Schutzkonzepte für das Internet der Dinge und die Industrie 4.0

Mehr Sicherheit für Roboter und Produktionssysteme

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Meldepflicht könnte das Sicherheitsbewusstsein steigern

Dass solche Angriffe bekannt werden, ist die extreme Ausnahme. Der Berliner Sicherheitsberater und Praktiker Felix Lindner fordert eine Meldepflicht für solche Vorkommnisse, damit „endlich mehr Klarheit herrscht.“ Lindner sprach in München, wie so oft, als „Hacker zum Anfassen“, über die Methoden und die Erfolgsaussichten von Angriffen. Die sind nach wie vor gut, nicht zuletzt wegen der Schludrigkeit der Betreiber.

Während im Business-Umfeld zumindest ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit hinsichtlich Sicherheit, Virenschutz und Zugangskontrolle besteht, ist das in Produktionsumgebungen oft nicht der Fall. Mitarbeiter schleusen ohne Wissen des Managements WLAN-Zugänge in das Rechnernetz, um sich die Arbeit zu erleichtern, und öffnen so unwissentlich einen Gerätepark im Wert von Millionen Euro Angriffen von außen. Erschwerend kommen externe Wartungszugänge hinzu, die Grenzen vom Ländern und Kontinenten sprengen.

Im Jahr 2002 listete das BSI die zehn wichtigsten Bedrohungen der Industrie-Elektronik auf und führte diese unkontrollierten Zugänge als häufigstes Sicherheitsproblem an. Jüngst fand Felix Lindner völlig ungesichert Stromgeneratoren eines deutschen Herstellers, die auf weit entfernten Baustellen ihren Dienst verrichteten. Wenn man lange genug sucht, findet man über das Internet sogar die Systeme kompletter Kohleminen.

Risiken der Erreichbarkeit über das Internet

Nachlässigkeiten beim Einrichten von Webservices erschweren die Situation zusätzlich, gehören aber technisch eher in den Bereich der Internet-Sicherheit. Spezifische Probleme des „Internets der Ding“ und des „Internets der Dienste“ tauchen hingegen überall dort auf, wo Schwachstellen von Steuersystemen zu Schäden durch Hacker oder durch Malware führen.

Außer Kontrolle geratene Roboter können Menschen ernsthaft verletzte, falsch gesetzte Schweißpunkte ganze Chargen ruinieren und rezeptwidrig zusammengemischte chemische Produkte stellen eine erhebliche Bedrohung für die Anwender dar. Unter Umständen sind sogar die Industriestädte selbst gefährdet.

„Die Produktionstechnik ist in ihrer Gesamtheit als kritische Infrastruktur zu werten“, meint Dr. Thorsten Henkel, Bereichsleiter für Sichere Informationstechnik am Fraunhofer Institut SIT in Darmstadt. Er wies darauf hin, dass nach einer VDE-Umfrage die Frage der IT-Sicherheit noch vor dem Mangel an Standards und dem hohen Qualifizierungsbedarf innerhalb der Industrie als einer der größten Hürden auf dem Weg zur „Industrie 4.0“ gesehen wird.

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