Die NIS-2-Richtlinie markiert einen Wandel in der EU-Cybersicherheit, indem sie sich auf weitere Branchen ausdehnt und strengere Anforderungen stellt. Angesichts von hohen Strafen und komplexen Compliance-Ansprüchen stehen Unternehmen vor einem Schlüsselmoment. Sie müssen sich im Chaos zurechtfinden und in einer Welt der Cyber-Bedrohungen Resilienz aufbauen.
Tritt man einen Schritt zurück, so erkennt man, dass eine der größten Hürden nicht im technischen Aspekt der Compliance besteht, sondern in dem Kulturwandel, den NIS-2 verlangt.
(Bild: Who is Danny - stock.adobe.com)
Die Europäische Union hat mit der Umsetzung der NIS-2-Richtlinie ein neues Zeitalter der Cybersicherheit eingeläutet. Dieser Nachfolger der ursprünglichen Richtlinie zur Netzwerk- und Informationssicherheit hat ehrgeizige Ziele und eine umfassende Tragweite. Bevor wir uns aber genauer ansehen, wie man auf der richtigen Seite des Gesetzes bleibt, wollen wir uns einen Moment Zeit nehmen, um aufzuschlüsseln, warum NIS-2 wichtig ist und weshalb sich so viele Organisationen an einem Scheideweg befinden.
Im Gegensatz zur Vorgängerrichtlinie bessert NIS-2 nicht nur notdürftig vorhandene Schwachstellen aus; es schreibt vielmehr das Regelwerk neu. Die Richtlinie erkennt an, dass die digitale Welt vernetzt ist und dass für ihren Schutz mehr als nur Stückwerk erforderlich ist. Sie dehnt ihren Wirkungsbereich auf ein breiteres Spektrum an Branchen aus –mehr als nur die üblichen Verdächtigen wie Energie- oder Finanzsektor. Jetzt fallen auch öffentliche Verwaltungen, digitale Dienstleister und sogar mittelgroße Unternehmen in ihren Zuständigkeitsbereich.
Doch hier wird es knifflig: Nicht alle Mitgliedsstaaten schreiten im selben Tempo voran. NIS-2 ist eine Richtlinie, das heißt, ihre jeweilige Umsetzung in nationales Recht obliegt den einzelnen EU-Ländern. Bisher haben Länder wie Portugal und Bulgarien und auch Deutschland dies nicht getan, was bei grenzüberschreitend tätigen Unternehmen zu der Frage führt: „Welche Regeln gelten für uns?“ Das ist eine berechtigte Frage, zumal die Strafzahlungen bei Nichteinhaltung bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des Jahresumsatzes betragen könnten.
Für Unternehmen stellt NIS-2 ebenso sehr eine Compliance-Aufgabe wie auch eine Herausforderung bei der Auslegung dar. Wer genau ist wofür zuständig? Reichen Ihre Maßnahmen aus oder wetten Sie gegen die Auslegung einer Regulierungsbehörde? Die Ungewissheit ist spürbar, jedoch auch die Dringlichkeit.
Tritt man einen Schritt zurück, so erkennt man, dass eine der größten Hürden nicht im technischen Aspekt der Compliance besteht, sondern in dem Kulturwandel, den NIS-2 verlangt. In vielen Organisationen galt Sicherheit lange als Kostenstelle, als Verpflichtung oder als etwas, das man an die IT-Abteilung delegiert.
Stellen Sie sich einen mittelgroßen produzierenden Betrieb vor, der plötzlich in den Geltungsbereich von NIS-2 fällt. Man hat dort nie zuvor im Detail über Lieferkettensicherheit nachdenken müssen. Jetzt beurteilt man hektisch, ob die eigenen Lieferanten den Standards der Richtlinie entsprechen, während man es gleichzeitig mit vagen Begriffen wie „angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen“ zu tun hat. Es ist, als bekäme man eine Landkarte ohne Legende überreicht.
Oder denken Sie an das Tech-Start-up mit verteilter Belegschaft, das mit entfernten Endpunkten, Cloud-Infrastruktur und globalen Kunden jongliert. Dieses wird von NIS-2 nicht nur aufgefordert, seine Daten zu schützen; es wird der Nachweis verlangt, dass es sie einem Standard entsprechend schützt, welcher derzeit noch im nationalen Recht präzisiert wird.
Diese Ungewissheit ist nicht nur frustrierend, sondern auch teuer. Und doch wird daraus mit den richtigen Werkzeugen und Verfahrensweisen die Chance, in einer Welt, in der hinter jeder Ecke die nächste große Cyber-Bedrohung lauert, den Grundstein für Resilienz zu legen.
Beginnen Sie mit dem, was Sie wissen. Jede Organisation hat Schwachstellen, von denen einige eklatant, andere hingegen subtil sind. Der erste Schritt besteht darin, diese mit brutaler Ehrlichkeit zu beurteilen. Keine Abkürzungen, kein Wunschdenken. Es geht hier nicht nur darum, Dinge abzuhaken, sondern darum, zu verstehen, wo Ihre Abwehr stark ist und wo nur hauchdünn.
Technologie spielt in diesem Szenario natürlich eine zentrale Rolle. Der Geltungsbereich von NIS-2 erstreckt sich auf alle Aspekte der Cybersicherheits-Architektur einer Organisation. Dazu gehören Endpunkte, Daten, Identitäten, Netzwerke und mehr. Dies erfordert eine Kombination von Werkzeugen, die zusammenarbeiten und jeden Aspekt schützen. So setzen moderne Netzwerksicherheitstools beispielsweise alles von fortschrittlichen Firewalls bis hin zu Angriffserkennungssystemen ein, um Attacken abzuwehren, bevor diese Ihr Allerheiligstes erreichen.
Stand: 08.12.2025
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Werkzeuge für Lieferanten-Risikomanagement können hier behilflich sein, indem sie Ihnen Einblick in die Sicherheitsverfahren Ihrer Partner geben und sicherstellen, dass diese die gleichen strengen Standards erfüllen, die für Sie gelten.
Dann gibt es das Thema Daten. Verschlüsselung wird hier zu Ihrem besten Freund – sie sichert Daten, sodass selbst jemand, der Zugriff darauf erlangt, nichts damit anfangen kann. Schutz allein genügt jedoch nicht; Resilienz ist ebenso wichtig. Backup-Systeme in Kombination mit robusten Notfallwiederherstellungsplänen gewährleisten, dass Ihre Betriebsabläufe selbst im schlimmsten Fall schnell wieder auf die Beine kommen können.
Besprechen wir jetzt einen weniger offensichtlichen, aber gleichermaßen entscheidenden Punkt: Identität. Es reicht nicht aus, Netzwerke und Daten zu sichern; Sie müssen auch steuern, wer Zugriff darauf hat. IAM-Lösungen sorgen dafür, dass die richtigen Personen zur richtigen Zeit auf die richtigen Ressourcen Zugriff haben – nicht mehr und nicht weniger.
Darüber hinaus gibt es Endpunkte, die locker eines der schwächsten Glieder in der Verteidigung jedes Unternehmens darstellen. Unter NIS-2 hat ihre Sicherung Priorität. An dieser Stelle wird Unified Endpoint Management (UEM) unverzichtbar. Eine gute UEM-Lösung leistet mehr als nur Geräteüberwachung; sie setzt Sicherheitsrichtlinien wie automatische Updates, verschlüsselte Daten und schnelle Isolation kompromittierter Geräte durch – alles über ein einziges Portal. Darüber hinaus helfen die Fernüberwachungsfähigkeiten eines UEM den IT-Administratoren dabei, den Compliance-Status jedes Endpunkts im Blick zu behalten, um zu gewährleisten, dass kein Gerät durch das Raster fällt.
Im Mittelpunkt all dieser Bemühungen steht das Bedürfnis nach Sichtbarkeit. Keine Organisation kann darauf hoffen, NIS-2 zu erfüllen, wenn sie keine klare Sicht auf die eigene Sicherheitslage hat. Hier glänzen integrierte Plattformen wie SIEM-Systeme. Diese ziehen Daten aus Ihrem gesamten Netzwerk zusammen, analysieren sie in Echtzeit und machen Sie auf Unregelmäßigkeiten aufmerksam, die einen Verstoß signalisieren könnten.
Und schließlich gibt es den Faktor Mensch. Die Mitarbeiter sind und bleiben sowohl die größte Bereicherung als auch das größte Risiko eines Unternehmens. Schulungen werden oftmals als einmalige Angelegenheit behandelt – eine Compliance-Übung, die man schnell vergisst. Unter NIS-2 ist es jedoch unerlässlich, Cybersicherheit in Ihrer Organisation zur gelebten Realität zu machen. Die Menschen müssen verstehen, dass jeder Klick, jede E-Mail und jede Entscheidung von Bedeutung ist.
In Wirklichkeit ist das Erreichen von NIS-2-Compliance keine einmalige Anstrengung, sondern ein fortlaufender Prozess. Setzt man aber die richtigen Technologien ein, dann dreht sich dieser Prozess weniger um Angst und Frustration und stattdessen mehr um den Aufbau einer stärkeren, resilienteren Organisation, die in einer Zeit unablässiger Cyber-Bedrohungen nicht nur überleben, sondern auch Erfolg haben kann.
Über den Autor: Apu Pavithran ist Gründer und CEO von Hexnode UEM, ein in der IT-Management-Community anerkannter Berater, Redner und Vordenker sowie ein starker Befürworter von IT-Governance und Informationssicherheitsmanagement. Er ist Unternehmer aus Leidenschaft und wendet beträchtliche Zeit dafür auf, Artikel und Erkenntnisse zu Themen beizusteuern, die ihm am Herzen liegen.