Demographie der Cyberkriminalität Vor Cyberkriminellen sind nicht alle gleich

Redakteur: Peter Schmitz

Neue Forschungsergebnisse im Rahmen des Berichts "The Demographics of Cybercrime" zeigen, dass einkommensschwache und ungebildetere Bevölkerungsgruppen stärker von Cyberkriminalität betroffen sind.

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Menschen mit geringerem Einkommen, geringerem Bildungsstand und Frauen sind verstärkt von Cyberkriminalität betroffen.
Menschen mit geringerem Einkommen, geringerem Bildungsstand und Frauen sind verstärkt von Cyberkriminalität betroffen.
(© Egor - stock.adobe.com)

Die neuen Forschungsergebnisse von Malwarebytes und den NGOs Digitunity und Cybercrime Support Network zeigen, dass einkommensschwache und ungebildetere Bevölkerungsgruppen stärker von Cyberkriminalität betroffen sind. Der Bericht „The Demographics of Cybercrime“, für den mehr als 5.000 Personen in den Vereinigten Staaten, dem Vereinten Königreich und Deutschland befragt wurden, zeigt detailliert auf, wie Menschen weltweit Cyberkriminalität erleben, und macht deutlich, dass Cyberkriminalität nicht alle gleichermaßen betrifft. Laut der Studie haben demografische Faktoren einen Einfluss darauf, wie oft Menschen zur Zielscheibe werden und wie sie reagieren, wenn sie Opfer werden.

Benachteiligte Gruppen, wie z. B. Menschen mit geringerem Einkommen und niedrigerem Bildungsniveau, fühlen sich demnach online weniger sicher, werden mit größerer Wahrscheinlichkeit Opfer eines Angriffs und erfahren eine größere emotionale Belastung durch Cyberangriffe. Nur 3 Prozent der Personen mit einem Einkommen von weniger als 57.000 Euro halten in Deutschland ihre Daten im Internet für sehr sicher, während dies für immerhin 11 Prozent der Personen mit einem Einkommen von mehr als 57.000 Euro gilt.

Je nach Art der Cyberkriminalität berichten bestimmte Gruppen von einer höheren Wahrscheinlichkeit, online Bedrohungen ausgesetzt zu sein. So erhalten beispielsweise mehr Frauen als Männer Textnachrichten von unbekannten Nummern, die potenziell bösartige Links enthalten (79 Prozent gegenüber 73 Prozent), und mehr People of Color (PoC) sind von gehackten Social-Media-Konten (45 Prozent gegenüber 40 Prozent) und Identitätsdiebstahl (21 Prozent gegenüber 15 Prozent) betroffen als Weiße. Darüber hinaus wurden Personen im Alter ab 65 Jahren häufiger Kreditkarteninformationen gestohlen als Personen der jüngeren Altersgruppe (36 Prozent). In Deutschland spielen Textnachrichten von unbekannten Nummern eine weniger bedeutende Rolle als im Vereinigten Königreich oder den USA. Dennoch ist dies mit 65 Prozent der Betroffenen die mit Abstand häufigste Form der Internetkriminalität in Deutschland. Mit 46 Prozent rangieren gehackte Social-Media-Konten an zweiter Stelle.

Das wahrgenommene Niveau an Online-Sicherheit zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen den Ländern. Im Allgemeinen zeigten sich die Befragten aus Deutschland weniger besorgt als die Befragten aus dem Vereinigten Königreich oder den USA. In Deutschland glauben 44 Prozent der Befragten, dass Kinder unter 18 Jahren sehr anfällig für Online-Betrugsaktivitäten sind, verglichen mit 47 Prozent im Vereinigten Königreich und 51 Prozent in den USA. Die Besorgnis über die Sicherheit von Frauen im Internet zeigt ein ähnliches Bild. 15 Prozent der Befragten aus Deutschland sind der Meinung, dass Frauen durch verdächtige Online-Aktivitäten besonders gefährdet sind, während es im Vereinigten Königreich 18 Prozent und in den USA 23 Prozent sind.

Deutsche weniger besorgt über Cybermobbing

Die Befragten aus Deutschland sind auch weniger besorgt über bestimmte Arten von Online-Bedrohungen für Kinder. In Deutschland waren nur 31 Prozent der Befragten sehr besorgt über Cybermobbing, verglichen mit 44 Prozent im Vereinigten Königreich und 47 Prozent in den USA. Noch deutlicher sind die Unterschiede, wenn es um übergriffiges Verhalten geht. Nur 25 Prozent der Befragten aus Deutschland sind sehr besorgt über diese Art der Bedrohung von Kindern im Internet, während dieser Prozentsatz bei den Befragten aus dem Vereinigten Königreich 45 Prozent und in den USA 54 Prozent beträgt.

Wie die Menschen auf Online-Bedrohungen reagieren, ist ebenfalls von Land zu Land unterschiedlich. Auf die Frage, wie sich die verdächtigen Aktivitäten oder Angriffe auf die Kommunikation mit ihren Angehörigen ausgewirkt haben, schränkten mehr Befragte aus Deutschland ihre Social-Media-Profile ein (37 Prozent) als Befragte aus dem Vereinigten Königreich (21 Prozent) oder den USA (24 Prozent). Die langfristigen Auswirkungen einer verdächtigen Aktivität oder eines Angriffs sind für die Befragten aus Deutschland schwerwiegender als für die Befragten aus den anderen Ländern. Nur 30 Prozent der Befragten aus Deutschland gaben an, dass eine verdächtige Aktivität oder ein Angriff keine langfristigen Auswirkungen auf die Kommunikation mit ihren Angehörigen hatte, im Vergleich zu 45 Prozent aus Großbritannien und 41 Prozent aus den USA.

Nach einem Jahr, in dem einige der größten Cyberangriffe der Geschichte stattgefunden haben, untersucht der Bericht auch die Unterschiede zwischen verschiedenen Zielgruppen. Tatsächlich weisen einzelne Gruppen – je nach Alter, ethnischem Hintergrund, Geschlecht, Einkommen und Bildung – deutliche Unterschiede auf, wie sie ihre persönliche Sicherheit und Privatsphäre im Internet empfinden. Der Bericht zeigt, dass sich Befragte, die sich als Weiße identifizieren, online deutlich häufiger sicher fühlen (44 Prozent gegenüber 38 Prozent bei POC-Befragten), während sich Frauen online am wenigsten sicher fühlen (35 Prozent gaben an, sich nicht sicher zu fühlen, verglichen mit nur 27 Prozent der Männer).

„Die Auswirkungen der Cyberkriminalität auf benachteiligte Bevölkerungsgruppen, insbesondere Frauen und Minderheiten, zu verstehen, ist von entscheidender Bedeutung, da das Internet zu einem wesentlichen Bestandteil des modernen Lebens geworden ist. Die Unterschiede zwischen Bevölkerungsteilen, die sich online sicher fühlen, und benachteiligten Gruppen sind inakzeptabel“, so Marcin Kleczynski, CEO von Malwarebytes. „Die Arbeit, die NGOs wie Digitunity und Cybercrime Support Network leisten, um die Bevölkerung aufzuklären und zu stärken, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden. Als Branche müssen wir zusammenarbeiten, um allen Menschen einen sicheren Internetzugang zu ermöglichen, unabhängig von ihrem Einkommen oder ihren finanziellen Möglichkeiten.“

„Neue Internetnutzer sind unverhältnismäßig stark durch Online-Bedrohungen und Betrüger gefährdet“, sagt Scot Henley, Executive Director von Digitunity. „Durch unsere Partnerschaft mit Malwarebytes werden Zehntausende von Geräten, die einkommensschwachen Familien zur Verfügung gestellt werden, mit einem robusten Viren- und Malware-Schutz ausgestattet. Diese Sicherheitsebene trägt wesentlich zu einem erfolgreichen Online-Zugang bei.“

„Mit der zunehmenden Verflechtung von Technologie und Internetzugang in unserem Alltag werden wir finanziell und emotional immer stärker von Cyberkriminalität beeinflusst“, sagt Robert Burda, Interim Chief Executive Officer beim Cybercrime Support Network. „Mit einem besseren Verständnis dafür, wie sich die digitale Welt auf benachteiligte Gruppen auswirkt, können wir bessere Programme anbieten, die die Menschen direkter abholen.“

Da die Welt immer stärker digital vernetzt ist, werden Cyberbedrohungen weiter zunehmen und für exponierte und ressourcenschwache Nutzer noch gefährlicher werden. Die Aufklärung über Cybersicherheit und die Sensibilisierung für kostenlose Tools wie Antivirenlösungen können Online-Angriffe und deren emotionale und finanzielle Folgen deutlich verringern. Tatsächlich hat der Bericht gezeigt, dass von denjenigen, die von Ransomware angegriffen wurden, fast die Hälfte das Problem mit ihrem Antiviren- oder Cybersicherheitsprogramm beheben konnte.

Weiter zentrale Ergebnisse der Studie:

  • Keine einzige Person in der Umfrage kam noch nicht mit verdächtigen Online-Aktivitäten in Kontakt, unabhängig von Geschlecht, ethnischem Hintergrund, Alter, Einkommen oder Bildungsstand
  • 50 Prozent der Menschen fühlen sich online nicht privat
  • Weltweit fühlen sich Frauen online am wenigsten privat (53 Prozent im Vergleich zu 47 Prozent der Männer)
  • 31 Prozent der Menschen fühlen sich online nicht sicher
  • Weltweit fühlen sich Frauen auch am wenigsten sicher im Internet (35 Prozent gegenüber 27 Prozent der Männer)
  • Nur 79 Prozent der Befragten gaben an, dass sie mit Antivirenprodukten vertraut sind
  • 10 Prozent derjenigen, die ein Antivirenprogramm verwenden, wissen nicht, wovor es sie schützt
  • 46 Prozent der Frauen gaben an, dass ihre Social-Media-Konten gehackt wurden (37 Prozent bei Männern)
  • Nur 47 Prozent der POC-Befragten konnten sich vor den finanziellen Folgen von Cyberkriminalität schützen, verglichen mit 59 Prozent aller Befragten. Damit sind die POC-Befragten finanziell am stärksten von Cyberkriminalität betroffen.
  • 21 Prozent der Frauen und 23 Prozent der POC-Befragten gaben an, dass sie im Umgang mit verdächtigen Online-Aktivitäten erheblichen Stress erleben, verglichen mit 17 Prozent aller Befragten.

Über die Studie: Die Forschungsergebnisse basieren auf einer Umfrage, die von Savanta Inc. zwischen dem 27. Juli und dem 9. August 2021 in den USA, dem Vereinigten Königreich und Deutschland durchgeführt wurde. Für diese Studie wurden 5.000 Befragten allgemeine Fragen zu verdächtigen Online-Aktivitäten und Cyberkriminalität gestellt. Die Befragten wurden über Stichprobenmechanismen und verschiedene Quellen einbezogen, um an der Marktforschungsumfrage teilzunehmen. Die Ergebnisse jeder Stichprobe unterliegen Stichprobenschwankungen.

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