Initiative Qunet demonstriert Quantenkommuniktion Stattgefunden: Die erste QKD-gesicherte Videokonferenz zwischen 2 Bundesbehörden

Autor / Redakteur: Desiree Haak* / Ulrike Ostler

In Bonn haben gestern erstmals zwei deutsche Bundesbehörden quantengesichert per Video kommuniziert. Das Projekt „Qunet“, eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Initiative zur Entwicklung hochsicherer Kommunikationssysteme, zeigt damit, wie Datensouveränität in Zukunft gewährleistet werden kann.

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Der Demonstrationsaufbau auf Seiten des BMBF - Von hier ist erstmals eine quantenverschlüsselte Videokonferenz zwischen dem BMBF und dem BSI hergestellt worden.
Der Demonstrationsaufbau auf Seiten des BMBF - Von hier ist erstmals eine quantenverschlüsselte Videokonferenz zwischen dem BMBF und dem BSI hergestellt worden.
(Bild: QuNET/ Walter Oppel)

Es war ein Vorgeschmack auf die Kommunikation der Zukunft – oder besser: 'die Datensicherheit' der Zukunft. Denn als Bundesforschungsministerin Anja Karliczek gestern zu einer Videokonferenz mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) einlud, war zumindest augenscheinlich für den Außenstehenden alles beim Alten. Gemeinsam mit Andreas Könen, Abteilungsleiter CI - Cyber- und IT-Sicherheit - im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und BSI-Vizepräsident Gerhard Schabhüser unterhielt sich die Ministerin via Video-Stream.

Und doch schlägt diese Videokonferenz ein neues Kapitel in der hochsicheren Kommunikation der Zukunft auf. Denn was das Auge nicht sieht: Verschlüsselt wurde das Gespräch nicht mit herkömmlichen Methoden, sondern mittels Lichtquanten. Der Clou dabei: Versucht ein Angreifer auf die zur Datenübertragung verwendeten Schlüssel zuzugreifen, so werden die Lichtteilchen manipuliert. Diese Manipulation kann von Sender und Empfänger nachgewiesen und ein Abhörversuch damit verhindert werden.

Der Nachweis beruht dabei auf physikalischen Prinzipien. Wurde ein Lauschangriff entdeckt, wird der Schlüssel verworfen und ein neuer erzeugt. Mittels dieser Strategie wird eine langfristige Sicherheit der vereinbarten Schlüssel erreicht. Damit ist ein neuer Meilenstein für die Vertraulichkeit von Daten in einer digitalen Welt gesetzt.

Die hochsichere Kommunikation der Zukunft

Notwendig wird diese so genannte Quantenkommunikation insbesondere vor dem Hintergrund künftiger technologischer Entwicklungen: Quantencomputer und neue Algorithmen werden voraussichtlich in Zukunft in der Lage sein, bisher übliche Methoden zur Datenverschlüsselung zu knacken. Nach dem Motto „Store now, decrypt later“ (zu deutsch: “Jetzt speichern, später entschlüsseln“) können bereits heute Daten abgespeichert und später, zum Beispiel mithilfe leistungsfähigerer Rechner, gelesen werden.

Bedroht sind davon insbesondere Daten mit langfristigem Schutzbedarf, also jene Daten, die für Hackerinnen und Hacker auch in entfernter Zukunft noch von großem Wert sein werden. Dies beinhaltet nicht nur Informationen von Regierungen und Behörden, sondern auch Unternehmensgeheimnisse oder personenbezogene Gesundheitsdaten von Bürgerinnen und Bürgern.

Hierzu äußerte Bundesforschungsministerin Karliczek: „Quantenkommunikation ist eine der entscheidenden Schlüsseltechnologien in der IT-Sicherheit und kann uns für zukünftige Bedrohungsszenarien rüsten. Das ist wichtig, denn Sicherheit und Souveränität im Netz sind Voraussetzungen für eine stabile Demokratie.“

Die vom BMBF geförderte Initiative „Qunet“ entwickelt seit 2019 Systeme zur Quantenkommunikation.
Die vom BMBF geförderte Initiative „Qunet“ entwickelt seit 2019 Systeme zur Quantenkommunikation.
(Bild: QuNET / Anne Groß)

Sie habe daher vor zwei Jahren die Qunet-Initiative ins Leben gerufen. Sie sei ein wichtiger Motor zur Umsetzung von Forschungsergebnissen aus der Grundlagenforschung zur Quantenkommunikation in alltagstaugliche Systeme. Ziel sei es, mit den Arbeiten von Qunet und den weiteren durch das Bundesforschungsministerium geförderten Vorhaben im Bereich der Quantenkommunikation die Basis für ein Ökosystem von Herstellern und Anbietern von Quantenkommunikationslösungen in Deutschland zu schaffen. „So bringen wir die innovativen Technologien und Komponenten zeitnah in die breite Anwendung„“, so die Ministerin.

Terrestrisch und per Satellit

Um die Privatsphäre von Bürgerinnen und Bürgern sowie Staaten und Unternehmen auch in Zukunft schützen zu können, gibt es schon heute einen großen Handlungsbedarf. Dabei geht es nicht allein darum, neue und hochsichere Kommunikationssysteme basierend auf Quanten-Knowhow zu entwickeln, sondern auch Wege zu finden, diese neue Technik in bereits bestehende IT-Infrastrukturen wie Glasfaserkabel einzubinden sowie etablierte kryptografische Verfahren zu berücksichtigen. Eine besondere Herausforderung besteht zudem bei großen Distanzen. Hier können Satelliten eine zentrale Rolle spielen.

Die Qunet-Initiative verfolgt das Ziel langfristige Datensicherheit zu ermöglichen. Auf dem Weg dorthin haben die Forscherinnen und Forscher aller beteiligten Institute nun die erste quantenbasierte Videokonferenz zwischen dem BMBF und dem BSI in Bonn realisiert.

Im Fokus der Qunet-Arbeit steht dabei der so genannte Quantenschlüsselaustausch, Quantum Key Distribution (QKD). Das Verfahren ermöglicht den Austausch symmetrischer Schlüssel, deren Sicherheit quantifizierbar ist. Das BSI begleitet dabei die Initiative Qunet und bereitet flankierende und unabhängige Prüfkriterien in internationaler Zusammenarbeit vor.

Der Demo vorausgegangen

Bereits Ende des vergangenen Jahres präsentierten die an der Initiative beteiligten Forschungsgesellschaften – die Fraunhofer-Gesellschaft, die Max-Planck-Gesellschaft sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) – wichtige Grundlagen für moderne und sichere Kommunikationsstandards. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben demnach ebenso die Gesamtarchitektur für Systeme zur quantensicheren Kommunikation weiterentwickelt, wie auch Möglichkeiten zum Austausch von Quantenschlüsseln über lange, mittlere sowie kurze Distanzen mittels Freistrahl- und Fasersystemen.

Im Aufbau der ersten quantenbasierten Videokonferenz zwischen dem BMBF und dem BSI wurden nun mehrere Freistrahl- und Fasersysteme eingesetzt. Dies entspricht einem komplexeren Szenario als einer Verbindung über einen einzigen Kanal. Neben der erstmaligen Videokonferenzübertragung versteht sich der Versuchsaufbau auch als ein Experiment, in welchem wertvolle Erkenntnisse für die Kommunikation in komplexen Netzen der Zukunft gewonnen werden.

* Desiree Haak arbeitet für das Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik IOF.

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