Eine Capterra-Studie zur IT-Sicherheit zeigt, welche Cyberbedrohungen Unternehmen im Jahr 2023 erlitten und was sie 2024 erwarten. Dazu befragte die Software-Bewertungsplattform Capterra 1.314 Mitarbeitende zu Cyberattacken am Arbeitsplatz.
Gezielte Ransomware-Angriffe und Phishing-Kampagnen zeigen einen deutlichen Anstieg und werden durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen immer ausgefeilter.
(Bild: jamdesign - stock.adobe.com)
Laut der Studie zu Cybersicherheit von Capterra machen Firmen besonders KI-gestützte Cyber-Angriffe (47 Prozent) und fortgeschrittene Methoden von E-Mail-Phishing (46 Prozent) Sorgen. Weiter wurden interne Angriffe (25 Prozent), hoch entwickelte Ransomware-Angriffe (25 Prozent) und die Kompromittierung geschäftlicher E-Mails (23 Prozent) als Hauptsorgen für dieses Jahr genannt. Somit sollten auch interne Risiken wie unbeabsichtigtes oder böswilliges Handeln von Partnern oder Mitarbeitenden ernst genommen werden.
Unternehmen investieren mehr in die IT-Sicherheit
52 Prozent der Unternehmen erhöhten 2023 ihre Ausgaben für die IT-Sicherheit. Sie investierten vor allem in Lösungen für die formelle Cybersicherheitsrisikoprüfung (40 Prozent) und Datenklassifizierung (39 Prozent), die Sicherheitsrisiken systematisch bewerten und Daten nach ihrer Sensibilität einstufen. Weiter setzten Unternehmen auf Zero-Trust-Netzwerksicherheit (31 Prozent), Privileged Access Management (PAM, 28 Prozent) und Netzsegmentierung (27 Prozent), um ihre Infrastruktur zu sichern und den Zugriff auf sensible Bereiche zu kontrollieren.
Bei 42 Prozent der Firmen blieb die Investition im Vergleich zum Vorjahr gleich. Fünf Prozent ergriffen keine signifikanten Cybersicherheitsmaßnahmen. Daraus lässt schlussfolgern, dass es weiterhin ungeschützte Unternehmen gibt.
Datenverletzungen durch Unachtsamkeit und internen Datendiebstahl
42 Prozent der Vorfälle gehen auf versehentlich ungesicherte Datenbanken oder Online-Datenquellen zurück. So bleibt der Umgang mit Daten und deren Sicherung auch 2024 eine Herausforderung für Unternehmen. Zugleich nennen 42 Prozent böswillige Zugriffe auf Unternehmenssysteme durch Hacker oder andere externe Personen. In 20 Prozent der Fälle ist sogar Datendiebstahl durch Mitarbeitende oder andere Insider der Ursprung der Datenverletzung gewesen.
E-Mail-Phishing mit hoher Erfolgsrate
Die Erfolgsquote von Phishing-Angriffen bleibt trotz eines relativ hohen Bewusstseins für Phishing-Mails durch aktive Schulungen und Test-Phishing-Kampagnen seitens der Unternehmen beträchtlich hoch. So berichten 29 Prozent der Befragten, die Phishing-Mails erhalten haben, dass andere im Unternehmen (nicht sie selbst) auf solche Links geklickt haben. 13 Prozent bestätigen, dass sowohl sie selbst als auch andere in ihrem Unternehmen darauf geklickt haben und 8 Prozent klickten selbst auf bösartige Links.
Ganze 40 Prozent aller Teilnehmenden gaben an, ein Passwort für mehrere Zugänge zu verwenden – was den möglichen Schaden von Phishing-Attacken potenziert.
Jedes 5. Unternehmen zahlte Lösegeld
38 Prozent der Teilnehmer erlitten Ransomware-Angriffe, die Daten oder Hardware verschlüsselten und daraufhin ein Lösegeld für deren Freigabe forderten. 8 Prozent der betroffenen Firmen zahlten das Lösegeld und konnten ihre Daten wiederherstellen. Dagegen zahlten weitere 11 Prozent das Lösegeld, ohne ihre Daten zurückzuerhalten. So endeten immerhin ein Fünftel der Angriffe mit einer Lösegeldzahlung. Mehr als die Hälfte der Zahlungen lag dabei zwischen 5.000 und 50.000 Euro.
Von den Unternehmen, die kein Lösegeld zahlten, konnten 36 Prozent die Malware entfernen bzw. ihre Daten selbst entschlüsseln. 35 Prozent konnten ihre Daten aus einem Backup wiederherstellen. Fünf Prozent der Unternehmen leben mit einem dauerhaften Datenverlust, da keine Backups vorlagen.
Identifizierte Schwachstellen
Die Unternehmen sehen die größten Herausforderungen in der Gedankenlosigkeit der Angestellten (40 Prozent), unzureichender Netzwerksicherheit (31 Prozent), unzureichender Sicherheit mobiler Geräte (30 Prozent), nicht verschlüsselten Daten (30 Prozent) und der Anfälligkeit für Phishing- und Social-Engineering-Methoden (30 Prozent).
“Gezielte Ransomware-Angriffe und Phishing-Kampagnen zeigen einen deutlichen Anstieg und werden durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen immer ausgefeilter. Dieser Trend bedarf einer ständigen Anpassung und Erweiterung der eingesetzten Sicherheitsstrategien. Unternehmen, die KI-gestützte Sicherheitsmaßnahmen und Tools implementieren, können sich viel besser vor diesen Angriffen schützen. Im Vergleich zu herkömmlichen Systemen, die nur auf bekannte Bedrohung reagieren, können KI-Tools Muster erkennen, die mit bekannten Bedrohungen verbunden sind und so neue Bedrohungen identifizieren,” kommentiert Ines Bahr, Senior Analystin bei Capterra.
Über die Studie: Um die Daten für diesen Bericht zu erheben, führte Capterra im Zeitraum vom 10. bis 26. November 2023 eine Umfrage unter 1.314 Mitarbeitenden aus Unternehmen jeder Größe in Deutschland durch. Die Teilnehmenden wurden anhand der folgenden Kriterien ausgewählt: zwischen 18 und 65 Jahren, in Vollzeit angestellt, in Deutschland ansässig, Unternehmen der Befragten nutzen Sicherheitstools. 902 der Befragten waren in die Cybersicherheitsmaßnahmen ihres Unternehmens involviert, sei es verantwortlich (233), mitwirkend (326) oder zumindest darüber informiert (343). Zusätzlich haben 412 Befragte nur begrenztes Wissen über die Sicherheitsmaßnahmen und beantworteten nur eine eingeschränkte Anzahl an Fragen.
Stand: 08.12.2025
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Über die Autorin: Ines Bahr ist Senior Content Analystin bei Capterra, der unabhängigen Such- und Vergleichsplattform für Unternehmenssoftware. Das Unternehmen bietet verifizierte Nutzerbewertungen und unabhängige Testberichte in über 800 Softwarekategorien und hilft jeden Monat mehr als fünf Millionen Nutzern, die passende Software zu finden.