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Oracle übernimmt Sun – Konsequenzen für Security-Kunden Identity-Management-Marktführer muss Produktportfolio überdenken

| Redakteur: Stephan Augsten

Langsam glätten sich die Wogen, nachdem Oracle am Montag die 7,4 Milliarden US-Dollar schwere Akquisition von Sun Microsystems bekanntgegeben hat. Doch der Deal wirft auch eine Flut von Fragen auf. Denn Analysten erwarten, dass das Firmengefüge zum größten Identity-Management-Anbieter für Unternehmen wird – mit einem möglicherweise schmerzhaften Wandel für seine Kunden.

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Nicht ins Schwimmen geraten: Kunden von Oracle und Sun dürfen gespannt erwarten, was ihnen die Zukunft bringt.
Nicht ins Schwimmen geraten: Kunden von Oracle und Sun dürfen gespannt erwarten, was ihnen die Zukunft bringt.
( Archiv: Vogel Business Media )

Nahezu überall herrschte die Annahme, eine Übernahme durch IBM würde Sun Microsystems monatelange Suche nach einem Käufer beenden. Doch das Angebot über 9,50 US-Dollar pro Aktie kam überraschenderweise von Oracle, das für seine Solaris-Server und Java-basierte Software bekannt ist. Unter Beachtung von Suns Vermögen und Verbindlichkeiten beträgt der tatsächliche Wert des Deals geschätzte 5,6 Milliarden Dollar.

Oracle erwartet, dass sich der Zukauf in kürzester Zeit auszahlt. In einer Stellungnahme sagte Oracles Vorsitzender Safra Catz, dass die „Ausgaben pro Aktienanteil im ersten Jahr gewinnversprechender sind, als die Übernahmen von BEA, PeopleSoft und Siebel zusammen.“

Vor allem beim Identity Management hat das Firmenkonglomerat künftig eine große Machtposition inne. Auch wenn keines der beiden involvierten Unternehmen eine Lösung für starke Authentifizierung anbietet, würde man Konkurrenten wie IBM, CA, Novell und Microsoft fürs Erste überholen. Denn laut Jonathan Penn, Vizepräsident des Marktanalysten Forrester, dürfte die neue Organisation etwa ein Viertel der Marktanteile im Bereich der Identity Management Software halten.

Dies ist aber nicht zwingend von Vorteil, meint Scott Crawford, Research Director des Marktforschers Enterprise Management Associates: „Der Deal führt zwei Marktführer im Identity Management zusammen, doch dadurch ergeben sich zwangsweise auch umfangreiche Überschneidungen.“ Auch wenn beide Unternehmen sich anfangs auf andere Teilbereiche konzentriert hätten, sei sich ihr Identity-Management-Ansatz durch Zukäufe zuletzt immer ähnlicher geworden.

Jedoch hätte Oracle mit der Akqusition von Sun auch keine Synergieeffekte beim Identity Management verfolgt, glaubt Ian Glazer, Senior Analyst der Burton Group: „In diesem Bereich gibt es zugegebenermaßen zahlreiche Überlappungen. Aber dafür decken sich die übrigen Produktportfolios eher weniger.“ Abgesehen davon sei Oracle aber möglicherweise dazu gezwungen, sein neues, kombiniertes Identity-Management-Angebot zu rationalisieren – und dies könnte zu einem beträchtlichen Problem werden.

„Schmerzhaft“ für den bisherigen Kundenstamm?

Unglücklicherweise sind Penn zufolge die Produkte beider Identity-Management-Portfolios eng mit anderen Lösungen des jeweiligen Anbieters verwoben. Somit gebe es keinen einfachen Weg für einen ‚Best-of-Breed’-Ansatz, also beispielsweise Suns Provisioning-Lösung zu übernehmen und gleichzeitig Oracles webbasiertes Single-Sign-on (SSO) beizubehalten.

„Sämtliche Produkte dahingehend zu reduzieren, dass es für jeden Teilbereich – von Directory Services über Provisioning und Web-SSO bis hin zu Identity Federation – nur noch eine Lösung gibt, dürfte für Oracle und den bisherigen Kundenstamm beider Unternehmen ziemlich schmerzhaft werden“, mutmaßt Penn. Auch für Crawford steht nicht zur Debatte, dass Oracle die Portfolios konsolidieren muss. „Die Frage lautet nun, wie Oracle das Identity-Portfolio vernünftig rationalisieren kann?“

Früher oder später muss Oracle dieses Rätsel lüften und eine Roadmap zur Integration der Sun-Produkte präsentieren. Eine entsprechend sorgfältige Prüfung könnte sich allerdings über Monate hinziehen. Bis dahin sind die Kunden beider Unternehmen dazu angehalten, Ruhe zu bewahren. Penn zufolge besitzt Oracle die Ressourcen, um noch für einige Zeit beide Produktlinien zu betreuen.

Derweil muss sich Oracle laut Penn darauf einstellen, dass IBM, CA, Novell und Microsoft versuchen, die Angst bisheriger Sun-Kunden zu schüren und aus der drohenden Unsicherheit Kapital zu schlagen. „Allerdings glaube ich nicht, dass diese Ambitionen wirklich erfolgversprechend sind“, sagt Penn, „insbesondere unter den derzeitigen wirtschaftlichen Umständen.“

Nun dürfen wir mit Spannung erwarten, wie die Branchenriesen IBM und CA reagieren. Crawford bringt es auf den Punkt: „Im Hinblick auf den direkten Wettbewerb dürften sich IBM und CA große Sorgen machen.“

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