ransomware

Cyberkriminelle nutzen Patientendaten aber auch für Erpressungszwecke – und zwar, indem sie beispielsweise die gehackten Daten der kompromittierten Einrichtung mittels Ransomware verschlüsseln. Ransomware wird auch als Erpressungstrojaner bezeichnet und obwohl es inzwischen weitreichende Aufklärungskampagnen gibt, fallen immer wieder Menschen auf einen solchen Trojaner herein. So wurde erst kürzlich im Rahmen eines Roundtables der Röhnstiftung berichtet, dass ein Klinikangestellter bedenkenlos Word-Dokumente eines zweifelhaften Absenders öffnete – in der Hoffnung auf Gratis-VIP-Karten für ein Bundesligafußballspiel. Auch Chefärzte seien trotz diverser Sicherheitsschulungen schon auf dergleichen hereingefallen. Sind die Daten dann erst einmal gesperrt, schicken die Kriminellen ihre Lösegeldforderung, und die Einrichtung muss sehen, wie sie damit umgeht. Bestenfalls hat sie ein solides Backup-Konzept im Einsatz, sodass zumindest weitergearbeitet werden kann; wie jedoch im Einzelfall zu verfahren ist, kann sehr unterschiedlich sein. Laut BSI wurden 2023 täglich rund 250.000 neue Varianten von Schadprogrammen registriert. Das entspreche einer Steigerung von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr, heißt es im Lagebericht zur IT-Sicherheit, und angesichts der Sensibilität ihrer Daten sei das vor allem für Gesundheitseinrichtungen von besonderer Bedeutung.

Darknet

Auch im Darknet schlachten die Kriminellen medizinische Daten aus, indem sie die gestohlenen Daten zum Kauf anbieten. Weil Gesundheitsdaten umfangreich und personenbezogen sind, lassen sie hierfür höhere Beträge erzielen als für andere Daten. So kann ein Cyberkrimineller mit persönliche Informationen wie beispielsweise der Sozialversicherungsnummer oder Anmeldedaten für E-Mail-Konten im Darkweb zwischen 1 und 3 US-Dollar erzielen. Bietet er jedoch medizinische Daten an, lassen sich damit 1.000 US-Dollar und mehr verdienen – je Datensatz.

Es gilt also wachsam zu sein und niemandem blind zu vertrauen. Im nächsten Teil der Serie gibt es eine Checkliste, damit Sie sich und andere besser schützen können.

Darren Guccione
CEO und Mitbegründer von Keeper Security

Bildquelle: Keeper Security

Alle Teile dieser Serie über Cybersecurity im Gesundheitswesen:

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