Patch Bypass Hacker umgehen Patch mit neuer FortiOS-Sicherheitslücke

Von Melanie Staudacher 3 min Lesedauer

Eine aktiv ausgenutzte Schwachstelle in FortiOS ermöglicht die Umgehung eines früheren Schutzmechanismus gegen manipulierte symbolische Links. Betroffene Systeme sollten aktualisiert und auf frühere Kompro­mit­tierun­gen geprüft werden.

Cyberangreifer können eine frühere Schutzmaßnahme für FortiOS umgehen und sich Zugriff auf SSL-VPN-Systeme verschaffen, auch wenn die ursprüngliche Schwachstelle bereits gepatcht wurde. (Bild:  Gemini / Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)
Cyberangreifer können eine frühere Schutzmaßnahme für FortiOS umgehen und sich Zugriff auf SSL-VPN-Systeme verschaffen, auch wenn die ursprüngliche Schwachstelle bereits gepatcht wurde.
(Bild: Gemini / Vogel IT-Medien GmbH / KI-generiert)

Sensible Informationen auf potenziell bereits kompromittierten FortiGate-Systemen mit dem Betriebssystem FortiOS und aktiviertem SSL-VPN können gefährdet sein. Die Schwachstelle EUVD-2025-207440 / CVE-2025-68686 (EPSS-Score* 1.26) hat zwar nur einen mittleren Schweregrad von 5.3, doch sie wird bereits aktiv ausgenutzt. Die CISA hat sie am 27. Juli 2026 in den Know exploited vulnerabilites catalog aufgenommen.

Alter Patch umgangen

Die Sicherheitslücke betrifft folgende FortiOS-Versionen:

  • 7.6.0 bis 7.6.1
  • 7.4.0 bis 7.4.6
  • alle Versionen der Reihen 7.2, 7.0 und 6.4

Ein nicht authentifizierter Angreifer kann „den Patch für den Mechanismus zur Speicherung symbolischer Links zu umgehen“, heißt es in dem entsprechenden Security Advisory von Fortinet. Voraussetzung ist allerdings, dass der Angreifer das betroffene Gerät zuvor bereits auf Dateisystemebene kompromittiert und dort einen manipulierten symbolischen Link angelegt hat. Anschließend kann er die Schutzmaßnahme durch speziell präparierte HTTP-Anfragen umgehen und möglicherweise sensible Dateien auslesen.

Der Patch, von dem die Rede ist, bezieht sich nicht eindeutig auf eine einzelne ältere Sicherheitslücke. Gemeint ist vielmehr eine von Fortinet später eingeführte SSL-VPN-Schutzmaßnahme gegen eine Symlink-Persistenztechnik, die nach erfolgreichen Angriffen beobachtet worden war. Sofern ein Angreifer das betroffene System zuvor etwa über eine andere Schwachstelle auf Dateisystemebene kompromittiert hat, könne er auch die von EUVD-2025-207440 / CVE-2025-68686 betroffenen FortiOS-Versionen angreifen.

Fortinet verweist in seinem Advisory auf einen Blogbeitrag von 2025. Darin geht Fortinets CISO Carl Windsor auf Fälle ein, bei denen Cyberangreifer erfolgreich FortiGate-Geräte kompromittierten. Nach dem Erstzugriff legten sie einen symbolischen Link an, der das Benutzer-Dateisystem mit dem Root-Dateisystem verband. Dieser Link sei in einem Ordner angelegt worden, der zur Bereitstellung von Sprachdateien für das SSL-VPN diente. Da diese Änderung im Benutzer-Dateisystem vorgenommen worden sei, konnte sie der Erkennung entgehen. Der Angreifer habe dadurch möglicherweise Lesezugriff auf Dateien im Dateisystem der Geräte erhalten können, darunter insbesondere Konfigurationen. Fortinet nannte im Blogbeitrag als Gegenmaßnahmen AV/IPS-Signaturen sowie die aktualisierte FortiOS-Versionen 7.6.2, 7.4.7, 7.2.11, 7.0.17 und 6.4.16, die den bekannten Symlink entfernen beziehungsweise verhindern sollten, dass SSL-VPN über manipulierte Verknüpfungen unerwartete Dateien ausliefert.

In dem Beitrag nennt Windsor beispielhaft drei Schwachstellen, die mit den Identifikationsnummern des Hersteller beziffert wurden:

  • FG-IR-22-398: EUVD-2022-45545 / CVE-2022-42475 (CVSS-Score 9.3, EPSS-Score 99.47) aus dem Jahr 2022, von der CISA als aktiv ausgenutzt gemeldet
  • FG-IR-23-097: EUVD-2023-31722 / CVE-2023-27997 (CVSS-Score 9.2, EPSS-Score 85.69) aus dem Jahr 2023, von der CISA als aktiv ausgenutzt gemeldet
  • FG-IR-24-015: EUVD-2024-19376 / CVE-2024-21762 (CVSS-Score 9.6, EPSS-Score 84.29) aus dem Jahr 2022, von der CISA als aktiv ausgenutzt gemeldet

Was bedeutet das für Anwender?

Die drei Schwachstellen sind mögliche Einstiegspunkte für eine vorherige Kompromittierung der anfälligen Geräte. EUVD-2025-207440 / CVE-2025-68686 ist dagegen keine eigenständige Einstiegslücke, sondern betrifft die Umgehung einer später eingeführten Schutzmaßnahme. Fortinet ordnet diese keiner einzelnen der drei älteren Schwachstellen als konkret „umgangenen Patch“ zu. Das aktuelle Advisory und der Blogbeitrag benennen aber die umgangene Schutzmaßnahme: eine SSL-VPN-Prüfung, die verhindern sollte, dass über manipulierte symbolische Links unerwartete Dateien aus dem FortiOS-Dateisystem ausgeliefert werden.

Für FortiOS-Nutzer bedeutet das, dass das Patchen früherer Einstiegslücken bei bereits kompromittierten Geräten möglicherweise nicht ausreicht. Ein Angreifer könnte nach einem erfolgreichen Einbruch einen manipulierten symbolischen Link hinterlassen haben, über den sich trotz einer später eingeführten SSL-VPN-Schutzmaßnahme Dateien auslesen lassen. Betreiber sollten daher auf eine behobene FortiOS-Version aktualisieren, SSL-VPN-Systeme auf Anzeichen einer früheren Kompromittierung prüfen und Konfigurationen sowie Zugangsdaten im Verdachtsfall als potenziell offengelegt behandeln.

* Hinweis zum EPSS-Score: Das Exploit Prediction Scoring System zeigt die Wahrscheinlichkeit in Prozent an, mit der eine Schwachstelle innerhalb der nächsten 30 Tage ausgenutzt wird. Der ent­sprechende Score kann sich im Laufe der Zeit verändern. Sofern nicht anders angegeben, beziehen wir uns auf den Stand des EPSS-Scores zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels.

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