Digitale Hilfe gegen die Lieferkettenkrise Die digitale Bewältigung der Lieferkettenkrise

Von Henning Hatje

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Die Beschränkungen des Lockdowns für Unternehmen wurden gelockert, doch mittlerweile setzen neue Herausforderungen, wie die Energie- und Gaskrise, die steigende Inflation, stagnierende Volkswirtschaften und Unterbrechungen der Lieferketten die globalen Beschaffungsmärkte unter Druck. Angesichts dieses Problemclusters müssen dringend neue Lösungen gefunden werden.

Die Digitalisierung in der Beschaffung ermöglicht es Unternehmen, Kosten zu senken und gleichzeitig ESG-Richtlinien einzuhalten und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten zu optimieren.
Die Digitalisierung in der Beschaffung ermöglicht es Unternehmen, Kosten zu senken und gleichzeitig ESG-Richtlinien einzuhalten und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten zu optimieren.
(Bild: Travel mania - stock.adobe.com)

Durch steigende Energiepreise werden Lieferungen immer langsamer, teurer und unzuverlässiger. Das äußert sich in der Technologiebranche in Form einer zunehmenden Supraleiterknappheit. Dabei sind Supraleiter als wesentlicher Bestandteil aller Computertechnologien unersetzlich, und es wird erwartet, dass der Markt bis 2030 ein Volumen von mehr als 18 Mrd. USD erreichen wird. Unterbrechungen der Lieferkette in diesem Zusammenhang haben daher weitreichende Folgen für alle technologischen Branchen.

Angesichts dieser Situation, stellt sich die Frage: Gibt Wege Beschaffungsprozesse zu digitalisieren um, widerstandsfähigere Lieferketten zu schaffen?

Vorteile einer digitalisierten Beschaffung

Das Supply-Chain-Management ist im Wandel. Heute geht es vor allem darum, sicherzustellen, dass Lieferketten widerstandsfähig sind, und um das Einhalten der ESG-Vorschriften. Widerstandsfähigkeit setzt sowohl Transparenz als auch Flexibilität voraus. Beides lässt sich durch die Digitalisierung von Beschaffungsprozessen ermöglichen. Wenn man sich auf manuelle Prozesse verlässt, reagieren Beschaffungsteams langsamer auf Krisen und verursachen somit mehr Kosten. Durch digitale Prozesse können Unternehmen auf Knopfdruck Bestellanforderungen verwalten und automatisieren, sowie Lieferanten bewerten. Softwarelösungen sparen im Vorfeld Ressourcen ein und reduzieren gleichzeitig die laufenden Betriebs- und Prozesskosten. Recherchen der The Hackett Group zeigen, dass diese Einsparungen bis zu 30 Prozent betragen können.

Um die Risiken in der Lieferkette zu minimieren, müssen Unternehmen in der Lage sein, genau festzustellen, wo die Schwachstellen liegen und wo die Lieferkette am ehesten "auseinanderbrechen" könnte. Im Bedarfsfall müssen Unternehmen schnell reagieren, indem sie entweder den Lieferanten wechseln oder andere Produkte ordern. Schnelle Entscheidungen in der Beschaffung können nur in Verbindung mit digitalisierten Workflows erfolgreich getroffen werden. Die Digitalisierung der Beschaffung fördert zudem die Nachhaltigkeitsbemühungen von Unternehmen, da KI-unterstützte Plattformen es den Beschaffungsteams ermöglichen, Lieferanten auf der Grundlage von ESG-Kriterien auszuwählen, umweltfreundlichere Transaktionen zu tätigen und die Einhaltung künftiger Vorschriften wie das deutsche Lieferkettengesetz zu gewährleisten.

Die Corona-Pandemie hat die Umstellung der Beschaffungsprozesse in die digitale Welt in vielen Bereichen und Branchen vorangetrieben. Doch welche Tools gibt es und wie können Unternehmen diese für ihre Zwecke erfolgreich nutzen?

1. ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning)

ERPs sind Plattformen, die Unternehmen zur Verwaltung ihrer täglichen Geschäftsaktivitäten nutzen. Dies kann vom Produkt- bis zum Risikomanagement reichen, aber auch bei der Beschaffung und bei den Abläufen der Lieferkettenoperationen helfen. ERPs sind für Unternehmen von entscheidender Bedeutung, da sie den Datenfluss zwischen einer Vielzahl von Geschäftsprozessen und -einheiten ermöglichen. Dies bedeutet eine Optimierung der Arbeitsabläufe und entlastet die Mitarbeiter von manuellen Aufgaben, wodurch die Kapazitäten der Teammitglieder für strategisch wichtigere Aktivitäten freigesetzt werden. Diese Systeme können auch Beschaffungslösungen anbieten, die sowohl auf die Branche als auch auf die Bedürfnisse eines Unternehmens angepasst sind.

2. Künstliche Intelligenz

Oft reichen große ERP-Systeme jedoch nicht aus, um hohe Kosten und Ineffizienz zu bekämpfen. Es gibt jedoch auch eine große Auswahl von Add-on-Tools für die Beschaffung, welche die nötigen Anforderungen erfüllen. Diese Add-on-Softwarelösungen helfen Unternehmen, die mit Maverick Buying, dem unkontrollierten Einkauf an der Beschaffungsabteilung vorbei, bei ihren indirekten Ausgaben mit Schwierigkeiten konfrontiert werden. Einige dieser Lösungen nutzen KI, was sich in Form von Kosteneinsparungen und einer stabilen Lieferkette auszahlen kann.

KI ist die Form der Digitalisierung, die der Replikation menschlicher Entscheidungsprozesse am nächsten kommt. Ihre fortgeschrittenen Algorithmen nutzen alle möglichen Informationen, um schnell die beste Beschaffungslösung zu identifizieren. KI kann außerdem Informationen über den Beschaffungsmarkt sammeln und die Nachfrageprognose verbessern.

3. Maschinelles Lernen

Das maschinelle Lernen (ML) bezeichnet die Fähigkeiten einer Maschine, ihre Leistungen kontinuierlich zu verbessern. Algorithmen strukturieren Daten über Ausgaben, Kosten, Verträge und Lieferanten schnell, sodass ML diese effektiv analysieren kann. Durch die kontinuierliche Analyse der Marktbedingungen wird ML zu einem bedeutsamen Mittel für die Beschaffungsabteilung werden. Zugleich hat ML auch die Fähigkeit, Beschaffungsprozesse effizienter zu gestalten, indem es die internen Kosten optimiert. So können Unternehmen auch in Zeiten der Marktvolatilität sicher Entscheidungen treffen.

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4. Prädiktive Analyse

Mithilfe von ML können Erkenntnisse gewonnen werden, die sich in Zeiten von Lieferkettenkrisen als höchst relevant erweisen. Diese Erkenntnisse reichen von der Vorhersage von Unterbrechungen der Versorgungskette aufgrund von Finanz- und Umweltproblemen bis hin zu Pandemien oder geopolitischen Problemen. Dies wiederum hilft Unternehmen im Supply-Chain- und Risikomanagement.

Prädiktiver Analyse als statistische Methode kann ML dann nutzen, um Prognosen zu erstellen oder auch um die Risiken und Chancen auszuloten. Dies ermöglicht Vorhersagen zu Preisschwankungen und Nachfrage, was letztlich bessere Entscheidungen ermöglicht.

Digitale Hilfe gegen die Lieferkettenkrise

Die Digitalisierung in der Beschaffung bietet viele Vorteile, unter anderem die Möglichkeit, Kosten zu senken, die Einhaltung von ESG-Richtlinien und die Widerstandsfähigkeit von Lieferketten zu optimieren. Auch die Prognosen und die Bestandsplanung werden verbessert, da es Unternehmen ermöglicht wird, auf große Datenmengen in Echtzeit zuzugreifen und diese zu analysieren. So können Unternehmen Lieferengpässe besser abschätzen und einkalkulieren. Daher wird es künftig von zunehmender Bedeutung, dass Unternehmen den nächsten Schritt gehen, indem sie durch eine Kombination digitaler Tools ihre Beschaffungsabläufe effizienter gestalten und sich gleichsam gegen die Auswirkungen der Lieferkettenkrise wappnen.

Über den Autor: Henning Hatje ist Co-Founder von Lhotse Technologies GmbH.

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