Der neue Microsoft Vulnerabilities Report von Beyondtrust zeigt, dass trotz weniger Schwachstellen mehr kritische Sicherheitslücken besonders Cloud und Identitäten gefährden. Sicherheitsteams stehen vor neuen Herausforderungen, die eine identitätsorientierte Strategie erfordern.
Im Jahr 2025 gab es 1.273 Microsoft-Schwachstellen, davon waren 157 kritisch.
Mit seinen vielfältigen Lösungen und Produkten ist Microsoft nicht nur beliebt bei Unternehmen, sondern auch bei Cyberkriminellen. Um einen Überblick über das aktuelle Angriffsverhalten zu geben, hat Beyondtrust zum dreizehnten Mal seinen „Microsoft Vulnerabilities Report“ veröffentlicht, für den Daten aus 2025 ausgewertet wurden. Der Report gibt Informationen zu den größten Angriffsflächen des Microsoft-Ökosystems und der Art und Weise, wie der Hersteller Schwachstellen klassifiziert. Mit diesen Informationen können Sicherheitsbeauftragte ihr Patch-Management verbessern.
Interessant ist, dass obwohl sich die Taktiken und Tools der Angreifer verbessert haben, die Gesamtzahl der Microsoft-Schwachstellen laut Beyondtrust um sechs Prozent gesunken ist. Allerdings hätten sich gleichzeitig kritische Risiken bei Cloud- und Enterprise-Plattformen im Jahresvergleich verdoppelt, wodurch Schweregrad und Auswirkungen der Sicherheitslücken rapide steigen würden. Insgesamt verzeichnen die Analysten ein verändertes Risikoprofil für das Jahr 2025, das durch KI-beschleunigte Schwachstellenerkennung, eine wachsende Cloud-Akzeptanz und immer ausgefeiltere Angriffsstrategien beim Missbrauch digitaler Identitäten und privilegierter Zugriffsrechte gekennzeichnet sei.
Auf den ersten Blick deutet der Rückgang bei den erfassten Schwachstellen auf eine allgemeine Verbesserung der Sicherheitslage hin. Microsofts hohe Sicherheitsinvestitionen scheinen sich auszuzahlen und die schnell wachsende Angriffsfläche unter Kontrolle zu halten. Die Analysten würden jedoch davon ausgehen, dass weitere Beobachtungen nötig seien, um langfristig zu sehen, ob die klassische Schwachstellenbehebung die aktuelle Sicherheitslage noch vollständig abbildet. Insbesondere KI-gesteuerte Systeme, maschinelle Identitäten (Non-Human Identities, NHIs) und komplexe Cloud-Architekturen würden verschiedene Risiken nach sich ziehen, die nicht bedingungslos über CVE-Listen (Common Vulnerabilities and Exposures) darstellbar seien.
Gerade neue KI-Technologien würden die Bemühungen gegen IT-Sicherheitslücken verändern und ihre Entdeckung beschleunigen. Der Einsatz von KI ermögliche es Angreifern aber auch, ausgelieferte Patches schneller als zuvor zu analysieren, Reverse Engineering der Fehler durchzuführen und Exploits aktiv auszunutzen. Hier gebe es ein immer härteres Wettrennen zwischen der Meldung von Schwachstellen und ihrer realen Ausnutzung. Organisationen würden sich dabei unterschiedlichen Gefahren ausgesetzt sehen, wenn ihre bisherigen Verteidigungsmechanismen zu spät greifen.
Die wichtigsten Erkenntnisse des Microsoft Vulnerabilities Reports
Die Gesamtzahl der Schwachstellen sei im Jahr 2025 um sechs Prozent auf 1.273 gesunken, gegenüber 1.360 im Jahr 2024.
Die Anzahl der kritischen Schwachstellen habe sich im Jahresvergleich von 78 auf 157 verdoppelt.
Im Zuge eines anhaltenden Trends der Post-Pandemie-Zeit sei im vergangenen Jahr ein massiver Anteil von 40 Prozent (509) aller Schwachstellen auf die Kategorie „Rechteausweitung“ (Elevation of Privilege) entfallen.
Bei Microsoft Azure und Dynamics 365 habe sich die Anzahl der kritischen Schwachstellen von vier auf 37 verneunfacht.
Für Microsoft Edge seien im vergangenen Jahr 50 Schwachstellen verzeichnet worden. Dies sei ein Rückgang um 83 Prozent im Jahresvergleich.
Im Jahr 2025 seien 612 Windows-Schwachstellen veröffentlicht worden. Dvon waren 36 als kritisch eingestuft.
Windows Server habe im Jahr 2025 insgesamt 780 Schwachstellen aufgewiesen, von denen 50 als kritisch gegolten hätten.
Für Microsoft Office seien im Jahr 2025 insgesamt 157 Schwachstellen registriert worden. Die sei mehr als das Dreifache der im Jahr 2024 erfassten Gesamtzahl. Die Anzahl der kritischen Schwachstellen habe sich im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht.
Tipp: Über alle wichtigen Microsoft-Schwachstellen, die der Hersteller bei seinem Patch Tuesday schließt, informiert Security-Insider einmal im Monat.
„Der numerische Rückgang der Schwachstellen insgesamt suggeriert eine Entschärfung der Sicherheitslage. Im gleichen Zeitraum hat sich aber die Anzahl kritischer Schwachstellen verdoppelt. Das ist eine ernstzunehmende Warnung, dass die Risiken nicht abnehmen, sondern sich vor allem auf identitätsbezogene Zugriffswege konzentrieren“, kommentierte James Maude, Field Chief Technology Officer bei Beyondtrust. „Die Erhöhung von Berechtigungen betraf erneut 40 Prozent aller Schwachstellen, denn Angreifer benötigen sie zur Kompromittierung kritischer Systeme. Auch die neunfache Zunahme der kritischen Schwachstellen von Azure und Dynamics 365 dokumentiert eine weiterhin angespannte Gefahrenlage.“
Gleichzeitig ist absehbar, dass fortgeschrittene Large-Language-Models, etwa Varianten wie Claude Mythos, von Angreifern missbraucht werden können, um Codebasen, Binärartefakte und Konfigurationen automatisiert zu durchleuchten, Schwachstellen zu priorisieren und die Entwicklung von Exploits konzeptionell zu unterstützen. Dadurch verkürzt sich die Zeitspanne zwischen Offenlegung oder Patch-Release und aktiver Ausnutzung weiter, was Sicherheitsteams unter zusätzlichen Zeitdruck setzt. Für sie entstehen neue Anforderungen: KI-gestützte Detektion und Priorisierung, die Erweiterung von Telemetrie um KI-spezifische TTPs, der Einsatz von AI‑Red‑/Purple‑Teaming, strengere Governance gegen Modellmissbrauch sowie das Härten eigener KI‑Workloads gegen Prompt‑Injection, Datenabfluss und Modellvergiftung.
Stand: 08.12.2025
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Als die wichtigsten Sicherheitserkenntnisse für Unternehmen nennt Beyondtrust:
Schnellstmögliche Installation von Patches und gleichzeitig Wachsamkeit gegen dennoch möglicher Kompromittierungen.
Durchsetzung des Least-Privilege-Prinzips zur Begrenzung der Auswirkungen eines Angriffs und zur angemessenen Reaktion.
Umsetzung identitätsorientierter Sicherheitsstrategien zum Schutz aller digitalen Identitäten, menschlich oder maschinell.
Konzentration auf den Schutz der Zugriffspfade und nicht nur auf individuelle Schwachstellen.