Zero Trust für vernetzte Produktionsumgebungen Zero Trust schützt den Zugang zu OT-Umgebungen

Ein Gastbeitrag von Udo Fink 4 min Lesedauer

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Vernetzte OT-Umgebungen mit Legacy-Systemen und Remote-Steuerung vergrößern die Angriffsfläche. Zero Trust schützt Zugänge, indem jede Instanz vor jeder Verbindung authentifiziert wird und Zugriffe nach Least Privilege sowie per Segmentierung begrenzt sind. Umfassendes Logging und perspektivisch KI-gestützte Analysen erhöhen die Reaktionsfähigkeit.

Zero Trust begrenzt Zugriffe in OT-Netzen. Jede Verbindung wird authentifiziert, Rechte folgen Least-Privilege-Prinzipien und Segmentierung verhindert laterale Bewegungen, wenn es doch ein Angreifer ins Netzwerk schafft.(Bild: ©  leonidkos - stock.adobe.com)
Zero Trust begrenzt Zugriffe in OT-Netzen. Jede Verbindung wird authentifiziert, Rechte folgen Least-Privilege-Prinzipien und Segmentierung verhindert laterale Bewegungen, wenn es doch ein Angreifer ins Netzwerk schafft.
(Bild: © leonidkos - stock.adobe.com)

Einem Fremden das Handy überlassen? Niemals! Da sind private Fotos, Login-Daten und andere sensible Informationen drauf. Aber warum gilt diese Logik oftmals nicht in Produktionsumgebungen? Wir zeigen, warum sich das ändern sollte und warum Zero Trust perfekt für diesen Wandel ist

Fast jeder zehnte Ransomware-Angriff wurde in Q2 2025 laut einer Studie von Check Point Research auf industrielle Produktionsunternehmen verübt. Damit zählt der Sektor zu den beliebtesten Opfern von Cyberkriminellen. Und wenn man bedenkt, dass viele dieser Unternehmen in kritischen Bereichen wie Gesundheit, Energie, Wasser oder Lebensmittel tätig sind, wird klar, wie viel auf dem Spiel steht.

Diverse Schwachstellen wie eine komplex vernetzte Produktionsumgebung, Legacy-Systeme sowie unzureichende Sicherheitsmechanismen begünstigen die Anfälligkeit industrieller Unternehmen. Leider kennen auch Cyberangreifer all diese Lücken. Und da diese ihre Fähigkeiten, Methoden und Tools an den aktuellen Technologiestand anpassen, um ihren Opfern immer mehrere Schritte voraus zu sein, ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Produktionsunternehmen ins Visier gerät.

Viele Schwachstellen führen ins Netzwerk

Früher waren die Mitarbeitenden selbst für die Überprüfung und den reibungslosen Betrieb aller Anlagen verantwortlich. Die IT-Umgebung wurde mithilfe eines Security-Perimeters abgesichert – ähnlich wie eine mittelalterliche Festung, die durch einen tiefen Wassergraben geschützt wurde. Seitdem hat sich allerdings einiges geändert. Heute zeichnet sich diese Umgebung vor allem durch wachsende Komplexität, Datensilos und ein durch Remote-Steuerungen und -Kontrollen beeinflusstes, verteiltes Netzwerk aus.

Tausende Sensoren haben die gesamte Produktionslandschaft im Blick und erkennen sofort, wenn etwas von der Norm abweicht – zum Beispiel in Form von Druck- oder Temperaturveränderungen. Daneben treffen KI-Systeme automatisch Entscheidungen, erstellen für verschiedene Szenarien digitale Zwillinge von physischen Anlagen und sehen Wartungszyklen voraus. Workflows werden zudem nun auch aus der Ferne über die Cloud gesteuert. In dieser Umgebung treffen Informationstechnologie (IT) und Operational Technology (OT) direkt aufeinander, verschmelzen regelrecht und tauschen kontinuierlich Daten aus. Schließlich sind die Prozesse hier vor allem auf Produktivität und Effizienz ausgelegt. Gleichzeitig bedeutet das allerdings auch, dass sich die Angriffsfläche im Laufe der Zeit vergrößert hat.

Trotz der Einführung innovativer Technologien wie Cloud-Plattformen, autonomer Roboter sowie vernetzter IoT-Geräte setzen die meisten Produktionsunternehmen noch immer auf zwar zuverlässige, aber veraltete Systeme. Diese lassen sich in der Regel kaum mehr konfigurieren und effektiv absichern, da der Security Support in vielen Fällen vor Jahren bereits eingestellt wurde.

Das Cyberrisiko wächst

In modernen, hypervernetzten Produktionsumgebungen ist demnach das Risiko weitreichender Störungen, Ausfälle und ungewollter Eingriffe durch Dritte höher denn je. Besonders für Cyberkriminelle, die sich mittlerweile auch Künstlicher Intelligenz bedienen, um ihre Phishing- und Deep-Fake-Angriffe noch überzeugender zu machen, eröffnet diese zerklüftete Landschaft einfache Wege ins Netzwerk. Gerade die Folgen von Ransomware- und anderen Cyberangriffen – darunter Betriebsausfälle, finanzielle Verluste, Reputationsschäden, gestörte Lieferketten, Verstöße gegen den Datenschutz oder Gefährdung von Mitarbeitenden und der Öffentlichkeit – zeigen, wie wichtig es ist, sich proaktiv auf den Ernstfall vorzubereiten.

So haben laut einer aktuellen DXC-Umfrage mehr als zwei Drittel der deutschen Unternehmen verschiedene Maßnahmen in Form von Sicherheits-Tools (76 Prozent) oder Multi-Faktor-Authentifizierung (73 Prozent) eingeführt. 75 Prozent bieten ihrer Belegschaft zusätzlich regelmäßige IT-Sicherheitsschulungen an. Allerdings reichen diese Schritte allein nicht mehr aus. Hinzu kommt, dass Produktionsunternehmen ihre Legacy-Infrastrukturen modernisieren müssten, um sich modernen Bedrohungen stellen zu können. Das ist in den meisten Fällen kaum möglich, ohne Ausfälle zu riskieren.

Zero Trust: Cyberkriminellen Steine in den Weg legen

Umso wichtiger ist es, eine robuste Grundlage zu schaffen. In einer Umgebung, in der der reibungslose, kontinuierliche und sichere Betrieb höchste Priorität hat, sollten Entscheider grundsätzlich davon ausgehen, dass alles kompromittiert werden kann. In der Produktionsumgebung würde das nicht nur auf Menschen und ihre Geräte zutreffen, sondern auch auf vernetzte Anlagen. Der Zero-Trust-Ansatz bietet dafür ein einfaches Framework. Jeder Nutzer, jedes Gerät, jede Anwendung und jede Maschine könnten als Zugang zum Netzwerk zweckentfremdet werden. Deshalb muss sich jede Instanz – deren Identität, Verhalten, Zustand, Integrität sowie Zugriffskontexte – vor jeder Netzwerkverbindung authentifizieren. Das gilt ebenfalls für Zugriffsanfragen auf andere Netzwerkkomponenten. Schließlich sollte eine Maschine nur die Anweisungen von autorisierten Mitarbeitenden umsetzen.

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Darüber hinaus sind mit einer Zero-Trust-Architektur zahlreiche weitere Sicherheitsmaßnahmen möglich. Ganz im Sinne des Least-Privilege-Prinzips können Admins zum Beispiel bestimmten Rollen lediglich die für sie relevanten Zugriffsprivilegien vergeben. Mittels Netzwerksegmentierung lässt sich verhindern, dass sich erfolgreiche Angreifer frei durch das Netzwerk bewegen. Wichtig ist, dass sämtliche Aktionen geloggt werden. Dies hilft vor allem im Rahmen von Sicherheitsvorfällen und Compliance-Fragen dabei, Änderungen nachzuverfolgen.

Fazit

Bei Zero Trust geht es nicht darum, die bestehenden Systeme noch weiter zu verkomplizieren oder sogar der Belegschaft zu signalisieren, dass man ihr nicht vertraut. Vielmehr geht mit diesem Schritt die Anpassung an die neue Cyber-Security-Realität einher. Eine Realität, in der sich Produktionsunternehmen proaktiv darauf vorbereiten müssen, dass Cyberkriminelle früher oder später mit allen Mitteln angreifen werden. Und dagegen hilft kein konventioneller Perimeter mehr. Identitäten, Verhaltensweisen, Integrität: Das sind die neuen „Tokens, die bei positiver Authentifizierung Einlass ins Netzwerk gewähren.

Dieses Konzept wird in Zukunft sogar noch weiter ausgebaut. Während das Zugangsmanagement und die konsequente Überprüfung bestehen bleiben, werden weitere dynamische Mechanismen wie KI-gestützte Bedrohungserkennung, Risikobewertung und Verhaltensanalysen ergänzt. Dadurch können Produktionsunternehmen von einer umfassenden Sicherheitsarchitektur profitieren, die frühzeitig Gefahren erkennt und automatisch Gegenmaßnahmen ergreift – und das ohne die Kontrolle über Identitäten, Geräte und Zugriffe abgeben zu müssen.

Über den Autor: Udo Fink ist Senior Manager Security Central, Northern, and Eastern Europe (CNEE) & Digital Identity EMEA bei DXC Technology.

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