Cyberrisiken zählen zu den größten Unternehmensrisiken Warum Cybersicherheit für ESG entscheidend ist

Ein Gastbeitrag von MBA Victoria Riess 4 min Lesedauer

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Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) und Cybersicherheit galten lange als getrennte Themenfelder. Tatsächlich überschneiden sie sich zu­nehmend, mit Folgen für beide Disziplinen. Victoria Riess, Autorin des Fachbuchs ESG-Leadership, ordnet ein, welche Strategien Datenschutz wirksam in ESG-Programme integrieren und welche neuen Risiken der Einsatz von KI in diesem Zusammenhang mit sich bringt.

ESG-Verantwortliche und IT-Sicherheitsteams arbeiten in vielen Unternehmen noch getrennt. Beide Bereiche müssen künftig enger zusammenwachsen.(Bild: ©  ImageFlow - stock.adobe.com)
ESG-Verantwortliche und IT-Sicherheitsteams arbeiten in vielen Unternehmen noch getrennt. Beide Bereiche müssen künftig enger zusammenwachsen.
(Bild: © ImageFlow - stock.adobe.com)

1. Cybersicherheit im ESG-Kontext

Cybersicherheit wurde lange Zeit primär als technisches Thema verstanden. Inzwischen entwickelt sie sich jedoch zunehmend zu einem zentralen Bestandteil der ESG-Strategie von Unternehmen – insbesondere im Bereich „Social" und zunehmend auch im Bereich „Governance".

Wenn wir über IT-Sicherheit sprechen, meinen wir häufig Datensicherheit – also den Schutz personenbezogener Daten von Mitarbeitenden und Verbraucherinnen und Verbrauchern. Datenschutz und Privatsphäre sind in Europa grundlegende Menschenrechte und zudem in internationalen Menschenrechtschartas verankert. Im ESG-Kontext fallen diese Themen daher klar unter den sozialen Aspekt.

Mit der steigenden Bedeutung sozialer Verantwortung rücken Datenschutz und Cybersicherheit automatisch stärker in den Fokus. Gleichzeitig gehören Cyberrisiken inzwischen zu den größten Unternehmensrisiken überhaupt – oft sogar zu den Top drei. Viele Unternehmen sind jedoch noch nicht ausreichend darauf vorbereitet, Cybersicherheit konsequent in ihr Risiko­management zu integrieren.

Hinzu kommen neue regulatorische Anforderungen, die Vorstände zunehmend verpflichten, angemessene Cybersicherheitsmaßnahmen sicherzustellen und deren Umsetzung aktiv zu überwachen. Damit bewegt sich Cybersicherheit nicht nur im Bereich „Social", sondern zunehmend auch im Bereich „Governance". Genau dort sieht die Autorin derzeit die größten Entwicklungen.

Fachbuch ESG-Leadership

Victoria Riess, ESG-Leadership: Integration von Nachhaltigkeits- und digitaler Transformation (1. Aufl. 2026), ISBN: 978-3-7910-6691-2, Schäffer-Poeschel.(Bild:  Schäffer-Poeschel)
Victoria Riess, ESG-Leadership: Integration von Nachhaltigkeits- und digitaler Transformation (1. Aufl. 2026), ISBN: 978-3-7910-6691-2, Schäffer-Poeschel.
(Bild: Schäffer-Poeschel)

Integration von Nachhaltigkeits- und digi­taler Transformation.

Das Buch bietet Führungskräften fundierte Einblicke und praxisnahe Ansätze zur nach­haltigen Unternehmensführung. Es be­leuch­tet ganzheitliche ESG-Strategien und digitale Verantwortung als zentrale Faktoren für den langfristigen Unternehmenserfolg. Mit besonderem Fokus auf Corporate Digital Responsibility, verantwortungsvollem Datenmanagement und Cybersicherheit

  • Entwicklung und Integration von ESG-Prinzipien in die Unternehmensstrategie
  • Vorantreiben der digitalen Transformation im Einklang mit ESG-Prinzipien
  • Best-Practices zur Förderung einer ver­ant­wor­tungs­vollen Unternehmenskultur

Riess, V. (2026). ESG-Leadership: Integration von Nachhaltigkeits- und digitaler Transformation (1. Aufl.), ISBN: 978-3-7910-6691-2, Schäffer-Poeschel.

2. Datenschutz als Bestandteil von ESG

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) war die erste unionsweit unmittelbar geltende und vereinheitlichte Datenschutzregulierung in Europa. Viele internationale Unternehmen haben die DSGVO als Grundlage für globale Compliance-Strukturen genutzt. Dafür mussten neue Governance-Modelle, Berichtssysteme und Kontrollmechanismen etabliert werden – häufig inklusive eigener Projekt- und Steuerungsstrukturen.

Diese Erfahrungen haben sich als äußerst wertvoll erwiesen. Viele Unternehmen übertragen heute die im Datenschutz entwickelten Governance-Ansätze auf ihre umfassenderen ESG-Programme. Deshalb sieht die Autorin zunehmend Datenschutzbeauftragte in erweiterten ESG-Rollen.

Langfristig wird sich die Perspektive jedoch vermutlich umkehren. Neue digitale Technologien – insbesondere künstliche Intelligenz – werfen weit mehr Fragen auf als nur Datenschutz- und Sicherheitsfragen. Häufig wird verantwortungsvolle Technologie noch mit Datenschutz und Cybersicherheit gleichgesetzt. Tatsächlich geht es aber um deutlich mehr.

Dazu gehören beispielsweise Barrierefreiheit, algorithmische Verzerrungen, Diskriminierungs­risiken oder auch der Energieverbrauch von KI-Systemen. Die europäische KI-Verordnung verpflichtet beispielsweise Anbieter von KI-Modellen mit allgemeinem Verwendungszweck, den Energieverbrauch ihrer Modelle in der technischen Dokumentation offenzulegen. ESG wird daher künftig den größeren Rahmen bilden, innerhalb dessen Datenschutz und Cybersicherheit wichtige, aber eben nur einzelne Bestandteile darstellen.

3. KI und ESG

KI bietet enormes Potenzial. Insbesondere generative KI kann große Datenmengen analysieren, Muster erkennen und Unternehmen dabei unterstützen, ihre ESG-Performance besser zu bewerten und voneinander zu lernen.

Gleichzeitig erleben wir derzeit noch erhebliche Qualitätsunterschiede bei den Ergebnissen generativer KI. Manche Resultate sind hervorragend, andere dagegen schlicht falsch. Deshalb hält die Autorin es aktuell noch nicht für sinnvoll, KI ungeprüft als Grundlage offizieller ESG-Berichterstattung einzusetzen – es sei denn, die Ergebnisse lassen sich zuverlässig verifizieren.

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Sehr sinnvoll ist KI hingegen für Analysen, Benchmarking oder die Identifikation von Verbesserungspotenzialen – etwa im Bereich der Sicherheitsarchitektur oder des Risikomanagements. In diesem Kontext sieht die Autorin großes Innovationspotenzial.

4. Fazit: Verantwortungsvolle Technologie

ie Geschwindigkeit, mit der sich KI entwickelt, scheint unsere Fähigkeit zur Regulierung beinahe zu überholen.

Zunächst müssen wir definieren, was „verantwortungsvoll" überhaupt bedeutet. Für die Autorin heißt das, Technologie so zu entwickeln, einzusetzen und zu nutzen, dass sie möglichst allen Menschen zugutekommt.

Das Mindestmaß besteht darin, potenzielle negative Auswirkungen auf Individuen, Gesellschaft und Umwelt aktiv zu identifizieren und zu minimieren. Im Idealfall jedoch trägt Technologie zu einer fairen, inklusiven und prosperierenden Gesellschaft bei.

Besonders herausfordernd ist dabei, dass wir uns mitten in einer digitalen Revolution befinden. Viele gesetzliche Regelungen existieren noch nicht oder befinden sich erst in der Entwicklung. Deshalb greifen Regulierungsbehörden zunehmend auf sogenannte Meta-Regulierung zurück: Unternehmen müssen Risiken eigenständig bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen etablieren.

Dazu gehören Datenschutz-Folgenabschätzungen, Sicherheitsbewertungen oder menschenrechtliche Risikoanalysen. Unternehmen sind heute stärker denn je gefordert, Verantwortung selbst zu übernehmen – idealerweise bereits in der Entwicklungsphase neuer Technologien.

Wir stehen hier noch ganz am Anfang. Doch langfristig werden Themen wie verantwortungsvolle Technologie, Datenschutz, Cybersicherheit und ökologische Auswirkungen zusammengeführt werden. Im Kern geht es letztlich immer um Verantwortung.

Über die Autorin:Victoria Riess, MBA ist eine anerkannte Strategieleiterin und Vorstands­beraterin für ESG und Technologie, Keynote-Speakerin, Autorin u.a. des Fachbuchs ESG-Leader­ship von Schäffer-Poeschel und ausgezeichnete Top-Führungskraft in der Tech­no­lo­gie­branche. Mit ihrem beeindruckenden beruflichen Hintergrund als Strategie­beraterin, CEO und Gründerin und Cambridge-MBA-Absolventin bringt sie über 15 Jahre Führungserfahrung in den Bereichen General Management, digitale Strategieberatung und nachhaltige Unternehmens­strategie für digitale Transformation mit.

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