Der Chaos Computer Club ist die größte Hackervereinigung Europas und eine einflussreiche Stimme in Debatten um digitale Bürgerrechte, IT-Sicherheit und Netzpolitik. Er setzt sich als Nichtregierungsorganisation für Kommunikations- und Informationsfreiheit, Datenschutz und Datensicherheit ein. Der staatlichen Überwachung und der Macht großer Tech-Konzerne steht der Club kritisch gegenüber.
Der Chaos Computer Club (CCC) ist die größte Hackervereinigung für Informationsfreiheit, Datenschutz und Datensicherheit in Europa und eine einflussreiche Stimme in Debatten um digitale Bürgerrechte und Netzpolitik.
Der Chaos Computer Club, abgekürzt CCC, wurde 1981 in der Kommune I in West-Berlin von Computerfreaks, Technik-Enthusiasten und kritischen Hackern gegründet. Seit 1986 ist der Chaos Computer Club ein eingetragener Verein. Seinen Hauptsitz hat der dezentral organisierte Verein in Hamburg.
Der CCC hat mittlerweile mehr als 8000 Mitglieder und gilt als älteste, größte und einflussreichste Hackerorganisation Europas. Als Nichtregierungsorganisation (NGO) setzt sich der Chaos Computer Club für die Kommunikations- und Informationsfreiheit, den Datenschutz und die Datensicherheit ein. Er deckt Sicherheitslücken auf, veröffentlicht Stellungnahmen, berät zu IT-Fragen und fördert die Hackerethik für einen respektvollen, kreativen und offenen Umgang mit Technologie und Informationen. Der staatlichen Überwachung und der Macht der großen Tech-Konzerne steht die Hackervereinigung kritisch gegenüber. Zu den Aktivitäten des CCC zählen unter anderem auch die technische Forschung, Publikationen und die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen und Kampagnen. Jedem, der sich mit den Zielen des Vereins identifiziert, steht eine Mitgliedschaft offen. Die Mitarbeit im CCC ist aber nicht unbedingt an eine Mitgliedschaft gebunden. Die Finanzierung des CCC erfolgt überwiegend über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Um unabhängig zu bleiben, verzichtet der Verein bewusst auf Sponsoring, zum Beispiel seiner Veranstaltungen.
Der Chaos Computer Club hat inzwischen eine enorme Bedeutung für den digitalen Diskurs in Deutschland erlangt. Mitglieder des CCC werden beispielsweise immer wieder als Sachverständige im Bundestag oder vor Gerichten gehört. Der Club arbeitet zudem mit anderen Organisationen, die ähnliche Ziele verfolgen, zusammen.
Der CCC e. V. mit Sitz in Hamburg ist zwar grundsätzlich bundesweit tätig, organisiert ist der Club aber dezentral. Eine Art von lokalen Niederlassungen bilden die sogenannten Erfa-Kreise (Erfahrungsaustausch-Kreise). Von diesen Erfa-Kreisen, die eng in die Vereinsstruktur des CCC eingebunden sind, existieren in Deutschland circa 30. Sie beteiligen sich am überregionalen Vereinsleben, veranstalten regelmäßig öffentliche Treffen, beantworten Anfragen und betreiben eigene Webseiten. Als Organ innerhalb des CCC e. V. agiert der Erfa-Beirat, ein regelmäßiges Treffen der Erfa-Kreise. Der Erfa-Beirat legt unter anderem die Kriterien fest, die ein Erfa-Kreis erfüllen soll oder muss.
Neben den Erfa-Kreisen gibt es noch die Chaostreffs. Dabei handelt es sich um lose Zusammenkünfte von Mitgliedern, Interessierten und Menschen, die sich mit dem CCC verbunden fühlen. Darüber hinaus existiert die sogenannte Chaos-Family. Zu ihr gehören Clubs, Vereine und Gruppen, die mit dem CCC sinnverwandt sind, wie chaos.jetzt, Chaos West, Chaoswelle, ChaosZone, Digitalcourage, Haecksen, Metarheinmain und andere.
Veranstaltungen und Publikationen des CCC
Wichtige Aktivitäten des Chaos Computer Clubs sind die Organisation und Durchführung regelmäßiger Veranstaltungen und die Veröffentlichung diverser Publikationen.
Eine der bekanntesten Veranstaltungen ist der jährlich stattfindende Chaos Communication Congress (C3), eines der größten Hackertreffen weltweit. Das mehrtägige Treffen der internationalen Hackerszene wird seit 1984 veranstaltet. Zuletzt kamen regelmäßig über 15.000 Menschen zu dieser Veranstaltung. Der C3 ist eine Fachkonferenz und gleichzeitig eine Art von Hackerparty. Bei der Veranstaltung gibt es eine Vielzahl an Workshops, Thementischen, Bastel- und Hackflächen und Talks. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stehen Themen rund um IT-Sicherheit, Datenschutz, Netzpolitik und digitale Zivilgesellschaft.
Seit 1999 finden im Abstand von vier Jahren die sogenannten Chaos Communication Camps (CCCamps) statt. Sie werden als internationale, viertägige Open-Air-Hackertreffen in der Nähe von Berlin veranstaltet. Neben Hackern treffen sich dort auch Technikbegeisterte und Künstler.
Seit 1984 gibt der Chaos Computer Club die unregelmäßig erscheinende Zeitschrift "Die Datenschleuder" heraus. Der Untertitel der Zeitschrift lautet "Das wissenschaftliche Fachblatt für Datenreisende - ein Organ des Chaos Computer Club". Die online und als Printausgabe erhältliche Zeitschrift behandelt technische und politische Themen der digitalen Welt wie Datenschutz, Kryptografie, Überwachung und Informationsfreiheit. Sie enthält beispielsweise technische Artikel, Anleitungen, Analysen zur Informationssicherheit oder kritische Betrachtungen von Überwachungstechnologien und anderes. Bekanntheit erlangte die Zeitschrift, als im Jahr 2008 in der Ausgabe 92 eine Folie mit dem Fingerabdruck des damaligen Innenministers Wolfgang Schäuble beigelegt wurde. Eine weitere Publikation des CCC ist die Hackerbibel. Die dritte Ausgabe der Hackerbibel erschien 2024. Sie liefert Einblicke in über 40 Jahre Hackerkultur, Aktivismus und IT-Sicherheit und reflektiert humorvoll und voller Bastelspaß die Geschichte des CCC.
Stand: 08.12.2025
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Grundsätze und Themenfelder des Chaos Computer Clubs
Der CCC handelt nach den Grundsätzen der sogenannten Hackerethik. Es handelt sich dabei um ethische Grundsätze des Hackens (Quelle: CCC: Hackerethik), wie:
Der Zugang zu Computern und allem, was einem zeigen kann, wie diese Welt funktioniert, sollte unbegrenzt und vollständig sein.
Alle Informationen müssen frei sein.
Mißtraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung.
Beurteile einen Hacker nach dem, was er tut, und nicht nach üblichen Kriterien wie Aussehen, Alter, Herkunft, Spezies, Geschlecht oder gesellschaftliche Stellung.
Man kann mit einem Computer Kunst und Schönheit schaffen.
Computer können dein Leben zum Besseren verändern.
Mülle nicht in den Daten anderer Leute.
Öffentliche Daten nützen, private Daten schützen.
Der CCC versteht sich gemäß diesen Grundsätzen als eine sowohl technische als auch politische Stimme, die sich grenzüberschreitend für Informationsfreiheit, Datenschutz und einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologie einsetzt. Soziale und politische Auswirkungen von technischen Entwicklungen sollen sichtbar gemacht und öffentlich diskutiert werden. Gleichzeitig sollen aber auch der Spaß am Gerät vermittelt und technische Kompetenz und kritisches Denken gefördert werden.
Abgeleitet aus den Grundsätzen der Hackerethik beschäftigt sich der Chaos Computer Club mit Themenkomplexen wie Authentifizierungs- und Identitätsverfahren, Biometrie, Abmahnwesen, elektronische Gesundheitskarte, Routerzwang, Staatstrojaner, Profiling und Tracking, Vorratsdatenspeicherung, Wahlcomputer, Netzneutralität, NSA, Anonymität und Verschlüsselung, freie Software, sichere Kommunikationsmittel, demokratische Kontrolle technischer Infrastrukturen und Gesetzgebung zu Internet, Kommunikationsfreiheit und Urheberrecht.
Einige Beispiele für bekannte Aktionen und aufgedeckte Sicherheitslücken des CCC
Im Laufe der Jahre machte der Chaos Computer Club immer wieder durch gezielte Hacks, spektakuläre Demonstrationen und aufgedeckte Sicherheits- und Datenlücken auf sich und digitale Themen oder Missstände aufmerksam. Im Folgenden einige Beispiele für bekannte Aktionen und durch den Chaos Computer Club aufgedeckte Sicherheitslücken:
Mitglieder des Clubs machten im Jahr 1984 auf eine Schwachstelle im Bildschirmtext-System (BTX) aufmerksam, mit der Zugangsdaten der Hamburger Sparkasse ausgelesen und 135.000 DM auf ein CCC-Konto gebucht werden konnten. Das Geld gab der CCC nach Veröffentlichung der Lücke wieder zurück.
1998 bewies der CCC durch den sogenannten GSM-Hack, dass sich GSM-Karten unter bestimmten Umständen klonen und Gespräche auf Kosten der ursprünglichen Teilnehmer absetzen ließen.
Mit dem 2004 veröffentlichten T-Com-Hack machte der CCC auf eine Sicherheitslücke im Auftragsabwicklungssystem OBSOC der Deutschen Telekom aufmerksam, über die der Zugang zu geschützten Daten in der OBSOC-Datenbank möglich war.
2006 demonstrierten Mitglieder des Chaos Computer Clubs und eine niederländische Stiftung, wie einfach sich Wahlcomputer der Firma Nedap manipulieren ließen. Eine Folge dieser Demonstration war, dass das Bundesverfassungsgericht den Einsatz der Wahlcomputer für verfassungswidrig erklärte.
2008 veröffentlichte der Chaos Computer Club in seiner Zeitschrift Datenschleuder den Fingerabdruck des damals amtierenden Bundesinnenministers Wolfgang Schäuble und legte eine Folie bei, mit der sich der Abdruck nachbilden ließ. Diese Veröffentlichung war als ein Protest gegen biometrische Ausweise gedacht.
Zu den weiteren bekannten Aktionen und aufgedeckten Sicherheitslücken des CCC zählen:
PC-Wahl-Hack 2017: gravierende Sicherheitsmängel der bei verschiedenen Wahlen eingesetzten Software PC-Wahl
Opt-in-Phase der elektronischen Patientenakte (ePA) 2021: gravierende Probleme im Bezug auf Sicherheit und Datenschutz
Austausch von Konnektoren in Arztpraxen 2022: unnötiger Hardwaretausch von Konnektoren, da Software-Updates der Zertifikate möglich
Volkswagen-Sammlung von Fahrzeugbewegungsdaten 2024: systematische Erfassung, Auswertung und unzureichend geschützte Speicherung der Bewegungsdaten von hunderttausenden Fahrzeugen durch den Volkswagen-Konzern