Kontinuierliches Monitoring statt Momentaufnahme So behalten Unternehmen mit EASM ihre externe Angriffsfläche im Blick

Ein Gastbeitrag von Dipl. Betriebswirt Otto Geißler 5 min Lesedauer

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Digitale Angriffsflächen wachsen schneller, als viele Unternehmen sie erfassen. External Attack Surface Management (EASM) liefert die Außenperspektive, entdeckt vergessene Assets, bewertet Risiken und überwacht Änderungen kontinuierlich. Wir erklären, wie EASM Schatten-IT sichtbar macht und sich in Vulnerability Management und Incident Response einfügt.

External Attack Surface Managemen zeigt aus der Außenperspektive Domains, Subdomains, IPs, Cloud-Instanzen, Zertifikate und APIs, deckt Schatten-IT auf, priorisiert Risiken und überwacht Änderungen kontinuierlich.(Bild: ©  Sergey Nivens - stock.adobe.com)
External Attack Surface Managemen zeigt aus der Außenperspektive Domains, Subdomains, IPs, Cloud-Instanzen, Zertifikate und APIs, deckt Schatten-IT auf, priorisiert Risiken und überwacht Änderungen kontinuierlich.
(Bild: © Sergey Nivens - stock.adobe.com)

Das Wichtigste in Kürze

  • EASM liefert die Außenperspektive auf die externe Angriffsfläche und macht unkontrollierte Assets sichtbar.
  • Es schließt die Lücke klassischer Security, die meist erst nach Inventarisierung greift.
  • Kernfunktionen von EASM: Asset‑Discovery, Risikoklassifizierung, Priorisierung, kontinuierliches Monitoring und Prozessintegration.
  • Mehrwert: Schatten‑IT und Cloud‑Fehlkonfigurationen erkennen, Lieferketten im Blick behalten und schneller reagieren.

Digitale Angriffsflächen wachsen schneller, als Unternehmen sie in der Regel kontrollieren können. External Attack Surface Management (EASM) verschafft Organisationen die dringend notwendige Perspektive von außen, identifiziert versteckte Systeme, analysiert Schwachstellen und ermöglicht kontinuierliches Monitoring.

Hacker-Attacken sind längst kein abstraktes Schreckensszenario mehr, sondern leidlich eine tägliche Realität. Somit stehen Unternehmen heute nicht nur im Wettlauf mit Hackern, sondern auch mit der schieren Komplexität ihrer eigenen IT-Landschaften. Denn jede öffentliche Website, jede Cloud-Instanz, jedes IoT-Gerät, jeder vergessene Server in einem Rechenzentrum, jedes schwache Passwort oder jede achtlos vergebene Rolle eröffnet potenziell ein neues Einfallstor.

Solche Systeme werden „External Attack Surface“ genannt, also die externe Angriffsfläche, die ein Unternehmen aus Sicht eines Hackers im Internet präsentiert. Und genau hier liegt die Herausforderung: Während Hacker meist sehr genau wissen, wo sie Schwachstellen bei ihren Opfern finden, fehlt vielen Unternehmen selbst der Überblick über ihre eigene Angriffsfläche. An diesem Punkt setzt das External Attack Surface Management (EASM) an.

Herkömmliche Konzepte sind unzureichend

Viele Unternehmen vertrauen immer noch auf etablierte IT-Security-Architekturen wie Firewalls, Endpoint Security, SIEM-Systeme, Schwachstellen-Scanner etc. Doch diese Tools setzen häufig erst dann an, wenn Systeme bereits inventarisiert und in die IT-Security-Architekturen integriert wurden. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus: In komplexen, global verteilten Infrastrukturen entstehen immer wieder sogenannte unkontrollierte Assets.

Beispielsweise durch neu eingerichtete Cloud-Server ohne Absicherung, eine Testumgebung, die nie abgeschaltet wurde, ein Mitarbeiter, der eigenmächtig eine SaaS-Lösung installiert hat. Das bedeutet, schon kleine Nachlässigkeiten können gefährliche Einfallstore für Hacker eröffnen. EASM-Lösungen sollen daher genau diese Lücke schließen.

Funktionen von EASM-Tools

Unternehmen erhalten mit einem EASM einen realistischen Überblick darüber, wie groß ihre Angriffsfläche tatsächlich ist und nicht nur, wie groß sie auf dem Papier erscheint. Durch diese umfassende Außenperspektive lassen sich Schwachstellen zuverlässig erkennen und schließen, noch bevor sie aktiv ausgenutzt werden. Ein effektives EASM-Programm umfasst eine Reihe von ineinandergreifenden IT-Security-Maßnahmen:

  • Stetiges Asset-Discovery-Management
    Aktuelle EASM-Lösungen scannen das Internet kontinuierlich nach allen Systemen, die einem Unternehmen zugeordnet werden können. Dazu gehören Domains, Subdomains, IP-Adressen, Cloud-Instanzen, Zertifikate oder öffentlich zugängliche APIs.
  • Klassifizierung und Risiko-Evaluierung
    Nicht jedes Asset ist gleich kritisch. Ein offener Testserver hat ein anderes Risikoprofil als eine Produktionsdatenbank. Deshalb werden gefundene Systeme klassifiziert und anhand von Parametern wie Sensibilität, Kritikalität und Exponierung bewertet.
  • Schwachstellenanalyse und Priorisierung
    Aufbauend auf der Identifikation erfolgt die Analyse: Gibt es bekannte Sicherheitslücken? Sind Ports offen, die nicht offen sein sollten? Werden veraltete Software-Versionen genutzt? Die identifizierten Risiken werden anschließend priorisiert, damit Unternehmen ihre Ressourcen dort einsetzen können, wo es am dringendsten ist.
  • Kontinuierliches Monitoring
    Eine einmalige Bestandsaufnahme reicht bei weitem nicht. Die Angriffsfläche ist höchst dynamisch und verändert sich täglich. EASM setzt deshalb auf kontinuierliches Monitoring, das sofort Alarm schlägt, wenn neue Systeme auftauchen oder Konfigurationsänderungen auftreten.
  • Integration in bestehende Sicherheitsprozesse
    EASM ist kein isoliertes Werkzeug, sondern Teil einer umfassenden Sicherheitsstrategie. Erkenntnisse aus EASM fließen in Vulnerability Management, Incident Response oder Penetration Testing ein und erhöhen so die Gesamteffizienz des Sicherheitsapparats.

Schutzmaßnahmen im Detail

Neben den technischen Kernfunktionen gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die den Nutzen von EASM erheblich steigern können:

  • Schatten-IT aufspüren
    Eine der größten Gefahren für Unternehmen ist die unkontrollierte Nutzung von IT-Systemen außerhalb der offiziellen Strukturen. Mitarbeiter, die eigenmächtig Cloud-Dienste nutzen oder Entwickler, die Testserver ins Netz stellen, schaffen Einfallstore. EASM deckt diese Systeme auf und macht sie kontrollierbar.
  • Cloud Security stärken
    Da immer mehr Infrastruktur in die Cloud wandert, steigt auch die Zahl der Cloud-Assets. EASM erkennt Fehlkonfigurationen, vergessene Speicher-Buckets oder unsichere API-Gateways und sorgt dafür, dass diese zeitnah abgesichert werden.
  • Externe Partner und Lieferketten beobachten
    Hacker-Angriffe erfolgen zunehmend über die Supply Chain. EASM hilft dabei, auch die Angriffsflächen externer Partner im Blick zu behalten und Schwachstellen frühzeitig zu identifizieren.
  • Resilienz testen
    EASM ist die ideale Basis für realistische Angriffs-Simulationen. Sicherheits-Teams können die gesammelten Daten nutzen, um Angriffswege nachzustellen und die Widerstandsfähigkeit der eigenen Organisation zu testen.
  • Automatisierung und KI-Einsatz
    Durch den Einsatz von KI und Automatisierung können riesige Mengen an Daten verarbeitet und Schwachstellen schneller identifiziert werden. So lassen sich Reaktionszeiten drastisch verkürzen und Angreifer werden im Idealfall gestoppt, bevor sie überhaupt in Systeme eindringen.

EASM als strategische Maßnahme

External Attack Surface Management ist kein kurzfristiges Projekt, sondern ein strategischer Ansatz, der eng mit der digitalen Transformation verknüpft ist. In einer Zeit, in der Unternehmen ihre IT immer stärker verteilen, Cloud-First-Strategien verfolgen und IoT-Geräte in großem Stil einsetzen, ist es unverzichtbar, die Kontrolle über die eigene Angriffsfläche zu behalten.

EASM bringt Transparenz in ein Feld, das sonst unsichtbar bleibt. Es hilft Unternehmen nicht nur, Risiken zu erkennen und zu reduzieren, sondern schafft auch eine Grundlage für fundierte Entscheidungen im Risikomanagement. Wer seine Angriffsfläche kennt, kann Budgets gezielter einsetzen, regulatorische Anforderungen besser erfüllen und das Vertrauen von Kunden und Partnern stärken.

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