Verizon Data Breach Investigations Report 2017

Cyberspionage und Ransomware auf dem Vormarsch

| Redakteur: Peter Schmitz

Die 10. Ausgabe des Verizon DBIR zeigt: Cyberspionage trifft vor allem die verarbeitende Industrie, die öffentliche Hand sowie den Bildungssektor.
Die 10. Ausgabe des Verizon DBIR zeigt: Cyberspionage trifft vor allem die verarbeitende Industrie, die öffentliche Hand sowie den Bildungssektor. (Bild: Verizon)

Cyberspionage ist in den Bereichen verarbeitende Industrie, öffentliche Hand und Bildung aktuell die verbreitetste Angriffsform. Zu diesem Ergebnis kommt der Data Breach Investigations Report (DBIR) 2017 von Verizon. Dies ist zum großen Teil auf verbreitete kommerzielle Forschung, Prototypenentwicklung und vertrauliche persönliche Daten zurückzuführen, die bei Cyberkriminellen besonders hoch im Kurs stehen. Nahezu 2.000 Datenschutzverletzungen wurden im Rahmen des diesjährigen Berichts analysiert, über 300 davon standen im Zusammenhang mit Spionage, die in vielen Fällen als Phishing-E-Mail ihren Anfang nahm.

Organisierte kriminelle Gruppierungen haben den Einsatz von Ransomware deutlich ausgeweitet, um Geld von Opfern zu erpressen. Das ist eine weitere Erkenntnis der 10. Ausgabe des Verizon Data Breach Investigations Report (DBIR). Im aktuellen Bericht ist von einer 50-prozentigen Zunahme von Ransomware gegenüber dem Vorjahr die Rede. Der DBIR 2017 verbindet tagesaktuelle Analysen der größten Problempotentiale im Bereich Cybersicherheit mit branchenspezifischen Erkenntnissen und bringt damit das Thema Sicherheit auf die Tagesordnung eines jeden Unternehmens.

Trotz dieser Entwicklung und vieler Medienberichte verlassen sich viele Firmen und Behörden weiter auf veraltete Sicherheitslösungen und investieren nicht in vorbeugende Maßnahmen. Bei Ransomware wird eher einer Lösegeldforderung nachgegeben als in Sicherheits-Dienstleistungen zu investieren, mit denen man die Gefahr von Cyberattacken mindert.

„Die Erkenntnisse aus dem DBIR verbessern die Sicht auf den Bereich Cybersicherheit“, so George Fischer, President, Verizon Enterprise Solutions. „Unsere Daten geben Firmen und Behörden die nötigen Informationen an die Hand, um Cyberattacken zuvorzukommen und Cyberrisiken effizienter abzumildern. Durch Analyse der Daten unseres eigenen Sicherheitsteams sowie die anderer führender Sicherheitsexperten von überall aus der Welt, sind wir in der Lage, wertvolle Informationen zur Verfügung zu stellen, mit deren Hilfe sich das Risikoprofil einer Organisation positiv beeinflussen lässt.“

Die wichtigsten Ergebnisse des DBIR 2017

Malware ist „big business“: Bei einundfünfzig (51) Prozent der untersuchten Datenschutzverletzungen war Malware im Spiel. Ransomware-Angriffe sind die fünfthäufigste Malware-Variante. Die Verwendung von Ransomware, um Geld mit Hilfe von Technologie zu erpressen, erlebte gegenüber dem Vorjahr eine 50-prozentige Zunahme. Im DBIR 2014 rangierte diese Art von Malware noch auf Platz 22.

Phishing ist nach wie vor eine bevorzugte Technik: Im DBIR 2016 hatte Verizon bereits auf die zunehmende Verwendung von Phishing-Techniken hingewiesen, mit denen mit krimineller Absicht Software auf dem Device des Benutzers installiert wird. Im aktuellen Bericht folgen 95 Prozent der Phishing-Angriffe diesem Schema. Bei 43 Prozent der Datendiebstähle kam Phishing zum Einsatz; die Methode wird sowohl für Cyberspionage als auch bei finanziell motivierten Angriffen eingesetzt.

Pretexting nimmt zu: Eine weitere Taktik mit wachsender Beliebtheit ist Pretexting. Der DBIR 2017 zeigt, dass primär Mitarbeiter von Finanzabteilungen im Visier stehen, also diejenigen, die für Finanztransaktionen zuständig sind. An der Spitze der Kommunikations-Vektoren steht E-Mail, bei 88 Prozent der Pretexting-Vorfälle im Finanzbereich kam sie zum Einsatz, gefolgt von Telefonkommunikation mit knapp 10 Prozent.

Auch "kleinere" Unternehmen sind Angriffsziel: 61 Prozent der analysierten Opfer waren Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern.

„Cyberangriffe auf die Schwachstelle Mensch sind weiterhin ein vorrangiges Thema“, so Bryan Sartin, Executive Director, Global Security Services, Verizon Enterprise Solutions. „Die Cyberkriminellen konzentrieren sich dabei auf die vier wesentlichen Antriebskräfte menschlichen Verhaltens, um an Informationen zu gelangen: Begierde, Zerstreuung, Neugier und Unsicherheit. Wie unser Bericht zeigt, funktioniert das hervorragend, wobei Phishing und Pretexting dieses Jahr deutlich zugenommen haben.“

Branchenkenntnisse ermöglichen Kunden reale Einblicke

Der diesjährige Bericht gibt Einblicke in vier wichtige Branchen. Er zeigt die spezifischen Herausforderungen auf, denen die verschiedenen vertikalen Sektoren gegenüberstehen, und gibt darüber hinaus Antworten auf „Wer? Was? Warum? Und wie?“.

Hier die wichtigsten branchenspezifischen Erkenntnisse:

  • Besonders betroffen bei Datenschutzverletzungen sind die Branchen Finanzdienstleistungen (24 Prozent), Gesundheitsfürsorge (15 Prozent) und öffentliche Hand (12 Prozent).
  • Unternehmen der verarbeitenden Industrie sind die häufigsten Opfer für E-Mail-basierte Malware.
  • 68 Prozent der Bedrohungsakteure im Healthcare-Bereich kommen aus der Organisation selbst.

„Die Cybercrime-Daten variieren je nach Branche gewaltig“, so Sartin. „Nur durch eingehendes Verständnis der grundlegenden Funktionsweisen jeder einzelnen Vertikalen kann man die jeweiligen Cybersecurity-Bedrohungen richtig einschätzen und angemessene Empfehlungen aussprechen.“

Maßgeblicher Cybersecurity-Report auf Datenbasis

Den „Verizon Data Breach Investigations Report“ gibt es seit nunmehr zehn Jahren. Er nutzt die gesammelten Daten von 65 Partnern rund um den Globus. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind unabhängig von Produkten oder Unternehmen. Der diesjährige Bericht basiert auf der Analyse von 42.068 Vorfällen und 1.935 Datenschutzverletzungen aus 84 Ländern. Der DBIR ist auch weiterhin die am stärksten auf Daten basierende Publikation mit der größten Anzahl an Datenquellen, die allesamt für ein Ziel genutzt werden: die Furcht, Unsicherheit und Zweifel rund um Datensicherheit zu durchtrennen.

„Begonnen haben wir den DBIR im Wesentlichen mit einer einzigen Datenquelle – unserem eigenen Unternehmen“, erklärt Sartin. „Unsere Vision besteht darin, Branchen mit dem Ziel zu vereinen, der Cyberkriminalität entschlossen entgegenzutreten und wir sind auf dem besten Weg dahin. Den Erfolg der DBIR-Reihe verdanken wir den Beiträgen unserer Partner, die uns Jahr für Jahr unterstützen. Gemeinsam haben wir die Barrieren eingerissen, von denen die Cyberkriminalität umgeben war, wir haben für Vertrauen und Glaubwürdigkeit gesorgt. Niemand muss Cyberkriminalität stillschweigend hinnehmen – das Wissen ist da und wartet darauf, genutzt zu werden.“

Grundlagen schaffen

81 Prozent der Datenschutzverletzungen machen sich gestohlene, schwache oder leicht zu erratende Passwörter zunutze. Grundsätzliche Dinge richtig zu machen, war noch nie so wichtig. Hier einige Empfehlungen, die auf Unternehmen und Einzelpersonen gleichermaßen zutreffen:

  • 1. Wachsam bleiben – Log-Dateien und Change-Management-Systeme warnen frühzeitig vor eventuellen Datendiebstählen.
  • 2. Menschen zur vordersten Verteidigungslinie machen – Mitarbeiter schulen, damit diese Warnsignale erkennen.
  • 3. Daten nur nach dem Need-to-know-Prinzip bevorraten – lediglich die Mitarbeiter, die für ihre Tätigkeit den Zugang zu Systemen benötigen, sollten Zugang haben.
  • 4. Patches sofort installieren – das könnte vor zahlreichen Angriffen schützen.
  • 5. Sensible Daten verschlüsseln – Daten sind dadurch im Fall eines Diebstahls nahezu nutzlos.
  • 6. Zweifaktor-Authentifizierung einsetzen – damit kann der Schaden aufgrund verlorener oder gestohlener Zugangsdaten minimiert werden.
  • 7. Physische Sicherheit nicht vergessen – nicht alle Datendiebstähle passieren online.

„Unser Bericht macht deutlich, dass es so etwas wie ein einbruchsicheres System nicht gibt. Wenn man aber grundlegende Dinge richtig macht, kann das schon einiges bewirken. Häufig reichen grundsätzliche Sicherheitsvorkehrungen aus, um Datendiebe abzuschrecken, die sich lieber mit leichteren Zielen befassen“, so Sartin.

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