Travel Security Cyberrisiken auf Geschäftsreisen reduzieren

Ein Gastbeitrag von Marcel Reifenberger 5 min Lesedauer

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Ob auf Dienstreise oder im Urlaub mit Arbeitshandy im Gepäck – wer unterwegs beruflich aktiv ist, trägt Verantwortung für sensible Daten. Dieser Beitrag zeigt, wie Unternehmen ihre mobilen Mitarbeitenden vor digitalen Risiken schützen können.

Mobile Geräte sind auf Geschäftsreisen besonders gefährdet. IT-Security-Experten schützen sensible Unternehmensdaten durch VPN-Nutzung, Endpoint Protection, Zwei-Faktor-Authentifizierung, verschlüsselte Backups sowie Achtsamkeit gegenüber Bluetooth-, USB- und visuellen Angriffen.(Bild: ©  Bojan - stock.adobe.com)
Mobile Geräte sind auf Geschäftsreisen besonders gefährdet. IT-Security-Experten schützen sensible Unternehmensdaten durch VPN-Nutzung, Endpoint Protection, Zwei-Faktor-Authentifizierung, verschlüsselte Backups sowie Achtsamkeit gegenüber Bluetooth-, USB- und visuellen Angriffen.
(Bild: © Bojan - stock.adobe.com)

Ob Messe, Kundenmeeting oder Projektarbeit – Geschäftsreisen sind für viele Unternehmen Alltag. Doch mit der Mobilität steigen auch die Risiken: Mobile Endgeräte sind unterwegs besonders anfällig für Angriffe, Diebstahl oder Datenverlust. Mitarbeitende greifen oft ortsunabhängig auf sensible Daten zu – ob im Zug, Hotel oder Flughafen. Diese Flexibilität erfordert klare Sicherheitsmaßnahmen. Und nicht nur auf klassischen Dienstreisen: Auch im Urlaub ist das Arbeitshandy oft dabei – für den schnellen Blick ins Postfach oder eine spontane Rückmeldung. Wer auch unterwegs beruflich erreichbar bleibt, trägt Verantwortung für Unternehmensdaten und Zugänge. Umso wichtiger ist ein durchdachter Sicherheitsrahmen – unabhängig vom Reisezweck.

Vor der Reise: Sicherheit beginnt im Büro

Ein zentraler Aspekt beginnt bereits vor der Abreise: die Auswahl der mitzuführenden Geräte. Weniger ist hier oft mehr. Geräte werden gestohlen, gehen verloren oder kaputt. Je weniger Technik mitreist, desto geringer das Risiko. Zudem sollten alle Geräte verschlüsselt und mit aktuellen Sicherheitsupdates versehen sein. Veraltete Software stellt eine erhebliche Sicherheitslücke dar. Empfehlenswert ist zudem der Einsatz von „Advanced Endpoint Protection“, die potenzielle Schwachstellen erkennt und vor unsicheren Anwendungen warnt. Moderne Betriebssysteme bieten integrierte Verschlüsselungsfunktionen, die unbedingt aktiviert werden sollten. Auch physische Schutzmaßnahmen wie abschließbare Taschen oder Laptop-Schlösser erhöhen die Sicherheit.

Ein oft unterschätzter, aber wirkungsvoller Tipp ist die Einrichtung eines separaten Reise-E-Mail-Accounts. Dieser dient ausschließlich der Kommunikation mit Hotels, Veranstaltern oder Reiseportalen. So lassen sich persönliche Daten wie Name oder Geburtsdatum vermeiden – und die geschäftliche Hauptadresse bleibt frei von Spam und Phishing-Versuchen. Ergänzend empfiehlt sich die Aktivierung von Zwei-Faktor-Authentifizierung für alle relevanten Konten. So bleibt der Zugriff auch dann geschützt, wenn ein Passwort kompromittiert wird.

Auch der Schutz von Zahlungsdaten verdient Aufmerksamkeit. Viele Banken bieten mittlerweile sogenannte Finanztransaktionswarnmeldungen an. Diese Funktion lässt sich im Online-Portal oder direkt in der App aktivieren – meist durch die Hinterlegung einer Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Im Hintergrund analysiert eine AI das Transaktionsverhalten. Erkennt das System beispielsweise eine Zahlung in München und nur 90 Minuten später eine weitere Transaktion in Singapur, wird automatisch eine Warnmeldung ausgelöst. So können verdächtige Aktivitäten frühzeitig erkannt und im Ernstfall sofort Maßnahmen ergriffen oder Behörden informiert werden.

Nicht zuletzt bleibt das Thema Backup ein zentraler Bestandteil jeder Sicherheitsstrategie – auch auf Reisen. Wer regelmäßig Sicherungskopien seiner Daten anlegt, schützt sich effektiv vor Verlust durch Diebstahl, Beschädigung oder Fehlkonfiguration. Besonders empfehlenswert sind verschlüsselte Cloud-Lösungen, die ortsunabhängigen Zugriff ermöglichen und gleichzeitig ein hohes Maß an Sicherheit bieten. Ob Smartphone, Tablet oder Laptop – ein aktuelles Backup kann im Ernstfall entscheidend sein, um den Schaden zu begrenzen.

Während der Reise: Achtsamkeit im digitalen Alltag

Während der Reise ist Achtsamkeit gefragt. Öffentliche WLANs – etwa in Flughäfen oder Cafés – sind bequem, aber oft unverschlüsselt. Die Nutzung eines VPNs ist hier Pflicht.

Was viele nicht wissen: Bluetooth kann ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellen – insbesondere in öffentlichen Räumen wie Flughäfen, Bahnhöfen oder Konferenzzentren. Angreifer nutzen gezielt die Tatsache aus, dass viele Geräte ihre Bluetooth-Verbindung dauerhaft aktiviert lassen. Besonders kritisch: Bei einigen Herstellern unterscheiden sich die MAC-Adressen von WLAN und Bluetooth oft nur um eine Ziffer. Das macht es für Angreifer besonders einfach, über die Bluetooth-Adresse Rückschlüsse auf die WLAN-Adresse zu ziehen, das Gerät eindeutig zu identifizieren und gezielte Angriffe vorzubereiten. Bluetooth deshalb nur bei tatsächlichem Bedarf aktivieren und in den Geräteeinstellungen prüfen, ob MAC-Randomisierung aktiviert ist. Moderne Betriebssysteme bieten diese Funktion, um die Rückverfolgbarkeit zu erschweren. Zusätzlich sollten automatische Verbindungen zu unbekannten Geräten deaktiviert werden, um Tracking und unbefugten Zugriff zu verhindern.

Auch öffentliche USB-Ladestationen stellen ein Risiko dar: Manipulierte Anschlüsse wie USB-Ladestationen am Flughafen können manipuliert sein und Schadsoftware übertragen oder Daten abgreifen. Auch Ladekabel von Fremden können Spionagefunktionen enthalten. Eine eigene Powerbank ist die sicherere Alternative.

Ein weiteres Risiko: visuelle Spionage. In öffentlichen Verkehrsmitteln oder Wartebereichen können Unbefugte leicht mitlesen. Blickschutzfolien für Laptops und Smartphones bieten hier einen einfachen, aber effektiven Schutz.

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Nicht in allen Ländern gelten zudem die gleichen Datenschutz- und Meinungsfreiheitsregelungen wie bei uns. In manchen Staaten – wie China – sind VPNs verboten, Social-Media-Plattformen gesperrt und verschlüsselte Geräte können bei der Einreise kontrolliert werden. Sensible Inhalte sollten daher im Vorfeld gesichert oder gelöscht werden. Das Auswärtige Amt bietet aktuelle Hinweise zur Gesetzeslage vor Ort. Auch das Verhalten in sozialen Medien sollte überdacht werden – insbesondere in Ländern mit eingeschränkter Meinungsfreiheit. Politische Äußerungen können dort rechtliche Konsequenzen haben.

Hotelzimmer sind für Kriminelle nicht unüberwindbar: Kartenschlüsselsysteme lassen sich manipulieren, Schlösser leicht knacken. Wertgegenstände sollten daher in Hotelsafes aufbewahrt werden. Bei Städtetrips bieten Schließfächer an Bahnhöfen oder in bewachten Einrichtungen eine sichere Aufbewahrung. Ist man mit dem Auto unterwegs, sollten Wertsachen niemals sichtbar im Auto gelassen werden – das ist eine Einladung für Diebe.

Verwanzung klingt nach Spionagefilm – ist aber Realität: Versteckte Mikrofone oder Kameras in Alltagsgegenständen sind keine Fiktion. Verdächtige Gegenstände im Hotelzimmer – etwa Bügeleisen oder Rauchmelder mit ungewöhnlichen Kabeln oder Beschädigungen – sollten aufmerksam begutachtet werden. Abhörgeräte können fingernagelgroß sein und sich in vielen Gegenständen verstecken. Einige Geräte wie TMS-Tracker können Telefongespräch aufzeichnen und übertragen. Für vertrauliche Gespräche sollten möglichst verschlüsselte Verbindungen genutzt werden.

Nach der Reise: Sicherheitscheck nicht vergessen

Nach der Rückkehr ist ein digitaler Sicherheitscheck ratsam. Auffälliges Geräteverhalten, unerwartete App-Installationen oder verdächtige Kontoaktivitäten sollten ernst genommen werden. Auch der temporäre Reise-Account kann nun gelöscht oder deaktiviert werden. So wird das Risiko langfristig minimiert.

Travel Security ist kein reines IT-Thema, sondern Teil einer umfassenden Sicherheitsstrategie. Unternehmen sollten ihre Mitarbeitenden nicht nur mit Technik, sondern auch mit Wissen ausstatten. Schulungen, klare Richtlinien und Awareness-Kampagnen sind ebenso wichtig wie technische Schutzmaßnahmen. Nur so lässt sich die digitale Sicherheit auf Reisen nachhaltig gewährleisten.

Über den Autor: Marcel Reifenberger ist Chief Information Security Officer bei CANCOM.

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